Audi R8 V10 gegen Novidem R8 Supercharger

Audi R8 V10 gegen Novidem R8 Supercharger

— 01.03.2010

Zehnzylinder oder Kompressor-V8?

Swiss Hightech gegen deutsche Wertarbeit. Zehnzylinder gegen Kompressor-V8. R8 gegen R8. Novidem wagt es, mit einem Kompressor-Achter den neuen V10-Sportler herauszufordern.

Drei Jahre hat der 420 PS starke Audi R8 4.2 FSI seine PS-starken Gegner aus dem In- und Ausland das Fürchten gelehrt und sogar in Zuffenhausen für viel Stirnrunzeln gesorgt. Einen derart stimmigen Supersportwagen hätten Audi nur die wenigsten zugetraut. Für die Attacke auf die ganz großen Sportler à la 911 Turbo hat es mit dem V8 im Rücken noch nicht gereicht. Das ist nun Geschichte, denn seit 2009 bestücken die Ingolstädter ihren ersten Mittelmotor-Sportwagen mit einem neuen Zehnzylinder. Plus zwei Zylinder macht einen Liter mehr Hubraum plus 105 PS ergeben 525 PS und 530 Newtonmeter. Wer nun deswegen den Wechsel zum stärkeren R8 erwägt, sollte zuvor diesen Vergleich studieren. Denn der Schweizer Tuner Novidem bietet eine Kompressor-Aufrüstung für den "kleinen" 4,2-Liter-V8 an. 510 PS sollen reichen, um mit dem V10-Modell mithalten zu können – oder es sogar zu überholen.

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Der Allradler mit dem hecklastigen Antrieb ist eine Driftmaschine.

Novidem stärkt seit 20 Jahren Motoren per Kompressor. So geschehen auch beim "kleinen" R8. Der selbst entwickelte Kompressor hat gegenüber einem Turbolader nicht nur den Vorteil der schnellerer Aufladung des Aggregats. Das Teil, das blitzsauber neben dem Motor platziert ist, arbeitet mit einem unabhängigen Ölbad; so wird kein Anschluss an das Motorenölsystem benötigt. Ein weiterer Vorteil des Tunings per Kompressor ist die geringe Verlustleistung, die durch die Antriebskraft von Motor zu Kompressor erzielt wird. So ist es möglich, mit einem Ladedruck von nur 0,45 Bar zu fahren. Das System erzeugt somit viel Leistung, stellt aber kein Problem für den Serienmotor dar. Bisher wurden die Kompressor-Kits mit kleinem Kippschalter zum Ein- und Ausschalten ausgerüstet. Beim R8 ist das anders. Bei 1200 Umdrehungen schaltet sich der Lader elektronisch zu und bleibt im Einsatz, bis diese Drehzahl wieder unterschritten wird.

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Abblend-, Fern-, Blink- und Tagfahrlicht sind beim R8 V10 serienmäßig in LED-Technik.

Somit kühlt der Kompressor ausgeschaltet schneller ab, um beim nächsten Einschalten wieder volle Leistung zu generieren. Außerdem wird so das charakteristische Kompressor-Pfeifen unterbunden. Es soll schließlich auch Leute geben, die nicht auf diesen Sound aus Surren und Kreischen der Verdichter stehen. Übrigens, wir stehen voll drauf. Und noch viel mehr, wenn sich ab 4000 Touren die Drosselklappen öffnen und die Sportauspuffanlage ihren vier Rohren freie Bahn gibt. Wenn der Achter dann bis 8250 Touren dreht, herrscht eine Soundkulisse, die eher an ein Muscle Car als an einen Audi erinnert. Gänsehaut und breites Grinsen sind garantiert, nicht nur bei den Insassen. Ähnlich reizend ist die Musik des Zehnzylinder-R8. Der Motor ist ein Drehzahltier, lässt sich freiwillig bis 8700 Touren peitschen und brüllt dabei mit heller Stimme. Kenner hören sofort, von wem das Musikstück stammt: Das Triebwerk unter der Heckklappe ist das gleiche wie im Lamborghini Gallardo. Statt 560 PS leistet es im Audi noch 525.

Tuning schlägt Serie

Für den Schwund verantwortlich sind einige Änderungen an der Ansaug- und Auspuffanlage. 4,5 Sekunden braucht ein gemessener Serien-V8-R8 auf 100 km/h, 15,5 Sekunden bis 200 km/h – sehr überzeugende Werte für einen Sportwagen der Neuzeit. Aber Novidems Sportgerät absolviert die gleichen Disziplinen in nur 4,1 und 13,1 Sekunden. Oder einmal anders ausgedrückt: Der stärkste R8 mit V10-Treibsatz ist nicht schneller als das Tuner-Coupé (4,1 s; 13,3 s). Bis zum Stehen benötigt das Serienauto 34,6 Meter aus 100 km/h und 141,7 m aus 200 km/h. Novidems R8 bremst mit Rennsportbelägen, die ihren Vorteil erst aus 200 km/h (132,7 m) ausspielen können. Bei den Elastizitätsmessungen zeigt der aufgeladene Achtzyliner dem Saug-Zehner die Rücklichter. In allen drei Gängen erreicht das getunte Derivat die Ziele fast eine Sekunde eher. Nur beim Topspeed liegt die Serie mit 316 km/h vorn. Grund: unterschiedliche Getriebe- und Drehzahlabstimmungen zwischen V8 und V10.

