Audi S4 Avant vs. Porsche 911 Carrera 4S

— 23.09.2005

4S oder S4, welcher macht mehr Spaß?

Vier angetriebene Räder, sechs Gänge, rund 350 PS – klingt klasse. Doch welche Verpackung wählen? Den Audi-Kombi oder das Porsche-Coupé?



Wenn zwei das gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe. Fragen Sie mal einen Mann und eine Frau, was Einkaufen für sie bedeutet. Außer der Grundannahme, daß dabei Ware gegen Geld getauscht wird, gibt es da praktisch keine Gemeinsamkeiten. Das gleiche Ergebnis erwartet uns bei der Gegenüberstellung von Audi S4 Avant und Porsche Carrera 4S. Beide verteilen rund 350 PS über ein Sechsganggetriebe auf alle vier Räder und tragen im Namen eine "4" sowie ein "S" – das war es dann aber auch mit den Berührungspunkten. Der Rest ist so verschieden, wie das Wetter diesen Sommer launisch.

Trotzdem haben wir uns mal die launige Frage gestellt: 4S oder S4 – welcher macht eingentlich mehr Spaß? Ein Äpfel-Birnen-Vergleich ohne Anspruch auf sittlichen Nährwert, deshalb verzichten wir auf unsere übliche Punktewertung. Statt dessen vergeben wir diesmal für ausgesuchte Kriterien Schulnoten. Meine Blicke kleben jedenfalls ausschließlich am Elfer. Klar, der Audi S4 legt mit seinem gierigen Grill, den bulligen 18-Zoll-Alus und dem auffälligen Ferrari-Rot (heißt offiziell Brillantrot) optisch schon eine heiße Sohle aufs Parkett. Letztlich bleibt er aber – trotz Sport-Spoilerwerk und Xenonlicht – ein A4 Avant. Was ich auf der Autobahn deutlich zu spüren bekomme. Für den roten Renner räumt kaum einer freiwillig die linke Spur. Was nicht immer ungefährlich ist ...

Anders beim scharfen 911. Diese Supernase lassen die meisten gern vorbei, wohl wissend, daß es schnell geht und überhaupt nicht weh tut. Als Belohnung winkt dann außerdem noch der Blick auf den knackigen Porsche-Po, dem – wie ich finde – noch immer schärfsten Hintern, seit es Sportwagen gibt. Meine Freundin möge mir verzeihen, aber ich liebe diese Rundungen. Genau wie das Hohelied der Leistung für zweimal zwei Endrohre, für das der 911 4S eigentlich einen O(h)rden verdient. Das nervöse Boxer-Brabbeln im Leerlauf spritzt mir eine erste Ladung Glückshormone in die Blutbahn. Also das knackige Getriebe im ersten Gang einrasten und rechts den Hammer fallen lassen. Mit großem Gebrüll schießt der 4S davon, als wolle er an der nächsten Ampel abheben.

Tut er natürlich nicht. Im Gegenteil. Das straff, bis in mittlere Geschwindigkeiten aber nicht gebißgefährdend abgestimmte Elektronik-Fahrwerk verleiht dem 4S die Bodenhaftung eines Dithmarscher Landarbeiters. Das biestige Boxersägen, das oberhalb von 6000 Touren in einem kolossalen Kreischen seinen Höhepunkt findet, läßt das serienmäßige CD-Radio verstummen. Mehr als den Verkehrsfunk brauche ich hier nicht.

Ebenfalls mit zweimal zwei Endrohren gesegnet, beansprucht auch der S4 eine akustische Ausnahmestellung für sich. Mit dunklem Donnern erwacht der V8 zum Leben und faucht angriffslustig Richtung Porsche. Da bebt die Nachbarschaft – nur drinnen spielt er akustisch den feinen Herren. Da gibt's nur wenig auf die Ohren. Mensch, so ein Sportskerl soll mir doch auch drinnen den Marsch blasen. Untertourig gefahren, verstummt der S4 nahezu komplett. Audi, das ist zuviel des Understatements. Ja, fast schon langweilig vernünftig.

Das kann man vom Elfer nun wahrlich nicht behaupten. Mit selbstbewußter "Hoppla, jetzt komm' ich"-Trompete trampelt der 355 PS starke Sechszylinder jede Vernunft nieder und versetzt mich in einen wahren Rausch. Bissig wie ein Rudel Piranhas hetzt der Boxer durch die Gänge, legt ab etwa 5500 Touren noch eine Schippe nach, stürzt sich dem Begrenzer mit Verachtung und Leidenschaft entgegen. So muß ein Sportwagen gehen – danke, Porsche!

