Audi R8 V10 Plus vs. Porsche 911 GT3 RS

Audi R8 V10 Plus Coupé/Porsche 911 GT3 RS: Test

— 10.10.2015

Zwischen Limit und Hölle

Anschnallen zum Straßenkampf vom Allerfeinsten: Audis Top-Sportler R8 trifft den Über-Porsche 911 GT3 RS. Ein Duell, das beide an Grenzen treibt.

Zwei muskelbepackte Typen im Formationsflug: Audi R8 V10 Plus und Porsche 911 GT3 RS.

Wissen Sie, der Schlagabtausch ging so schnell, ich hab eigentlich gar nichts gesehen. Das Ganze hat höchstens ein-einhalb Minuten gedauert – nun liegt der eine am Boden, und der andere steht schnaufend am Bordstein. Genaueres? Ehrlich, ich kann da nur spekulieren. Was wäre, wenn wir alle bei AUTO BILD derart schlechte Zeugen wären? Wir hätten nichts zu erzählen und Sie niemals etwas von diesem erbitterten Straßenkampf erfahren. Also, das Ganze kam so: Es war am letzten Freitag. Am Vormittag, gegen zehn Uhr, passierte es. Tatort: das Contidrom – eine Teststrecke des Reifenherstellers Continental – in der Nähe von Hannover. Beteiligte: zwei grimmige Typen, laute Burschen, muskelbepackt und noch recht jung. Die beiden hatten Streit, es wurde laut, es ging irgendwie um eine Krone und am Ende ...

Der deutsche Mittelmotor-Sportler hat ein italienisches Herz

Audi R8 V10 Plus: 610 PS aus einem 5,2-Liter-V10, der seine Kraft über alle vier Räder auf die Straße bringt.

Doch der Reihe nach. Den Streit der zwei Gang-Chefs haben wir zu verantworten. Vor zwei Monaten kürten wir den Porsche 911 GT3 RS zum Boss im Viertel. Zum Revierchef über die AMG, die Nissan GT-R, einfach über die versammelte Mannschaft besonders trainierter Muskeljungs. Der 500 PS starke Super-Elfer fuhr die Bestzeit auf unserer Sportwagen-Teststrecke, ließ alle anderen stehen. Jetzt will ein Neuer an die Spitze. Der Audi R8 V10 Plus. 610 PS stark, gut für Tempo 330. In seinen Spritleitungen pocht italienisches Blut – der mächtige Mittelmotor-V10 stammt aus dem Clan der Lamborghini. Auch sonst hat der neue R8 alle Mittel, dem Porsche das Mundwerk zu stopfen. Dem neuen R8 hilft eine variable Kraftverteilung, seinen Allradantrieb effektiv zu nutzen. Darüber hinaus peitscht ein adaptives Doppelkupplungsgetriebe die Gänge durch, Keramikbremsen verzögern die 1600-kg-Fuhre, Carbon-Doping (Stichwort: Leichtbau) und feine Balance über das Mittelmotorkonzept halten den Boliden in schnellem Schwung.
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Ein mächtiger Heckflügel sorgt beim Elfer für Anpressdruck

Porsche 911 GT3 RS: Den mächtigen Heckflückel trägt der Zuffenhauser Übersportler nicht nur zum Spaß.

Der Porsche steht hecklastiger da, mit dem Vierliter-Boxer ganz hinten. Die Maschine steckt in der verbreiterten 911-Turbo-Karosserie – die ganz schön wild verspoilert aussieht. Aber Achtung: Das ist keine Schminke. Flügel (gewaltig!), Spoiler (ultraflach über dem Boden!) und weitere Tricks helfen, den 911er besonders griffig an den Boden zu pressen. Abtrieb heißt die Devise. Man könnte auch sagen: Je schneller der GT3 RS in eine Kurve sticht, desto stärker verklebt ihn diese unsichtbare Kraft mit dem Asphalt. Ungewohnt entschlossen muss man sich an dieses Fliehkraft-Spektakel herantasten, sich körperlich abmühen, trauen. Der Aerodynamik-Trick wirkt. Mit abartig hoher Kurvengeschwindigkeit peitscht der 911 über den Kurs. Beim Einlenken lassen sich die Radien in zentimeterfeine Segmente aufteilen, so exakt reagiert das Auto auf Kurskorrekturen. Außerdem hilft ihm eine Hinterachslenkung, verbindlich und direkt die Richtung zu ändern. Auf der Bremse reagiert der Porsche erstklassig, der Druckpunkt auf dem Pedal bleibt Runde für Runde millimetergenau stabil.
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Dazu passend wirft sich die bis deutlich über 8000 Touren kreischende Maschine ins Zeug. Ruft der Fahrer nach dem Scheitelpunkt volle Leistung ab, steht sie bereit. Spielfrei, telepathisch direkt, alles ist miteinander verzahnt. Schneller, besser (und lauter) kann man 500 PS nicht entfesseln. Der Mix aus Brutalo-Motor, Klebe- Fahrwerk und Gnadenlos-Bremsen sorgt dann auch für eine adäquate Rundenzeit. 1:27,53 stehen auf der Stoppuhr. Wir staunen, und Porsche darf sich freuen – Platz eins auf unserer Rundstrecken-Bestenliste.
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Zu forsche Zeitenjagd quittiert der R8 mit einem unruhigem Heck

Vorsicht vor zu viel Einsatz: Auf letzter Rille balanciert der Audi R8 V10 Plus nicht mehr ganz trittsicher.

