Audi RS 3 trifft Audi RS 2

Audi RS 2 Limousine Audi RS 2 Limousine Audi RS 3 Limousine

Audi RS 2 Limousine/Audi RS 3 Limousine: Test

— 04.01.2018

Das 5. Element

Anfang 2017 steckte Audi den RS 3 ins Kleid der Limousine. Wir haben den Vorgänger ausgegraben: die extrem seltene RS 2 Limousine.

Die Wege des Herrn sind manchmal unergründlich. Insbesondere dann, wenn es sich um den der vier Ringe handelt. Sie verstehen nur Bahnhof? Nun, dann kommen Sie mal mit! Zurück in die frühen Neunziger, als Audi gerade drauf und dran war, seine motorsportlichen Wurzeln kurzzeitig verdorren zu lassen. Die Rallyehistorie war längst begraben, das IMSA-Engagement eingestellt, der V8 quattro frisch aus der DTM verbannt und der angedachte V6-Nachfolger  gekappt. Das Motorsport-Engagement lag nahezu brach, feierte einzig in Frankreich ebenso triumphale wie nebensächliche Erfolge.

Der RS 2 Avant schockte 1994 die Sportwagen-Welt

Vorbild und Technikspender: Der RS 2 Avant war 1994 eine Sensation und fuhr alles in Grund und Boden.

1994 wagt Audi dann ganz überraschend das, was sich zuvor kein anderer Hersteller je getraut hat, und haut mit dem RS 2 Avant eine vogelwilde Ausgeburt auf Basis des S2 heraus. 315 PS, 410 Newtonmeter, 5,4 Sekunden auf hundert, 262 km/h Spitze. Ein Kombi der absoluten Superlative, ein neuer, gänzlich unverhoffter Höhepunkt des Fünfzylinders, der den Abgesang der dahinscheidenden Baureihe auf einmal mit bis zu 1,4 Bar und Permanent-quattro zwitschern durfte. Ende der 1990er legte der R5 seinen Turbo ab und ging ins Exil, um fortan kreuzbrave Jettas über tempolimitierte Highways zu zerren. Im TT RS von 2009 feierte er sein Comeback. Es folgte das erste Gastspiel im RS 3, ein paar Jahre später der Umzug in die jeweiligen Nachfolger, ehe man ihn Anfang 2017 erstmals in das Gewand einer kompakten Limousine steckte, um seiner glorreichen Show eine internationale Bühne zu bereiten; und genau diese Limousine posiert heute neben einem Vorfahren, den es streng genommen eigentlich gar nicht geben dürfte.

Eine RS 2 Limousine gab es offiziell nie im Audi-Programm

Sehr sehr selten: Von der RS 2 Limousine soll es nur vier bis fünf Exemplare geben. Schade eigentlich.

Denn während der RS 2 Avant 1994 und ’95 gerade drauf und dran war, das gesamte Sportwagen-Establishment zu schocken, muss es in Ingolstadt irgendwann einen dieser berüchtigten Freitagnachmittage gegeben haben. Einen Tag, an dem die Woche geselliger ausklang als sonst, an dem die Ingenieure ihren Gedanken freien Lauf ließen und einfach mal drauflossponnen, was denn so alles wäre, wenn … An solchen Tagen konnte praktisch alles entstehen. Ein Ford Granada mit Mustang-V8 zum Beispiel; oder ein Passat mit den 210 PS starken Innereien des Golf G60 Limited. Autos, die nie in einer Preisliste standen – und die dennoch existieren. So wie diese RS 2 Limousine, von der vier, maximal fünf Exemplare entstanden sein sollen – exakt nach dem Baumuster des Avant. Eine technisch perfekte Adaption, die wirklich alles auffährt, was dem Power-Berserker von einst seinen Namen gab. Die 17-Zöller aus dem Porsche-Cup, Außenspiegel, Blinker und Nebelleuchten vom 964, die modifizierte Bremse vom 968 und – ganz wichtig – der durchgehende Reflektorbalken am Heck, der wenig später zum Erkennungsmerkmal aller Allrad-Elfer werden sollte.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Sein Charme liegt zweifellos in seiner Einzigartigkeit. Wenn man sich ins knautschig straffe Ledergestühl sacken lässt, die schneeweißen Rundinstrumente erblickt, deren 300-km/h-Skalierung noch immer ein wenig kulturschockierend wirkt, und den Schalter fürs manuell sperrbare Hinterachsdifferenzial streift, ist die Illusion vom Über-Kombi eigentlich perfekt. Allein – man fährt ihn eben nicht.

