Audi R8/B&B TT 500 — 25.03.2008
Star gegen Double
Mit dem TT 500 stellt Tuner B&B ein Double für den Audi R8 vor. AUTO BILD SPORTSCARS wollte wissen, wie nah die Kopie dem Original auf die Pelle rücken kann.
Mit 500 Turbo-PS will der TT 500 den R8 das Fürchten lehren
Kein bisschen überflüssig ist hingegen das Gekröse, das sich im Motorraum ausbreitet: Dort finden sich die Zutaten des Erfolgrezepts, mit dem B&B dem hochdrehzahlfesten V8-Sauger des 420 PS starken R8 Paroli bieten will: Ein Turbokit verlangt dem installierten V6 alles ab. 500 PS liegen unterm Strich an – statt serienmäßiger 250. Die erzielt der Tuner über die Installation eines Garrett-Laders. An den natürlich auch die gesamte Peripherie angepasst werden muss: Alu-Ansaugkrümmer, Kraftstoffdruckregler, modifiziertes Steuergerät mit Ladedruckregelung und eine reduzierte Verdichtung sind die ersten Schritte. Den Rest des Weges beschreitet B&B mit Hochleistungsladeluftkühler, Sportauspuff plus Abgashosenrohr, zusätzlicher Kraftstoffpumpe, speziellen Schmiedekolben und verstärkten Pleuellagerschalen. Durch diese Maßnahmen schießt natürlich auch das Drehmoment nach oben: von 320 auf 650 Newtonmeter. Tatsächlich belegen die Messwerte, dass der B&B TT dem R8 davonfährt. Der Verdacht, der TT könnte ein paar Pferdestärken weniger oder der R8 ein paar mehr haben als geschrieben steht, liegt indes nahe. Kann sich der TT doch trotz 130 Kilogramm Mindergewichts nur in kleinen Schritten vom R8 absetzen.Der Serien-Audi markiert den lupenreinen Sportler
Bis 100 km/h erarbeitet er sich vier Zehntel Vorsprung, bis 200 km/h immerhin eine Sekunde. In der Höchstgeschwindigkeit liegt das B&B-Coupé 7 km/h über dem R8. Dabei ist das endgültige Potenzial des TT mit 308 km/h noch nicht ausgelotet – bei der letzten Highspeed-Fahrt in Papenburg verhinderte das miese Wetter bessere Resultate. Im direkten Fahrvergleich unterscheidet die beiden Audi deutlich mehr, als die Papierform verrät. Der R8 markiert den lupenreinen Sportler – geschliffen wie ein funkelnder Diamant. Sämig dreht der Sportmotor hoch, ist sich für keine Umdrehung zu schade und kapituliert erst bei 8250 Touren. Der Achtzylinder klingt bis in die letzte Oktave exakt so kraftstrotzend-kultiviert, wie man sich das von einem Aggregat dieses Kalibers erträumt. Manch einem mag das Audi-Topmodell in seiner Gesamtkonzeption sogar zu makellos, zu glatt geraten sein. Derlei Bedenkenträger werden auf das ungehalten-zornige Gebrüll des TT mit glückseligem Lächeln reagieren. Widmet man dem B&B-Auto etwas Zeit, ergibt sich ein komplett anderes Gesamtbild als beim Gentlemansportler R8. Während Letzterer wohlbehütet an einer Eliteuni studiert zu habenscheint, stammt das Know-how des TT vom täglichen Überlebenskampf auf der Straße. Hat er sein leichtes Kaltlaufstottern überwunden, springt er unbedachte Piloten aus dem Hinterhalt an, verbeißt sich in ihnen und lässt erst los, wenn er sie in der Luft zerrissen hat.Etwas weniger blumig ausgedrückt: Der TT reagiert auf jeden Gasstoß unverhohlen aggressiv und mit explosiver Kraftentfaltung. Unter der Haube scheint B&B eine Ladung Dynamit installiert zu haben. Wer es etwas ruhiger angehen lassen will, dem sei gesagt: nicht mit dieser automobilen Urgewalt. Und so schießt die Besatzung mit 300 Sachen über die Bahn, registriert aufgrund des feinnervigen Sportfahrwerks jede Verwerfung und schafft es nur mit Mühe, von dem Speed-Trip wieder klaren Verstandes herunterzukommen. Im direkten Vergleich kann der TT nicht verhehlen, dass er ursprünglich eine Klasse tiefer angesiedelt ist als der R8. Er wirkt weniger solide und äußert bisweilen ein leichtes Knarzen. Trotzdem liegt er auch bei Tempo 300 so unerschütterlich auf der Straße wie ein Felsbrocken. Dank DSG trübt keine Zugkraftunterbrechung die Lust am pausenlosen Vortrieb. Der R8 will von Hand geschaltet werden – und lässt sich dennoch gelassener zügig bewegen. Die unverfälschte Lust an hohen Geschwindigkeiten stören nur Kleinigkeiten: Deutliche Windgeräusche ab Tempo 200 etwa oder ein Vorderwagen, der sich beim Einlenken manchmal unangenehm leicht anfühlt.