Da will auch Audi hin. Sein Zehnzylinder rasselt, sägt, stinkt aus vollsten Hubraum-Hosen (fünf Liter!), will vor Kraft bersten. Na dann: Zeig mal. 2,9 Sekunden! Auf 100! So etwas hatten wir noch nie! Unsere Sprintprüfung lässt ja ein schnelles Ende für den Porsche erahnen. Aber dann überfordert den R8 unsere Quälerei auf dem Rundkurs. Auf der Jagd nach Top-Zeiten quetschen wir das Letzte aus den Autos heraus – und das klappt im R8 nicht reibungslos. Auf der letzten Rille balanciert der Audi nicht mehr trittsicher. Hart auf der Bremse tänzelt der Mittelmotor-Bolide schlingernd auf den Einlenkpunkt zu. Das Heck unruhig, die Linie futsch – das ist bei Tempo 200 aufwärts kein Spaß mehr. Jeder Lastwechsel bringt Unruhe in das rund 200 Kilogramm schwerere Auto. Der Fahrer muss das Eigenleben des roten Renners kompensieren, kämpft dann mit der verschwommenen Mittellage der Lenkung und kommt so mit dem Ausgleichen kaum hinterher. Das kostet Vertrauen ins Auto. Unter Last schiebt der R8 zudem leicht über die Vorderräder – auch das kostet unnötig Zeit. Kurz: Der Porsche bringt den Fahrer ans Limit, beim Audi ist es genau umgekehrt.

Kleiner Nebenkriegschauplatz: Die Sitzposition behagt so gar nicht, höher positioniert und mit angewinkelten Beinen muss der Audi-Pilot um Haltung kämpfen. Dennoch, dem R8 stehen 610 PS zur Verfügung – also über 100 mehr als beim Porsche. Seine Bremsen beißen ebenso heftig und zuverlässig zu. Da muss doch bei der Rundenzeit ordentlich etwas gehen. Ordentlich heißt in diesem Falle: über zwei Sekunden. Allerdings über zwei Sekunden langsamer. Mit 1:29,92 legt der R8 zwar eine Spitzenzeit hin, landet so auf Platz drei unserer ewigen Renn-Tabelle. Den Kampf ums Revier gewinnt jedoch der Porsche. Eines können wir mit Sicherheit sagen: Das ging alles so sauschnell ...
Fahrzeugdaten Audi Porsche
Modell Audi R8 V10 Plus Coupé Porsche 911 GT3 RS
Motor Bauart V-Zehnzylinder Sechszylinder-Boxer
Einbaulage mitte längs hinten längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 5204 cm³ 3996 cm³
kW (PS) bei 1/min 449 (610)/8250 368 (500)/8250
Nm bei 1/min 560/6500 460/6250
Vmax 330 km/h 310 km/h
Getriebe Siebengang-Doppelkupplung Siebengang-Doppelkupplung
Antrieb Allradantrieb Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung v. 245/30 ZR 20 Y h. 305/30 ZR 20 Y v. 265/35 ZR 20 Y h. 325/30 ZR 21 Y
Reifentyp Pirelli P Zero Michelin Pilot Sport Cup 2
Radgröße v. 8,5 x 20"/h. 11 x 20" v. 9,5 x 20"/h. 12,5 x 21"
Abgas CO2 287 g/km 296 g/km
Verbrauch* 17,5/9,3/12,3 l 19,2/8,9/12,7 l
Tankinhalt 83 l/Super plus 90 l/Super plus
Kältemittel R134a R134a
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A) 74 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. keine keine
Kofferraumvolumen v. 112 l /h. 226l v. 125 l/ h. 260 l
Länge/Breite/Höhe** 4426/1940-2029**/1240 mm 4545/1880-1978**/1291 mm
Testwagenpreis 192.210 Euro 192.472 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** Breite mit Außenspiegeln

Audi R8 V10 Plus und Porsche 911 GT3 RS im ersten Vergleich

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: Audi R8 V10 und Porsche 911 GT3 RS (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

02.10.2015

Preis:

1,00 €

Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Zwei Sekunden liegen zwischen Porsche und Audi – in dieser Top-Liga der PS-Spezialisten ist das eine Welt. Der R8 hängt dem 911 somit zwar ein ganzes Stück hinterher, ist dennoch ein extrem faszinierender und sauschneller Rassesportler. Für den 911 GT3 RS gilt: Das ultradirekte Fahrerlebnis adelt ihn zum aufregendsten Sportwagen der Welt. Schnellster in unserer Zeiten-Hitliste ist er sowieso.

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