Hohe Laufkultur ist nicht das Ding des Turbo-Fünfzylinders

Geht richtig gut: Tempo 100 liegt im RS 2 nach schlanken 5,4 Sekunden an – R5 und quattro sei Dank.

Stattdessen weist der Rückspiegel freie Sicht auf die schlanken C-Säulen, die von den durchstoßenen Viereck-Kopfstützen zu einer Art Panorama der guten alten Zeit gerahmt werden – als zwei Hersteller noch nicht miteinander verbandelt waren und dennoch schon gemeinsame Sache machten. Denn obwohl Audi im Motorsport schon verschiedenste Eskalationsstufen des Fünfzylinders erprobt und im Sport quattro selbst schon einmal die 300-PS-Hürde in Serie genommen hatte, realisierte man das Workout des Fünfzylinders diesmal im Schulterschluss mit Porsche. Lader und Ladelüftkühlung wurden aufdimensioniert, die komplette Ansaugung optimiert, dazu gab's neue Schmiedekolben, schärfere Steuerzeiten im Vierventilkopf und zum Wohle des Ansprechverhaltens eine staudruckreduzierte Abgasanlage. Auf die Laufkultur hatte die gesamte OP freilich keine besonders segensreiche Auswirkung. Der Fünfender räuspert sich ein wenig widerwillig wach, läuft auch bei höheren Drehzahlen eher körnig denn cremig. Doch dafür verzaubert er schon bei Teillast mit seiner unnachahmlichen Stimme.

Diesem krummen Singen, das sich wie eine fortwährende Synkope über seinen 144er-Takt legt, ehe es der Lader ab spätestens 3000 Touren mit zornigem Dauerrauschen und kessem Lastwechselzwitschern blasinstrumentiert. Ein absoluter Megahit, der hier noch ganz ohne künstlichen Klappenverstärker und vielleicht gerade deshalb umso intensiver aufspielt.

Wie der RS 2 sich im Vergleich zum RS 3 schlägt, erfahren Sie in der Bildergalerie.
Fahrzeugdaten Audi RS 2 Limousine Audi RS 3 Limousine
Motorbauart R5 R5
Aufladung/Ladedruck Turbo/1,4 bar Turbo/1,35 bar
Einbaulage vorn längs vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Hubraum 2226 cm³ 2480 cm³
Bohrung x Hub 81,0 x 86,4 mm 82,5 x 92,8 mm
Verdichtung 9,3 : 1 10,0:1
kW (PS) bei 1/min 232 (315)/6500 294 (400)/5850–7000
Literleistung 142 PS/l 161 PS/l
Nm bei 1/min 410/3000 480/1700–5850
Antrieb Allrad Allrad
Getriebe 6-Gang manuell 7-Gang-Doppelkupplung
Bremsen vorn 304 mm/innenbel. 370 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 298 mm/innenbel. 310 mm/innenbel.
Bremsscheibenmaterial Stahl Keramik (vo.)/Stahl (hi.)
Radgröße vorn – hinten 7 x 17 8,5 x 19 – 8 x 19
Reifengröße vorn – hinten 245/40 R 17 255/30 R – 235/35 R 19
Reifentyp Dunlop SP Sport 8000 Pirelli P Zero (R02)
Länge/Breite/Höhe 4482/1695/1386 mm 4479/1802/1399 mm
Radstand 2612 mm 2631 mm
Leergewicht/Zuladung 1530 kg/k. A. 1515/490 kg
Leistungsgewicht 4,9 kg/PS 3,8 kg/PS
Tankvolumen 64 l 55 l
Kofferraumvolumen 430 l 315 l
Grundpreis unverkäuflich ab 55.900 Euro
Fahrleistungen
0-100 km/h 5,4 s 4,1 s
0-200 km/h 22,2 s k. A.
Vmax 262 km/h 280 km/h (optional)
Normverbrauch
Ø auf 100 km 9,2 l Super Plus 8,4 l Super Plus
Reichweite 695 km 655 km

Autor: Manuel Iglisch

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