Audi RS6 von MTM

Audi RS6 von MTM Audi RS6 von MTM

Audi RS6 von MTM

— 06.08.2003

SuperPlus

Ob als Kombi oder Limousine – mit 450 PS ist der RS6 ein Super-Audi. Doch bei 250 km/h ist Schluss. Für ganz Eilige gibt's MTM. Dann rennt der Kombi 310 km/h und eignet sich als perfekter Schnelltransporter.

In 4,9 Sekunden von null auf hundert km/h

Denkst du bei Kombis sofort an Kinder, Krach und Krimskrams? Dann ist dir das neueste Projekt von MTM wohl gänzlich unbekannt. Zwar nennt sich der Hochkaräter ebenfalls nur RS6 Avant (wie sein ziviles Pendant auch), doch unter dem Blech steckt viel mehr. Mehr als die Kombi-Karosse vermuten lässt.

Der MTM RS6 zieht einen in den Bann – spätestens beim Anlassen. Dafür hat der Tuner auch einiges getan. Vier statt zwei Endrohre ragen nun aus der Heckschürze. Die Sportauspuffanlage zieht sich vor bis zu den beiden Turboladern. Highlight ist jedoch ihre Klappensteuerung. Im Stand bläst der Motor seine Abgase durch alle vier Rohre. Das bringt Sound satt, denn der V8 bollert mit bissigem Bass. Im normalen Fahrbetrieb jedoch sind die beiden Klappen geschlossen. Das will der Gesetzesgeber so (Geräuschvorschrift). Erst unter Last öffnen sie wieder und entsorgen das Abgas über alle vier Endrohre. Lautstark. Was im Innenraum noch relativ gemäßigt klingt, pfeift dir außen fast die Ohren weg! Vergleichbar mit dem ungefilterten Sound amerikanischer Tourenwagen schmettert der MTM-V8 sein Abgas unverhohlen hinaus. Das wirkt.

Die Beschleunigung vermittelt sich auf diese Weise noch gewaltiger. Selbst wenn der RS6 nicht ganz so spurtstark ist, wie erhofft. Die Vorgabe des Tuners für den Standardsprint auf Tempo 100 erreichte zumindest der Testwagen nicht. Doch auch das Serien-Pendant hat bei dieser Disziplin Probleme. Bislang hat noch kein Testwagen die Werksangabe geknackt. Dennoch ist der Vortrieb alles andere als fad: Nach 4,9 Sekunden fliegt der MTM-RS6 über die 100 km/h-Schwelle. Nur zum Vergleich: Ein 911 GT3 schafft dies in 4,5 Sekunden. Und der wiegt 1350 Kilo (RS 6: 1955). Nach 16,7 Sekunden (Serie 17,8 Sekunden) ist Tempo 200 erreicht. Statt elektronischer 250 km/h-Begrenzung ist nun erst bei 310 km/h Schluss.

Sportsitze eng wie ein Neoprenanzug

Die Extra-Power kommt aus dem überarbeiteten Steuergerät, das Zündung und Ladedruck optimiert, der Sportauspuff rundet die Leistungssteigerung ab. Das Ergebnis: 535 PS (Serie: 450 PS) und imposante 720 Newtonmeter Drehmoment (Serie: 560 Nm). Und genau dort liegt das Problem, im Antriebsstrang. Viel mehr verkraftet das Automatikgetriebe auch gar nicht. "1000 PS", so Firmenchef Roland Mayer, "sind technisch in dem Motor problemlos drin. Nur leider setzt das Getriebe in diesem Fall enge Grenzen."

Reserven schlummern dafür im Fahrwerk. Obwohl bereits ab Werk aufwändig mit DRC (Dynamic Ride Control) ausstaffiert, fährt der Getunte nochmals in einer anderen Liga. Woran es liegt? Stärkerer Sturz, mehr Vorspur und schon mutiert der Audi zum gierigen Kurvenräuber. Die zwei Tonnen Leergewicht scheinen sich dabei in Luft aufzulösen. Flink flitzt der Avant durch Kurven. Ein Dreh am Lenkrad und willig folgt er dem Kurs. Leichter geht es auf der PlayStation auch nicht. Nachteil: ein enorm hoher Reifenverschleiß. Deshalb ist das Setup eher für die Rennstrecke ausgelegt. Die montierten Sportfedern fallen in der Fahrdynamik weitaus weniger ins Gewicht. Rund zehn Millimeter liegt der Kombi damit tiefer. Die Alltags- und Langstreckentauglichkeit bleibt also voll erhalten.

Obwohl es auf den ersten Blick nicht so aussieht: Auch das Gestühl der ersten Reihe eignet sich für lange Etappen. Die mit Leder bezogenen Vollschalen verzichten auf (fast) alle elektrischen Stellmotoren und sogar auf eine Lehnenverstellung. Einziger Hauch von Luxus: die elektrische Längsverstellung. Nur Ignoranten werden die Sitzheizung, die elektrische Höhenverstellung oder die ebenfalls elektrisch bedienbare Kopfstütze schmerzlich vermissen. Alle anderen freuen sich über deutlich mehr Seitenhalt. Denn die hohen Wangen der Recaro-Sitze umschließen den Körper so perfekt wie ein Neopren-Anzug den Taucher. Ideal. Auch bei hoher Querbeschleunigung gibt es kein Verrutschen. Lediglich das Ein- und Aussteigen über die hohen Wülste erfordert Übung (und Platz zum Auto nebenan), um vor der Eisdiele nicht zur Lachnummer degradiert zu werden. Wer Originalität liebt, kann für die Sitzschalen aus allen Serien-Bezügen wählen.

Technische Daten, Testwerte und Preis

Bei der Bremsanlage wurde nicht gespart. Bereits ab Werk verzögert der Audi mit 365 Millimeter großen Scheiben (vorn). Jetzt sind es 380 Millimeter, zur besseren Wärmeabfuhr sogar noch genutet, und Achtkolben-Festsättel. Das Hochleistungspaket komplettieren Stahlflexleitungen für konstanten Pedaldruck sowie Sportbremsbeläge mit höherem Reibwert. Mit kalter Bremse steht der Audi so bereits nach 36,3 Metern. Selbst zehn Bremsungen aus Tempo 100 in Folge bringen die Anlage nicht ans Limit, sondern den Wagen immer noch nach 37,6 Metern zum Stehen.

Das hat seinen Preis. Für den Umbau mit Bremsanlage, Radsatz und Leistungssteigerung gibt es auch einen nagelneuen Audi A2. Der schafft mit einer Tankfüllung (42 Liter) bis zu 1000 Kilometer. Dem getunten V8 reicht das nicht mal für 200 Kilometer (unter Volllast). Im Testmittel waren es 17,9 Liter Super Plus. Doch dafür denkst du beim MTM dann nur an Beschleunigung, Bi-Turbo und bissige Bremsen.

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