Drei Supersportler im Test

Audi R8 V10 Plus/Corvette Z06/Nissan GT-R

— 03.01.2017

Zeit ist Geld

Corvette Z06 und Nissan GT-R gelten als Schnäppchen für Trackday-Fahrer. Was könne die beiden im Vergleich zum viel teureren Audi R8 V10 Plus?

100.000 Euro – viel Geld, wenn man es nicht gerade für eine Immobilie, sondern für etwas weitaus Vergänglicheres wie beispielsweise ein Automobil ausgibt. Auf der anderen Seite waren 100.000 Euro nichts, wollte man vor knapp zehn Jahren Fahrleistungen der ersten Liga genießen – Ferrari, Lamborghini oder Porsche Turbo schlugen eher mit dem Doppelten zu Buche. Doch dann kam der Nissan GT-R: ein grobschlächtiges Coupé mit Biturbo-Dampfhammer, ausgeklügeltem Allradantrieb und einer Fahrdynamik, die sich angesichts der 1,8 Tonnen Leergewicht niemand so richtig erklären konnte.

Der Japaner gefällt als leicht zu beherrschender Sportler

Eine Fahrmaschine namens Godzilla: Im Nissan GT-R ist jeder schnell unterwegs – zum relativ kleinen Preis.

Seinen Spitznamen Godzilla hatte der GT-R schnell weg, das 486 PS starke Technik-Ungeheuer rollte zum schlanken Grundpreis von 81.800 Euro vor die Haustür. Da war oft noch Luft im Budget für eine saftige Leistungssteigerung. Sagen Sie's bitte nicht weiter, aber auch auf deutschen Straßen sind einige GT-R mit über 1000 PS unterwegs ... Die Trackday-Szene – damals sprach man übrigens noch vom "freien Fahren" – hat sich daraufhin stark verändert. Plötzlich bestand sie nicht mehr nur aus einigen wenigen wohlgenährten Herrenfahrern, die ihrem Ferrari vornehmlich geradeaus die Sporen gaben, und einem ganzen Rudel junger Heißsporne in gemachten C-Kadetts und GTIs, die den Arrivierten in den Kurven links und rechts um die Ohren pfiffen. Immer mehr Nissan GT-R setzten nun die Bestzeiten, die Fahrer waren einerseits alt genug, ihn sich leisten zu können, andererseits aber noch jung genug, um letzte Rille zu fahren.
Alle News und Tests zum Nissan GT-R

Die Corvette liegt mit Performance-Paket auf ZR1-Niveau

Adaptive Dämpfer, Carbon-Keramik-Bremsen, Semi-Slicks, Spoiler: Rennstrecken-Zubehör gibt es im Paket.

Diese Klientel der um die 40-jährigen Godzilla-Treter hatte beim freien Fahren jedoch immer wieder Gegner auf Augenhöhe: die Corvette-Fraktion, die schon seit der Generation C5 das Credo des gerade noch bezahlbaren, aber sauschnellen Supersportlers sang. Eine Corvette C6 mit 437 PS kostete anno 2009 schmale 67.000 Euro, das Siebenliter-Biest Z06 mit 512 PS knapp 90.000 Euro, das Kompressor-Monster ZR1 mit 647 PS allerdings schon rund 136.000 Euro. So gesehen ist die Corvette Z06 des Jahres 2017 mit ihrem Basispreis von 116.900 Euro noch immer ein Schnapper, kostet sie doch fast 20.000 Euro weniger als die alte ZR1, hat zumindest auf dem Papier mehr Leistung und ist natürlich das modernere Auto. Ordert man aber das Z07 Performance Pack, das adaptive Dämpfer, Carbon-Keramik-Bremsen, kompromisslose Semi-Slicks und sehr abtriebsorientierte Aerodynamikteile beinhaltet, kostet die C7 Z06 etwa genauso viel wie die alte ZR1.
Alle News und Tests zur Chevrolet Corvette

Bescheidener der Nissan: In der Basisausstattung bleibt er mit 99.900 Euro nach wie vor fünfstellig, in der Prestige-Edition des Testwagens, reißt er die 100.000-Euro-Hürde hingegen schon deutlich. Das Modelljahr 2017 leistet dank optimierter Ladeluftkühlung und weiteren Feintunings nun großzügige 570 PS, wohingegen die Top-Version Nismo bei 600 PS stagniert.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Beim Klang des Audi R8 ist Gänsehaut garantiert

Beste akustische Unterhaltung: Der Audi R8 V10 Plus klingt mehr nach GT3-Renner als nach Straßenauto.

Und der Dritte im Bunde? Nun, der Audi R8 V10 Plus ist seit gut anderthalb Jahren auf dem Markt und immer noch taufrisch. Er dient in diesem Vergleich als reinrassige Supersportwagen-Referenz, hat alles an Bord, was gut und teuer ist: Mittelmotor (wie in Zukunft wohl auch die Corvette C8), zehn Zylinder (die auch in Sant'Agata Bolognese verbaut werden), Doppelkupplungsgetriebe, variablen Allradantrieb, Keramikbremsen, Options-Sportreifen. Inklusive der aufpreispflichtigen, ultradirekt übersetzten Aktivlenkung kratzt Audis Topathlet bereits an der 200.000-Euro-Schwelle und repräsentiert somit den klassischen Edel-Sportwagen zum ebenso klassischen Edel-Preis. Doch man bekommt auch so einiges für sein Geld: einen Gänsehaut-Klang beispielsweise, der nur geübten Ohren Rückschlüsse auf die Anzahl der Zylinder ermöglicht, jedenfalls aber mehr nach GT3-Renner als nach Straßenauto klingt. Bei niedrigen Touren kernig, zieht ab mittleren Drehzahlen ein Soundgewitter auf, gegen das die Trompeten von Jericho wohl wie ein Blockflötenkonzert anmuten würden.

