Audi RS 4 Avant: Test

Audi RS 4 Avant: Test

Audi RS 4 Avant im Supertest

Der Audi RS 4 Avant soll die geräumigere, vielseitigere Alternative zum RS 5 Coupé sein. Der Witz: Am Ende ist er auch noch die schnellere!
Unser Erstkontakt mit dem neuen RS 4 Avant hätte uns eigentlich sofort lichterloh entflammen müssen. Jedenfalls hatte Audi damals wirklich alles unternommen, um uns das Kennenlernen so schmackhaft wie möglich zu gestalten. Date in Ingolstadt, direkt am Audi-Forum. Erste Annäherung auf der Piazza, bei bestem Sonnenschein und noch dazu in allerbester Gesellschaft. Im Museums-Paternoster drehten RS2 Avant und der erste RS4 ihre Runden, dazwischen brodelten immer wieder RS6 und R8 durch die Szenerie, untermalten das Schauspiel mit wohligen Klängen. Kurzum: der Rahmen saß wirklich perfekt!

Seine zweite Chance weiß der Kombi zu nutzen

Bei unserem ersten Test hat uns der RS 4 Avant nicht überzeugt – jetzt macht er alles viel besser.

Allein der Funke wollte am Ende trotzdem nicht so recht überspringen. Das lag zum einen sicherlich an den Erwartungen, die so ein Sturm & Drang-Nostalgiker wie der Autor an den RS 4 stellt; und die der RS 4 mittlerweile aus Überzeugung nicht mehr erfüllt. Zum anderen aber auch daran, dass sich der Audi, ganz nüchtern betrachtet, einfach nicht überzeugend fuhr. Die Comfort-Dämpfung schwappte heftig, das Handling war stumpf, seine Kraftdarbietung auf eine sehr imposante Weise sehr inzident. Kurz: Hätte es den berüchtigten "Emergency Call" gegeben, einer von uns beiden hätte ihn angenommen. Der RS 4, weil er nicht verstand, was der Schreiber von ihm will. Und der Schreiber, weil er den RS 4 nicht (mehr) verstand. Weshalb wir die Misere von damals noch einmal so aufkochen? Nun, weil man der Liebe manchmal eben doch eine zweite Chance geben sollte. Bevor wir jetzt jedoch gleich auf dem Sachsenring herumturteln, müssen wir schnell noch ein paar Dinge klarstellen.

Auf den Audi wartet die übliche starke Konkurrenz

Stark besetztes Segment: Der RS 4 muss sich mit BMW M4 und Mercedes-AMG C 63 um die Krone balgen.

Erstens: Wer im RS 4 noch immer den Kombi-Revoluzzer von anno dazumal sieht, der kann auch weiterhin getrost die Jahrgänge 1999 bis 2001 autoscouten. Die Neuauflage kultiviert eine pieksaubere Dynamik-Etikette, proklamiert Universalität statt Brutalität und schmiegt sich bei aller Power so charmant in den Alltag wie noch nie zuvor. Zweitens: Auch wenn das manchen von uns ein wenig sauer aufstößt, so ergibt diese Konformität bei genauerem Hinsehen durchaus Sinn. Das Problem: In der Mittelklasse balgen sich mit M4 und C 63 schon zwei Raufbolde, die ihr Amt aufs Allersportlichste vertreten. Würde Audi mit dem RS 4 in dieselbe Kerbe schlagen, wären die Positionen mittlerweile dreifach besetzt. Zumal – drittens – die premiumwattierte Soft-Dynamik gar nicht mal so sehr stört, solange die zählbare Fahrdynamik am Ende trotzdem stimmt. Was uns wiederum zu viertens bringt: diesem RS 4 Avant hier, der solche Zahlen nun tatsächlich sprechen lässt. Im Abgleich zur Konkurrenz, aber auch im Duell mit seinem Technik-Zwilling, dem RS 5 Coupé.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Das Schöne: Der Vergleich zur Coupé-Fassung ist nicht nur legitim, er drängt sich fast schon auf. Technisch könnten die beiden RS-Geschwister jedenfalls kaum "baugleicher" sein. Sie teilen sich den gesamten Vorderwagen, den Antrieb, die Dynamik-Optionen (Sportdifferenzial, Keramikbremse vorn, Adaptivfahrwerk, Dynamiklenkung, Vmax-Anhebung) und stehen noch dazu auf den exakt gleichen 20-Zoll-Radsätzen.

