Audi RS 5 TDI Concept: Vorstellung

— 28.05.2014

Tschüs Turboloch!

Audi hat dem RS 5 TDI Concept den stärksten Sechszylinder-Diesel aus dem VW-Konzern eingepflanzt – und dem Motor erstmals einen Extra-E-Lader verpasst. Fahrbericht!



Der Doppelturbo mit vorgeschaltetem Elektro-Lader macht dem RS5 richtig Dampf.

Audi feiert den 25. Geburtstag des TDI-Motors und macht sich gleich selbst das schönste Geschenk: Um auch die letzten Zweifel an den sportlichen Qualitäten des Selbstzünders auszuräumen, haben die Herren der Ringe zum Jubiläum einen RS 5 TDI Concept aufgebaut und damit mal eben die nächste Revolution im Motorenbau vorweggenommen: Denn das 3,0-Liter-Coupé aus der Giftküche der Quattro GmbH protzt nicht nur mit 385 PS und maximal 750 Nm und ist damit einfach stärker und schneller als alle anderen Sechszylinder-Diesel aus dem VW-Konzern. Sondern zum ersten Mal haben die Ingenieure den beiden konventionellen Turbos einen elektrischen Lader vorgeschaltet. So wird aus dem vor allem bei Kilometerfressern und Dienstwagenfahrern so beliebten Dauerläufer für die linke Spur ein waschechter Rennwagen, der sich auch auf der Rundstrecke wohlfühlt und beim Ampelspurt selbst einem RS 6 die Schau stiehlt.

Vergleich: Audi RS 5, Lexus IS-F und Mercedes C 63 AMG

Nicht umsonst schafft der Prototyp den Sprint von 0 auf 100 in etwa vier Sekunden und nimmt dem 450 PS starken Benziner im konventionellen RS 5 eine halbe Sekunde ab. "Und damit sind wir mit unserem Latein noch nicht am Ende," verspricht Ulrich Weiss, der die TDI-Entwicklung in Ingolstadt leitet. Eine Drei hätte er schon gerne vorne stehen. Das gilt übrigens auch für die Höchstgeschwindigkeit, die nicht umsonst schon jetzt und hochoffiziell mit "über 280 km/h" angegeben wird.

Kein Sechszylinderdiesel im VW-Konzern hat mehr Power.

"Damit ist das Turboloch endgültig Geschichte," freut sich Weiss und wiegt dankbar ein etwa fünf Kilo schweres Bauteil in den Händen, das kaum größer ist als eine Ananas. Darin befinden sich vor allem ein Turbinenrad. Und was noch wichtiger ist: ein leistungsstarker Elektromotor. Gespeist aus dem auf 48 Volt aufgerüsteten Bordnetz, genügen ihm 200 Millisekunden, um den Lader auf 72.000 Touren zu bringen. Während die konventionellen Turbos da noch auf den nötigen Abgasstrom warten, macht er dem Motor so vom ersten Gasstoß an den nötigen Druck. "Zwei bis drei Sekunden beim Anfahren oder beim Beschleunigen am Kurvenausgang reichen völlig aus, um die Anlaufträgheit der konventionellen Lader zu überbrücken", sagt Weiss.

Drehzahlfreude unter der Haube

Und die erste Testfahrt gibt ihm recht: Der Sechszylinder reagiert so schnell und spontan, dass der rote Zeiger des Drehzahlmessers vor den Augen fast verwischt. Weil die Ingenieure auch sonst noch ein bisschen an dem Dreiliter-Block gefeilt haben, dreht er danach munter weiter bis über 5500 Touren. Und der Führungsfahrer im RS 6 Avant muss sich ganz schön anstrengen, wenn er die Pole Position behalten will. Beim Kavalierstart jedenfalls hat das Coupé ein paar Meter lang die Nase vorn, jeder Zwischenspurt wird zum Vergnügen, und am Kurvenausgang geht der Tritt aufs Gaspedal direkt durch bis ins Kreuz. Wo man früher vorsichtig bis drei zählen konnte, bis einen der große Dampfhammer des Diesels umso heftiger traf, erwischt einen die Kraft des TDI jetzt so schnell und unvermittelt, ja so explosiv wie die Faust von Wladimir Klitschko das Kinn seines Gegners. Wumms, schon hast Du eine kleben.

Bis zu 750 Nm Drehmoment sind eine ernsthafte Ansage.

Die einzige Vorwarnung dafür ist ein ebenso feines wie fieses Surren, das an eine Mücke im nächtlichen Schlafzimmer erinnert. Denn mehr ist vom E-Lader nicht zu hören. Und sogar das wollen die Entwickler dem Spurtbeschleuniger leider noch austreiben, weil es selbst im Prototypen nicht zum hohen Qualitätsanspruch passt. Dabei ist es erstens ein wunderbar charakteristisches Surren und geht zweitens ohnehin fast unter in dem künstlichen Geboller, das aus den riesigen Endrohren flutet. Denn weil beim Diesel die vielen Katalysatoren mittlerweile den letzten Rest eines coolen Sounds schlucken, haben Weiss und seine Truppe für ihr Showcar gleich eine neue Klangkulisse komponiert und sich dabei zu gleichen Teilen bei einem V8-Hotrod und einem Hafenschlepper bedient. So cool klingt sonst kein anderer Diesel. Und so spontan reagieren kann auch keiner. Auf dem Papier trennen den Audi-Diesel zwar nur vier PS und zehn Nm vom ebenfalls drei Liter großen Tri-Turbo, mit dem die M GmbH zum Beispiel den BMW M550d befeuert. Doch in der Praxis liegt dazwischen mehr, als es die rund 0,6 Sekunden Unterschied beim Sprintwert vermuten lassen. Auf der Strecke geben sich beide wahrscheinlich nicht viel. Aber beim Spurten haben die Münchner damit keine Chance.

Gezügelte Trinksitten

Die Kriegsbemalung spricht eine klare Sprache: Mit diesem Auto ist nicht zu spaßen.

Obwohl Audi den Diesel damit in die Liga der Supersportwagen katapultiert, ändert sich übrigens nichts an seinen tugendhaften Trinksitten. Die 4,2 Liter des 163 PS-Einstiegsdiesels im A5 sind zwar für den Kraftmeier unerreichbar. Doch "unter fünf Liter" gibt Weiss schon mal als Parole für die weitere Entwicklungsarbeit aus. Und weiterentwickelt wird der Selbstzünder mit dem elektrischen Schrittmacher auf jeden Fall. Denn der TDI mit dem elektrischen Lader wird kein Einzelstück bleiben, verspricht der Motorenchef. Ein RS 5 TDI ist zwar denkbar unwahrscheinlich, weil die Baureihe dafür mittlerweile einfach schon zu alt ist und Weiss sicher noch ein gutes Jahr für die Entwicklung braucht. Doch mit dem neuen Q7 zum Jahreswechsel, dem nächsten A4 Anfang 2015 oder spätestens dem Nachfolger des A6 in rund zwei Jahren gäbe es ja genügend Autos, für die so ein Motor demnächst infrage käme: "Überall, wo der bisherige V6-TDI reinpasst, bekommen wir auch den neuen unter", verspricht Weiss.

Audi RS5 TDI: Tschüss zum Turboloch

Audi RS5 TDI Concept: AMI Leipzig 2014 Audi RS5 TDI Concept: AMI Leipzig 2014 Audi RS5 TDI Concept: AMI Leipzig 2014


Autor: Thomas Geiger

Stichworte:

Supersportwagen



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