Audi RS6 Avant

Audi RS 6 Avant Audi RS 6 Avant

Audi RS 6 Avant

— 29.05.2002

Herr der Ringe

Familienväter, schnallt euch an! Hier kommt der König der Kombis. Ein A6 Avant mit V8-Biturbo, 450 PS und Allradantrieb. RS 6, der Audi mit den Fahrleistungen eines Porsche.

Schub satt in jedem Gang

Verkaufe Porsche 911 SC, Bj. 4/81, silbermet., 43.000 km, Klima, Radio, el. FH, Leder, Sportauspuff, 8“-LM-Felgen, wegen Familiengründung schweren Herzens abzugeben, VB: 38.000 ... Können Sie sich auch noch an solche Kleinanzeigen erinnern? Davon gab es früher viele. Beim Lesen dachte ich immer: "Selbst schuld!" oder "Pech gehabt, beides geht eben nicht".

Die Zeiten ändern sich. Heute hat Papi zumindest ein Problem weniger. "Tausche Porsche gegen Pampers" ist passé. Vorausgesetzt, in der Haushaltskasse ist noch ein wenig Luft (86.500 Euro sollten es schon sein), liefert die quattro GmbH in Neckarsulm leistungshungrigen Familienvätern die ultimative Alternative zum Porsche – den Audi RS 6. Seine Argumente: 450 PS, Biturbo-V8, 560 Newtonmeter, Allradantrieb. In 4,7 Sekunden auf 100, in 17,8 Sekunden auf 200 km/h. Da bekommen die Isofix-Befestigungen auf der Rückbank gleich einen ganz anderen Sinn.

Der RS 6 ist nach dem RS 4 (1999) das zweite High-Power-Gerät, das die Audi-Tochter auf die Räder stellt, und der erste Audi mit einem aufgeladenen V8. "Unser Ziel war sowohl Leistung als auch Drehmoment", erzählt quattro-Geschäftsführer Werner Frowein. Ziel erreicht, können wir nach der ersten Ausfahrt attestieren. Denn was dieser bei Cosworth in England gebaute Achtzylinder mit dem 1,9-Tonnen-Kombi anstellt, sprengt die Vorstellungskraft jedes normalen Autofahrers.

560 Newtonmeter bei 1950 Umdrehungen

Schon der Blick auf die Drehmomentkurve lässt erahnen, welche Urgewalten hier mobilisiert werden. 560 Newtonmeter sind ja an sich schon ein stolzer Wert im Pkw-Bau, doch wenn diese Kraft bereits kurz über Leerlaufdrehzahl (1950/min) in den Antriebsstrang geschickt wird, können so einige renommierte Sportwagen das Handtuch werfen. Der RS6 schiebt so unbändig nach vorn, dass man glaubt, der Rest der Autowelt bestehe aus hilfsmotorisierten Kabinenrollern und Krankenfahrstühlen.

Überholmanöver sind Sache von Sekunden, untermalt von einem so satten V8-Sound, dass man am Sonntagmorgen die Frühstücks-Croissants am liebsten direkt aus Frankreich holen würde. Die Tachonadel scheint keinen Widerstand zu kennen, fliegt förmlich auf die Zahl 250 zu, bei der dann die Elektronik den Zeigefinger hebt und mahnt: "Nein, nein, du weißt doch, die deutschen Hersteller (außer Porsche) haben sich geeinigt, was schnell und was ganz schnell ist." Diese Bevormundung wird einem vor allem auf freier, dreispuriger Autobahn schmerzlich bewusst, denn theoretisch könnte der RS 6 locker die 300 überschreiten und im den Club der Supersportwagen aufgenommen werden.

Computer-Hacker sollten sich jedoch nicht voreilig die Hände reiben, Audi hat den Chip gesichert wie die Software im Pentagon. Schwierigkeiten, ein geeignetes Getriebe für den RS 6 zu finden, gab es glücklicherweise nicht. Im Gegenteil: Die quattro GmbH konnte ins Audi-Regal greifen. Die Fünfgangautomatik stammt aus dem A8 6.0 und schluckt die hohen Drehmomente ohne Murren. Angepasst wurden die Schaltzeiten (kürzer). Die Tiptronic erkennt den momentan vom Fahrer gewählten Fahrstil und variiert die Schaltpunkte entsprechend. Selbst in scharf gefahrenen Kurven funktioniert dies prima. Unerwünschte Gangwechsel bleiben aus.