Anderer Weg, ähnliches Ziel bei Audi. Hier mobilisiert ein 4,2-Liter-V8 feiste 344 PS, die ebenfalls völlig ungeniert über das Lustzentrum herfallen. Wer einen Porsche ohne "Lade-Hemmung" sucht, für den ist dieser Rennkombi erste Wahl. Der Audi schiebt mit brachialer Kraft nach vorn, offeriert in allen Drehzahllagen Power ohne Ende, zieht schon bei knapp 3000 Touren fröhlich knurrend davon und läßt nicht locker, bevor die Nadel des Drehzahlmessers über die Sieben wischt. Und wie schon beim A8 4.2 TDI scheinen Toleranz und Tachoabweichung im Hause Audi ausgesprochen freizügig ausgelegt zu sein. Souverän marschiert der S4 bis ans Ende der Tachoskala bei 280 – von elektronischer Selbstbeschränkung auf Tempo 250 nichts zu spüren. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt ...

911: der vielleicht weltbeste Straßenrenner

Auf der Rennstrecke läßt sich der Elfer nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. Mehr als ein halbes Jahrhundert Erfahrung im Sportwagenbau bündeln sich hier in einem der besten Straßenrenner der Welt. Vielleicht sogar dem besten.

Anbremsen, einlenken, herausbeschleunigen – alles funktioniert hier mit der Päzision und Perfektion eines Schweizer Uhrwerks. Die elektronische Schleuderkontrolle PSM muß dabei gar nicht abgeschaltet werden. Im Gegenteil. Das Computerhirn regelt so feinsinnig und exakt am Rande des Grenzbereichs, daß bei abgeschaltetem PSM nur Profis wirklich schneller unterwegs sind. Denn wo die Elektronik nicht mehr hilft, kommt das Heck bei Lastwechseln doch vehement quer und verlangt nach einer kundigen Hand am Steuer.

Deutlich harmloser der stärker wankende, aber keineswegs komfortablere S4. Er untersteuert ziemlich stur, in kritischen Fahrsituationen wird dem Motor konsequent der Saft abgedreht – Abflug quasi unmöglich. Und selbst ohne ESP stellt der Audi keine unlösbaren Anforderungen an den Fahrer. Wenn das Heck mal zur Seite schielt, läßt es sich auch ohne Rennlizenz wieder einfangen.

Preise und Ausstattungen

Was also für den Audi spricht? Vor allem natürlich das Platzangebot und der Preis. Den gut ausgestatteten Renn-Allradler gibt es für 55.500 Euro, der Allrad-Renner von Porsche kostet 92.865 Euro. Für meine Freundin wäre damit die Sache endgültig klar: Her mit Audis Kinderwagen. Doch wie gesagt: Männer und Frauen haben ja oft ganz unterschiedliche Vorstellungen ...

Betriebskosten/Garantien Audi Porsche
Abgasnorm Euro 4 Euro 4
Steuer pro Jahr 284 € 263 €
Typklassen HPF/VK/TK 20/28/30 vorläufig 14/27/29
Werkstattintervalle nach Anzeige nach Anzeige
Kosten Ölwechsel/Inspektion 200/700 € 400/1300 €
Garantie/Gewährleistung Garantie Gewährleistung
Technik/km-Begrenzung 2 Jahre/ohne 2 Jahre/ohne
Durchrostung 12 Jahre Garantie 10 Jahre
Mobilitätsgarantie unbegrenzt 2 Jahre
Preise/Ausstattungen
Modell S4 Avant 911 Carrera 4S
Airbags Fahrer/Beifahrer/Seiten vorn S/S/S S/S/S
Navigationssystem ab 1360 € ab 1844 €
Xenon-Licht/Kurvenlicht S/340 € S/N
elektrisches Schiebedach 950 € 1264 €
Grundpreis 55.500 € 92.865 €
S = Serie, N = nicht lieferbar; *innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km

Technische Daten und Testwerte

Zweimal 4x4 gleich Spaß satt, wenn auch auf unterschiedlichste Weise. Bis auf die "4", das "S", sechs Gänge und Allrad haben die beiden kaum was gemeinsam, wie die technischen zeigen.

Fazit und Bewertung

Fazit Okay, für dieses Jahr habe ich mein Glückskonto wohl ausgeschöpft. Mit Audi S4 Avant und Porsche Carrera 4S durfte ich zwei absolute Traumwagen fahren. Und so gleich die Eckdaten scheinen, so groß fallen letztendlich die Unterschiede aus. Nicht, weil der Audi mehr Platz bietet und weniger kostet. Nein, der Unterschied liegt auf der Straße. Der Porsche ein waschechter Sportwagen mit (überflüssiger) Allradunterstützung, der Audi ein schneller Kombi mit perfekter Allradtechnik.

Autor: Gerald Czajka



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