Ein Defekt im Turbo behindert den Rennstrecken-Vergleich
Wer jetzt argumentiert, dass ein Tom Cruise traditionell und völlig zu Recht mehr Gage einsackt als sein namenloses Double, dem ist schwer zu widersprechen. Andere hingegen finden an unbekannten Darstellern möglicherweise mehr Gefallen als an Stars, die sich permanent im Rampenlicht sonnen.
| Technische Daten | Audi R8 | B&B TT 500 |
|---|---|---|
| Motor | V8 | V6, Turbo |
| Einbaulage | Mitte längs | vorn quer |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/4 | 4 pro Zylinder/2 |
| Hubraum | 4163 cm³ | 3189 cm³ |
| Bohrung x Hub | 84,5 x 92,8 mm | 84,0 x 95,9 mm |
| Verdichtung | 12,5:1 | 8,8:1 |
| kW (PS) bei 1/min | 309 (420)/7800 | 368 (500)/6000 |
| Literleistung | 101 PS/Liter | 157 PS/Liter |
| Nm bei 1/min | 430/4500–6000 | 650/2800 |
| Antriebsart | Allrad | Allrad |
| Getriebe | 6-Gang manuell | 6-Gang-DSG |
| Bremsen vorn | 365 mm/innenbel./gelocht | 342 mm/innenbel./gelocht |
| Bremsen hinten | 356 mm/innenbel./gelocht | 310 mm/innenbelüftet |
| Radgröße vorn/hinten | 8,5 x 18 / 10,5 x 18 | 9 x 20 |
| Reifen vorn/hinten | 235/40 R 18 / 285/35 R 18 | 245/30 R 20 |
| Reifentyp | Pirelli P Zero | Dunlop SP SportMaxx |
| Länge/Breite/Höhe | 4431/1904/1249 mm | 4178/1842/1302 mm |
| Radstand | 2650 mm | 2468 mm |
| Leistungsgewicht | 3,9 kg/PS | 3,0 kg/PS |
| Zuladung | 240 kg | 340 kg |
| Tankvolumen | 75 l | 60 l |
| Preise (in Euro) | Audi R8 | B&B TT 500 |
|---|---|---|
| Ausstattung | ||
| Leistungssteigerung | – | 27.950 (inkl. Auspuff) |
| Fahrwerk | 1740 (Magnetic Ride) | 1798 |
| Radsatz | 1540 | 3998 |
| Anbauteile | 1900 (Carbon Sideblade) | 2698 |
| Carbon-Motorraum | 2970 | siehe Leistungssteigerung |
| Bremsanlage | Serie | 3298 |
| Carbon-Interieur | 2050 | – |
| Fahrzeugpreis | 114.600 Euro | 82.842 Euro |
| Messwerte | Audi R8 | B&B TT 500 |
|---|---|---|
| Beschleunigung | ||
| 0– 50 km/h | 1,8 s | 1,7 s |
| 0–100 km/h | 4,5 s | 4,1 s |
| 0–130 km/h | 7,1 s | 6,2 s |
| 0–160 km/h | 10,3 s | 9,1 s |
| 0–200 km/h | 15,5 s | 14,5 s |
| Viertelmeile | ||
| 0–402,34 m | 12,83 s | 12,25 s |
| Elastizität | ||
| 60–100 km/h im 4. Gang | 4,8 s | 4,9 s |
| 80–120 km/h im 5. Gang | 6,1 s | 5,8 s |
| 80–120 km/h im 6. Gang | 8,6 | s 8,7 s |
| Vmax | 301 km/h | 308 km/h |
| Bremsweg (Verzögerung) | ||
| 100–0 km/h kalt | 36,1 m (–10,5 m/s²) | 35,2 m (–11,0 m/s²) |
| 100–0 km/h warm | 34,5 m (–11,2 m/s²) | 36,0 m (–10,7 m/s²) |
| 200–0 km/h warm | nicht ermittelt | 145,0 m (–10,7 m/s²) |
| Testverbrauch | ||
| Ø auf 100 km | 15,4 l Super Plus | 17,1 l Super Plus |
| Reichweite | 490 km | 350 km |
| Leergewicht | 1620 kg | 1490 kg |
