Audi setzt neue Kombi-Maßstäbe

Wer keine Lust hat, am Hebel zu schalten, kann Schumi-mäßig per Lenkradwippe die Fahrstufen wählen. Rechts ziehen – hoch, links ziehen – runter. Dass sich der V8 bei sportlicher Fahrweise als trinkfester Kumpel erweist (18 Liter), dürfte nicht wirklich überraschen. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Niemand kann ernsthaft von 450 PS und 1,9 Tonnen Verbräuche um zehn Liter verlangen. Doch dürfte dieses Manko für den RS-6-Besitzer eh eine untergeordnete Rolle spielen.

Viel Leistung verlangt nach einem Top-Fahrwerk, sonst ist die Power nicht mehr wert als auf einem alten Autoquartett, in dem alle Sportwagen ab Tempo 200 nur mit Todesmut zu bewegen waren. Im Audi RS 6 werden nicht einmal die Handflächen feucht. Der Wagen durcheilt Kurven so souverän, als gelte für ihn die Physik nicht mehr. Er hängt förmlich an der Lenkung. Gleichzeitig aber liefert er den Komfort einer gediegenen Limousine ab.

Nicht ganz unbeteiligt daran ist das so genannte DRC (steht für Dynamic Ride Control), das bei Audi erstmals zum Einsatz kommt. Es reduziert deutlich – und das ist neu – nicht elektronisch, sondern mechanisch das Nicken (wenn der Vorderwagen beim Bremsen eintaucht) sowie das Wanken (Neigen in Kurven). Die Stoßdämpfer sind hierzu diagonal miteinander verkoppelt. Taucht der Wagen vorn rechts ein, geht er hinten links nicht mehr automatisch hoch.

Das Ganze ist keine Erfindung von Audi, sondern stammt ursprünglich von Yamaha, die sich so etwas mal für Motorräder ausgedacht hatten. Im Innenraum setzt Audi auf gewohnte Perfektion. Die Recaro-Sportsitze passen wie maßgefertigte Schuhe. Materialien und Verarbeitung liegen auf höchstem Niveau. Ebenso die Sicherheit.

Technische Daten und Ausstattung

Fazit Was die quattro GmbH hier auf die Straße bringt, ist weltweit die beste und sportlichste Kombination auf Rädern. Mehr geht nicht. Es sei denn, die Stuttgarter entwickeln doch noch eines Tages einen Elfer-Kombi. Bis dahin schöpft Audi die Sahne ab. Interessenten für diesen Familien-Porsche gibt es reichlich. Die Produktion für dieses Jahr (20 Stück pro Tag) ist jedenfalls schon komplett ausverkauft.

Technische Daten V8-Zylinder • fünf Ventile je Zylinder • Bi-Turbo • je zwei oben liegende Nockenwellen • Hubraum 4172 cm3 • Leistung 331 kW (450 PS) bei 5700 bis 6400/min • max. Drehmoment 560 Nm bei 1950 bis 5600/min• Allradantrieb • Fünfgang-Tiptronic • Einzelradaufhängung vorn und hinten • Kofferraum 455 Liter (1590 bei umgeklappter Rückbank) • Tank 82 Liter • Länge/Breite/Höhe 4852/1850/1452 mm • Reifen 255/40R 18 • Leergewicht 1880 Kilogramm Preis 88.600 Euro

Serienausstattung Klimaautomatik • vier elektrische Fensterheber • Recaro-Ledersitze mit Heizung • Lederlenkrad mit Schaltwippen • sechs Airbags • Mittelarmlehne vorn und hinten • Radio-CD mit Bose-Soundsystem • permanenter Allradantrieb • Xenon-Plus-Scheinwerfer • Zentralverriegelung mit Fernbedienung • Elektronische Differenzialsperre • ESP • Dachreling • Leichtmetallräder 8,5 Jx18

Die Konkurrenten im Vergleich

Der Audi RS 6 Avant mit 450 PS braucht selbst Porsche 911 Turbo und Ferrari 456 GTA nicht zu fürchten – außer beim Spitzentempo (beim RS 6 abgeregelt). Erstmals baut die quattro GmbH den RS auch als Limousine. Preis: ab 86.500 Euro.

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