Audi RS4 gegen BMW M3

Audi RS4 gegen BMW M3 Audi RS4 gegen BMW M3

Audi RS4 gegen BMW M3

— 14.06.2005

Baß macht Spaß

Audi geht neue Wege: Mit Hochdrehzahlprinzip und hecklastiger Kraftverteilung will der RS4 dem BMW M3 Paroli bieten. Ein Vergleich.

Neues Konzept für den RS4

Manchmal reicht mehr Leistung eben nicht aus. Mit dem 344 PS starken S4 stellt die schwäbische Quattro GmbH in Neckarsulm zwar nominell einen leistungsmäßig minimal überlegenen M3-Gegner auf die Räder. Auf der Rennstrecke und beim Handling hat der heckgetriebene Münchner jedoch bislang die Nase vorn. Hauptgrund: Der schwere V8 und der frontlastig ausgelegte Allradantrieb des S4 sorgen für ausgeprägtes Untersteuern. Sicher zwar, aber von ambitionierten Fahrern eher wenig geschätzt.

Mit dem RS4 schlägt Audi in zweierlei Hinsicht eine neue Richtung ein: Zum einen, indem man das bislang von der BMW-Tochter M-GmbH propagierte Hochdrehzahlprinzip adaptierte und erstmals bei einem FSI-Motor zum Einsatz bringt. Zum anderen soll eine Modifikation des Torsendifferentials, das die Kraftaufteilung zwischen Vorder- und Hinterachse steuert, ein agileres Handling erlauben.

Kraftverteilung 40:60 heißt hier die Zauberformel: Bei optimalem Grip fallen jetzt nur noch 40 Prozent der bulligen 420 PS über die Vorderräder her, die hinteren Reifen werden von 60 Prozent traktiert. So viel zur Theorie. Doch wie schlägt sich der neue RS4 wirklich gegen den BMW M3?

M3 mit Competition-Paket: gnadenlos rasant

Wenn 343 bayerische Pferdestärken auf 420 Schwaben-PS treffen, ist zunächst mal eines garantiert: jede Menge Spaß. Denn obwohl der M3 mit 77 PS weniger auskommen muß, ist sein im oberen Drehzahlbereich heiser schreiender Reihensechszylinder immer wieder ein Genuß. Vor allem, wenn man mittels Sport-Knopf die Kennlinie des Gaspedals "scharfstellt", was der M3 mit einem kurzen Ruckeln quittiert; Gaspedalbefehle setzt er dann gnadenlos rasant um. Oder wenn man gleich das Competition-Paket für 5300 Euro bestellt, das neben Bremsen und Lenkung aus dem CSL und einer sportlicheren Fahrwerksabstimmung unter anderem auch ein Alcantara-Lenkrad bietet, das mit der M-Track-Mode-Taste ausgestattet ist. Dieser Schalter versetzt das DSC in eine Art Dämmerzustand und läßt leichte Heckbewegungen zu. Deaktiviert ist es aber nicht.

Auch der RS4 wartet mit einem derartigen Spaßknopf am Lenkrad auf, der ebenfalls nicht nur die Gaspedal-Kennlinie in Richtung "jetzt mal im Ernst" verändert, sondern gleichzeitig auch noch Lehnenlendenbereich und Sitzflächenseiten mit Luft füllt, bis man wirklich perfekt seitlich abgestützt wird. Fast wie bei Vollschalensitzen.

Angelassen über den Startknopf rechts neben dem Handbremshebel, wirft sich der RS4 akustisch schon bei Leerlaufdrehzahl eindrucksvoll in die Brust: Mit dumpfem Fauchen erwacht der Benzin-Direkteinspritzer und weckt Lust auf mehr. Auch er hängt unglaublich direkt am Gas, dreht gleichmäßig und mit eindrucksvoll dumpfem V8-Sound bis zur maximalen Drehzahl von 8250 Umdrehungen pro Minute hoch.

Der Audi geht souverän durch die Kurven

Bei den Fahrleistungen liegen die Kontrahenten näher beieinander, als man es vermuten würde: In 4,8 Sekunden erreicht der RS4 die 100-km/h-Marke, der M3 nimmt sich vier Zehntel länger Zeit. Bei 250 km/h werden beide elektronisch eingebremst. Wenn man davon absieht, daß der M3 die für Limousinen magische Fünf-Sekunden-Marke nicht knackt, bieten beide Fahrleistungen an der Grenze zur Raserei und eine eindrucksvolle Geräuschkulisse.

Bewegt man sich im Grenzbereich auf der Rennstrecke, werden die Unterschiede der beiden Philosophien deutlich. Durch die 40:60-Kraftverteilung läßt sich der RS4 mit geringerem Untersteuern als etwa ein S4 in die Kurve werfen und reagiert bei Lastwechsel mit einem leichten Eindrehen des Hecks. Zum heftigen Übersteuern bringt man den Audi jedoch nicht. Sobald dem provozierten Lastwechsel wieder ein Gasstoß folgt, zieht sich die Fuhre wieder gerade und baut selbst auf nasser Fahrbahn kräftig Grip auf.

Der M3 will dagegen etwas sensibler gehandhabt werden. Zwar ist er immun gegen Lastwechsel bei zu frühem und zu forschem Gaseinsatz, aber vor allem im bissigen Sportmodus übersteuert er heftig und läßt jeden gewünschten Driftwinkel zu. Das sieht spektakulär aus, bringt aber nicht wirklich bessere Rundenzeiten. Und mahnt abseits abgesperrter Rundkurse zu einem wohlüberlegten Umgang mit dem Gaspedal.

Fazit und technische Daten

Fazit von AUTOMOBIL TESTS-Redakteur Ralf Kund Ob grollender V8 oder röhrender Sechszylinder ist Geschmackssache. Faszinierende Fahrmaschinen sind beide, rund 10.000 Euro Preisunterschied aber nicht von Pappe. Für den RS4 sprechen sein Gänsehaut-Motor und das problemlosere Handling. In die Schranken weisen kann er den M3 aber nur bei den Fahrleistungen.

Autor: Ralf Kund

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