Dei Supersportler im Test

Alle News und Tests zum Audi R8

Wie sich die drei Sportlern auf dem Sachsenring schlagen, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Audi Chevrolet Nissan
Modell R8 V10 Plus Corvette Z06 Z07 PP MT GT-R Prestige Edition
Motorbauart V10 V8 V6
Aufladung/Ladedruck Kompressor/0,65 bar Biturbo/0,95 bar
Einbaulage Mitte hinten längs vorn längs vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 2 pro Zylinder/1 4 pro Zylinder/4
Hubraum 5204 cm³ 6162 cm³ 3799 cm³
Bohrung x Hub 84,5 x 92,8 mm 103,3 x 92,0 mm 95,5 x 88,4 mm
Verdichtung 12,5:1 10,0:1 9,0:1
Leistung kW (PS) b. 1/min 449 (610)/8250 485 (659)/6400 419 (570)/6800
Literleistung 117 PS/l 107 PS/l 150 PS/l
Drehmoment Nm b. 1/min 560/6500 881/3600 637/3300-5800
Antrieb Allrad Hinterrad Allrad
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplung 7-Gang manuell 6-Gang-Doppelkupplung
Bremsen vorn 380 mm/innenbel./gel. 394 mm/innenbel./gel. 390 mm/innenbel./gel.
Bremsen hinten 356 mm/innenbel./gel. 388 mm/innenbel./gel. 380 mm/innenbel./gel.
Bremsscheibenmaterial Carbon-Keramik Carbon-Keramik Stahl
Radgröße vorn – hinten 8,5 x 20–11 x 20 10 x 19–12 x 20 9,5 x 20–10,5 x 20
Reifengröße vorn – hinten 245/30 R 20–305/30 R 20 285/30 R 19–335/25 R 20 255/50 R 20–285/35 R 20
Reifentyp Michelin Pilot Sport Cup 2 (AO) Michelin Pilot Sport Cup 2 (ZP) Dunlop SP SportMaxx GT600
Länge/Breite/Höhe 4426/1940/1240 mm 4518/1965/1235 mm 4710/1895/1370 mm
Radstand 2650 mm 2710 mm 2780 mm
Tankvolumen 73 l 70 l 74 l
Kofferraumvolumen 112 + 226 l 425 l 315 l
Testwagenpreis 195.900 Euro 133.400 Euro 104.650 Euro
Messwerte Audi Chevrolet Nissan
Beschleunigung
0- 50 km/h 1,2 s 2,0 s 1,4 s
0- 80 km/h 2,2 s 3,1 s 2,3 s
0-100 km/h 2,9 s 4,0 s 3,2 s
0-130 km/h 4,3 s 5,9 s 4,8 s
0-160 km/h 6,1 s 8,3 s 6,9 s
0-180 km/h 7,6 s 10,0 s 8,7 s
0-200 km/h 9,5 s 12,8 s 10,8 s
0-402,34 m 10,73 s 12,10 s 11,15 s
Elastizität
60-100 km/h (4./5. Gang) 3,0/4,0 s 3,3/4,7 s 3,3/4,6 s
80-120 km/h (5./6. Gang) 3,9/5,4 s 4,3/5,9 s 4,0/5,7 s
80-120 km/h (7. Gang) 6,4 s 13,2 s
Bremsweg
100-0 km/h kalt 31,4 m 33,7 m 33,9 m
100-0 km/h warm 31,8 m 30,0 m 33,3 m)
200-0 km/h warm 124,5 m 118,5 m 128,0 m
Testverbrauch
Ø auf 100 km 14,9 l Super Plus 18,9 l Super Plus 14,8 l Super Plus
Reichweite 480 km 370 km 500 km
Gewichte
Leergewicht/Zuladung 1637/258 kg 1603/297 kg 1777/423 kg
Gewichtsverteilung v/h 42/58 % 50/50 % 55/45 %
Leistungsgewicht 2,7 kg/PS 2,4 kg/PS 3,1 kg/PS

Audi R8 gegen Nissan GT-R und Corvette Z06

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: Audi R8 V10 Plus, Chevrolet Corvette Z06 Z07 PP und Nissan GT-R (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

09.12.2016

Preis:

1,00 €

Autor:

Florian Neher

Fazit

Die nur sanft überarbeitete 2017er-Corvette Z06 bietet nach wie vor ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Vor allem ohne das extreme Z07-Paket, denn – Hand aufs Herz – wie oft fährt man wirklich auf der Rennstrecke. Dort dürfte sich die Z06 im Übrigen auch im Basistrimm sehr achtbar schlagen, passende Bereifung vorausgesetzt. Ein wenig enttäuscht waren wir vom Nissan GT-R, der zumindest in der Prestige Edition der Alltagstauglichkeit ein wenig Brutalität geopfert hat. Der Audi R8 V10 Plus pfeift hingegen auf den Alltag, ist ein konsequenter Supersportler mit allen Vor- und Nachteilen.

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