Novidem und Audi setzen auf Karbon

Locker und lässig zieht der getunte am Serien-R8 vorbei, jagt fast drei Sekunden eher durchs Ziel.

Rein optisch treten die beiden Sportcoupés dagegen fast schon zurückhaltend auf. Spoilerlippe, Schweller und Diffusor bestehen beim Novidem-R8 aus Karbon. Die mattschwarzen PPI-Räder messen 19 Zoll und tragen Michelin-Cup-Gummis in den Seriendimensionen 235/35 und 305/30. Für die zügige Fortbewegung und den Besuch auf der Rennstrecke montierte der Tuner zwei Recaro-Vollschalensitze. Der Konkurrent aus Ingolstadt kommt bis auf etwas mehr Karbon außen (Sideblades) und innen im Standardtrimm zum Vergleichstest. Dazu gehören Leder, LED-Scheinwerfer und 19-Zöller. Beide R8 sind mit der originalen, gut zu schaltenden Sechsgangbox ausgerüstet. Zeit für die Königsdisziplin, die Rennstrecke. Zuvor werden noch Wetten abgeschlossen, wo sich beide R8 einsortieren. Die einen Kollegen prophezeien dem V10 eine Zeit knapp hinter dem 911 Turbo. Die andere Fraktion sieht den Novidem irgendwo um die 1:37 min. Die Ampel springt auf Grün, der getunte Audi sprintet zuerst los. Der Kompressor schaltet sich zu, sein Pfeifen vermischt sich mit dem Auspuffsound zu einer V8-Partitur par excellence.

Novidem hat das Gesamtpaket perfekt abgestimmt

Bei den Elatizitätsmessungen fährt Novidem dem V10 davon.

In der ersten Runde gilt es, die kalten Semislicks auf Temperatur zu bringen. Die Seitenneigung ist gering, der Wagen klebt neutral auf der Straße, lenkt entschlossen ein und tendiert weit weniger zu einem ausbrechenden Heck als die Serienversion. Nach zwei Runden stehen schon die erwarteten 1:37 min. auf dem Display. Reifen und Fahrer sind nun angewärmt – jetzt gilt's. Ob Omega-Kurvenlabyrinth oder Sachsenkurve – der Novidem-R8 lässt sich stets ohne Zucken unter Volllast bewegen. Dabei montierte der Tuner lediglich einen Satz speziell auf den R8 abgestimmter Sportfedern von H&R. Nur wer mit wilden Lenkmanövern ein Übersteuern provoziert, zieht den R8 "Supercharger" auch im Querzustand um die Ecken. Beeindruckend: die Bremsanlage. Die geänderten Beläge kochen die Scheiben in keiner Runde weich. Und dann die Überraschung: Mit 1:35,68 min. fährt der Audi auf Platz fünf der Hitliste, knapp hinter dem 800 PS starken Porsche GT2 und dem Novidem Nissan GT-RS.

Der Zehnzylinder liebt Drehzahlen und schreit herlich

Zum Test tritt der R8 V10 mit serienmäßigen 19-Zöllern und Pirelli-Sohlen an.

Der Nächste, bitte! Im 525 PS starken und fast 100 Kilo schwereren R8 V10 geht es im Grenzbereich ähnlich locker und narrensicher um die "sächsische Nordschleife". Der Allradler steht zwar hier und da wegen seines hecklastig ausgelegten Antriebs etwas quer. Fakt ist aber: Wo man im Novidem schon den nächsten Gang in die passende Gasse einschiebt und der Kompressor ordentlich Druck macht, da kommt der V10 erst auf Touren. Zwar spart man sich dadurch hier und da einen Schaltvorgang. So agil und flüssig wie beim Tunerauto sind die Runden aber nicht. Zumal die Serienpneus schon nach drei Runden das Heulen anfangen. Dennoch ist die Zeit von 1:38,32 min. nicht von schlechten Eltern. Zumal einer der Konkurrenten in der Hitliste, der Porsche Turbo (480 PS), auf Semislicks unterwegs war – und Novidem auf schnelleren Cup-Reifen. Die 90-PS-Leistungskur von Novidem hat jedoch ihren Preis: Satte 29.990 Euro verlangen die Schweizer für den Komplettumbau inklusive Sportauspuffanlage. Nimmt man den Komplettpreis, ist er 3.390 Euro teurer als der V10. Allerdings hat man im Serienmodell bei Weitem nicht so viel Spaß wie im Novidem R8 "Supercharger".
Technische Daten Audi R8 5.2 V10 Novidem R8
Motor V10 V8, Kompressor
Einbaulage Mitte hinten längs Mitte hinten längs
Hubraum 5204 cm3 4163 cm3
kW (PS) bei 1/min 386 (525)/8000 374 (510)/7050
Nm bei 1/min 530/6500 560/5910
Antriebsart Allrad Allrad
Getriebe 6-Gang manuell 6-Gang manuell
Leistungsgewicht 3,2 kg/PS 3,1 kg/PS
Tankvolumen 90 l 75 l
Beschleunigung
0-100 km/h 4,1 s 4,1 s
0-200 km/h 13,3 s 13,1 s
0-402,32 m 12,23 s 12,34 s
Testverbrauch
Ø auf 100 km 17,8 l Super Plus 16,8 l Super Plus
Leergewicht 1683 kg 1600 kg
Höchstgeschwindigkeit 316 km/h 310 km/h
Preis Serienfahrzeug 142.400 Euro 145.790 Euro

Autor: Guido Naumann

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