Der RS 4 ist ein Bruder des RS 5 Coupés

Technisch ist der RS 4 Avant mit dem RS 5 Coupé in Sachen Antrieb und Dynamik-Optionen identisch.

Natürlich bringt der Kombi-Rucksack auch ein paar anatomische Besonderheiten mit, denen man konstruktiv Rechnung zollen muss. So fällt der Radstand 60 Millimeter länger aus, was unter anderem leichte Modifikationen an der Abgasanlage nach sich zog. Zudem drückt der Heckausbau mit 789 statt 727 Kilo auf die Hinterachse, weshalb Audi die hinteren Dämpferraten ein wenig straffte. Der Vorderwagen wiegt hüben wie drüben übrigens gut eine Tonne, sodass sich am Ende ein Kampfgewicht von 1805 (RS 4) zu 1740 Kilo (RS 5) aufsummiert. Und dann wäre da noch der Luftwiderstand, der im Falle des RS 4 ebenfalls ein wenig schlechter ausfällt (cw-Wert: 0,329 zu 0,316; Stirnfläche: 2,20 zu 2,17). Kurzum: Auf dem Papier ist der Avant eigentlich das größere, schwerere und trägere Auto. Doch hält all das ihn eben nicht davon ab, am Ende trotzdem auch das schnellere zu sein.
Die Details zum Test finden Sie oben in der Bildergalerie.

Fahrzeugdaten Audi RS 4 Avant
Motorbauart V6
Aufladung/Ladedruck Biturbo/1,3 bar
Einbaulage vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4/4
Hubraum 2894 cm³
Bohrung x Hub 84,5 x 86,0
Verdichtung 10,0:1
kW (PS) bei 1/min 331 (450)/5700–6700
Literleistung 155 PS/l
Nm bei 1/min 600/1900–5000
Getriebe 8-Stufen-Automatik
Antrieb Allrad
Bremsen vorn 400 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 330 mm/innenbel.
Bremsscheibenmaterial Carbon-Keramik (vo.)/Stahl (hi.)
Radgröße vorn – hinten 9 x 20
Reifengröße vorn – hinten 275/30 R 20
Reifentyp Hankook Ventus S1 evo2 (AO)
Länge/Breite/Höhe 4781/1866/1404 mm
Radstand 2826
Tank-/Kofferraumvolumen 58/505-1510 l
Testwagenpreis 96.800 Euro

Messwerte Audi RS 4 Avant
Leistungsmessung
ermittelte Leistung 342 kW (465 PS) bei 5750/min
ermitteltes Drehmoment 632 Nm bei 3460/min
Beschleunigung
0-50 km/h 1,4 s
0-100 km/h 3,7 s
0-130 km/h 5,7 s
0-160 km/h 8,5 s
0-200 km/h 13,6 s
0-250 km/h 25,6 s
0-300 km/h
0-402,34 m (Viertelmeile) 11,88 s (189,0 km/h)
0-1000 m 21,88 s (238,8 km/h)
Vmax 280 km/h (7./8. Gang)
Rundenzeit
Sachsenring 1:37,71
Elastizität
60-100 km/h in 4. Stufe 2,5 s
60-100 km/h in 5. Stufe 3,4 s
80-120 km/h in 5./6. Stufe 3,4/4,7 s
80-120 km/h in 7./8. Stufe 6,3/11,8 s
Bremsweg
100-0 km/h kalt 36,8 m
100-0 km/h warm 33,6 m
200-0 km/h warm 128,5 m
Gewicht
Leergewicht 1805 kg
Zuladung 500 kg
Gewichtsverteilung VA/HA 56,3/43,7 %
Leistungsgewicht 4,0 kg/PS

Manuel Iglisch

Fazit

Stimmt, wir hatten anfangs mit dem Allerschlimmsten gerechnet! Mit einer miesen Rundenzeit und einem großen Namen, der nun einen kleinlauten Abgesang bekäme. Doch Pustekuchen, der RS4 kriegt die Kurve: erfolgreich, überzeugend und noch dazu im wörtlichsten Sinne! Kein anderer Kombi ist derzeit so komfortabel, vielseitig und schnell zugleich!

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