Audi R8, Porsche 911 Turbo und Nissan GT-R im Test
— 15.04.2009Regenzeit
Mit dem neuen, zehnzylindrigen Audi R8 5,2 FSI betritt ein weiterer Allradsportler die Bühne der Supersportler. Gegen Nissan GT-R und Porsche 911 Turbo muss er im Regen zeigen, was er drauf hat.
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Wer den Turbo reizt, erlebt sein blaues Wunder
Seine Karosserie sieht blendend aus, er ist bis auf die letzte Sehne durchtrainiert und trägt innen wie außen nur die feinsten Materialien. Er ist ein Typ, den man seiner Freundin niemals vorstellen würde. Ganz anders der Nissan GT-R. Er entstammt einer japanischen Akademikerfamilie, und die versteckt ihre Intelligenz in Sachen Motor, Fahrwerk und Antrieb traditionell seit über 50 Jahren unter einer ziemlich unauffälligen Karosserie. Was man kann, wird nur dann gezeigt, wenn es wirklich nötig ist. Wie auf der Nordschleife des Nürburgrings. Dort, auf der Mutter aller Abstimmungsstrecken, erreichte der 485 PS starke GT-R eine Rundenzeit von 7:29 Minuten und war damit klar schneller unterwegs als deutlich stärkere und teurere Konkurrenzprodukte. Und dann ist da noch der Porsche 911 Turbo. Schon seit 1974 gilt er als der deutsche Vertreter in der Liga der Supersportler; diese Erfahrung entspannt. Auch wenn ihm grelle Auftritte wie die des Audi R8 völlig fremd sind, ganz so unauffällig wie der Nissan GT-R muss es dann aber auch nicht sein. Man kann ruhig zeigen, was man hat, Hauptsache, es geschieht stilvoll und unaufgeregt. Und so erinnert unser racinggrüner Testwagen mit beiger Innenausstattung denn auch eher an entspannte Herrenfahrer als an hitzige Rundenrekorde. Was für ein Irrtum! Egal ob Landstraße, Autobahn oder Rennstrecke – wer den Turbo reizt, erlebt sein blaues Wunder.Dennoch zeigt sich schnell, dass der Porsche die meisten Probleme mit den Wetterbedingungen hat. Seine Pneus kommen selbst auf der griffigeren Regenlinie abseits des Gummiabriebs nicht auf Temperatur, der Grip ist entsprechend schlecht. Sein Boxer-Motor beschleunigt den Turbo-Elfer mit 13,3 Sekunden am schnellsten auf 200 km/h. Ein Wert, der für die Diskussion am Stammtisch Gold wert ist, zudem dies auch noch mit dem geringsten Verbrauch (14,4 Liter pro 100 Kilometer) gepaart ist. Am Ende bleibt dem Elfer mit einer Rundenzeit von 2:19,94 Minuten dann aber doch nur der letzte Platz.
Der Nissan GT-R fährt die Bestzeit
Trotz der Nässe und der schicken, aber hakeligen H-Schaltung brüllt der Audi dann auch eine Rundenzeit nach Hockenheim, die sich gewaschen hat. Nachdem Sascha sich und die Reifen drei Runden lang auf Temperatur gebracht hat, steht nach Runde Nummer vier eine 2:17,55 Minuten auf der Uhr. Doch es geht noch schneller. Der Nissan GT-R, mit 485 PS ganze 40 PS schwächer als der Audi R8 und nur 5 PS stärker als der Porsche, surft mit 2:17,20 Minuten die Bestzeit in den Asphalt. Ein Wert, der umso beachtlicher ist, wenn man bedenkt, dass der Nissan über 100 Kilogramm schwerer ist als der Audi und im Vergleich zum Porsche über 200 Kilogramm mehr auf die Waage bringt. Ja, der Ruf des Nissan GT-R und seine sensationelle Rundenzeit auf der Nordschleife hatten uns hellhörig gemacht. Aber die Art und Weise, wie das Ganze dann live und in Farbe vonstatten geht, ist einfach nur begeisternd. Man steigt ein, drückt den roten Startknopf und ist von Beginn an superschnell unterwegs. Selbst Nichtrennfahrer bringen den Nissan sicher ans Limit.ANZEIGE
Sieg für den Audi R8 5.2 FSI
Doch für den Tagessieg reicht das dann doch nicht ganz. Denn der GT-R rollte als Einziger auf Ganzjahresreifen an den Start. Diese – im Vergleich zu den reinen Sommerpneus von Audi und Porsche – weichere Gummimischung ist auf der nassen Strecke klar im Vorteil. Egal ob beim Beschleunigen oder Bremsen, der Nissan baut einfach mehr Grip auf. eine Chancengleichheit ist unter diesen Bedingungen nicht gegeben. Dass der GT-R am neutralsten durch die Kurven eilt, hat hingegen nichts mit seinen Reifen zu tun. Es liegt an der Art, wie Nissan seinen Antrieb konstruiert hat. Auch die Bremsen des GT-R sind erwähnenswert. Obwohl als Einziger im Test nicht mit Keramikbremsscheiben ausgestattet, bietet die Brembo-Anlage das beste Pedalgefühl und erlaubt die spätesten Bremspunkte. Beeindruckend, auch wenn die Karbonscheiben des Audi und des Porsche wegen der nasskalten Bedingungen ihre Vorteile nicht ausspielen können. Doch es hilft nichts. Am Ende des Tages gewinnt der Audi R8 5.2 FSI diesen Vergleich knapp vor dem Nissan GT-R und dem Porsche 911 Turbo.
| TECHNISCHE DATEN | |||
|---|---|---|---|
| AUDI R8 5.2 FSI QUATTRO | NISSAN GT-R | PORSCHE 911 TURBO | |
| Motor | V10 | V6, Biturbo | B6, Biturbo |
| Einbaulage | Mitte hinten längs | vorn längs | hinten längs |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/4 | 4 pro Zylinder/4 | 4 pro Zylinder/4 |
| Hubraum | 5204 ccm | 3799 ccm | 3600 ccm |
| kW (PS) bei 1/min | 386 (525)/8000 | 356 (485)/6400 | 353 (480)/6000 |
| Nm bei 1/min | 530/6500 | 588/3200–5200 | 620/1950–5000 |
| Antriebsart | Allrad | Allrad | Allrad |
| Getriebe | 6-Gang | 6-Gang-Doppelkupplung | 6-Gang |
| Leistungsgewicht | 3,2 kg/PS | 3,7 kg/PS | 3,3 kg/PS |
| Tankvolumen | 90 Liter | 71 Liter | 67 Liter |
| Beschleunigung | |||
| 0–100 km/h | 4,8 s | 4,2 s | 4,6 s |
| 0–200 km/h | 13,4 s | 13,8 s | 13,3 s |
| 80–120 km/h im 5. Gang | 4,8 s | 2,6 s (Zwischenspurt) | 3,5 s |
| Verbrauch | |||
| Ø auf 100 km | 17,8 l Super Plus | 15,2 l Super Plus | 14,4 l Super Plus |
| Reichweite | 510 km | 470 km | 470 km |
| Leergewicht | 1668 kg | 1776 kg | 1575 kg |
| Höchstgeschwindigkeit (Werk) | 316 km/h | 316 km/h | 310 km/h |
| Preis | |||
| Serienfahrzeug ohne Extras | 142.400 Euro | 83.500 Euro | 143.008 Euro |
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