Audi S4 gegen BMW M3

Audi S4 gegen BMW M3

— 28.10.2004

Die Ober-Bayern

Der BMW M3 ist das Topmodell seiner Baureihe. Der Altmeister trifft in dem Audi S4 auf einen gerade frisch gelifteten Gegner. Kann er sich immer noch behaupten? Ein erster Vergleich.

Zwei Sportler fr den perfekten Sonntag

Wie sieht fr Sie ein perfekter Sonntag aus? Wahrscheinlich hnlich wie bei mir: lange schlafen, ein gemtliches Frhstck, vielleicht im Bett, mit leckeren, knusprig warmen Croissants und frisch gepretem Orangensaft. Ein Klassiker, aber immer wieder schn. Doch danach trennt uns wahrscheinlich ein Detail: Aufstehen, einen Blick aus dem Fenster werfen und vor der Haustr den BMW M3 entdecken das gehrt bei mir ebenfalls zu einem schnen Tag. Und der M3 scheint nur darauf zu warten, ber einsame Straen gehetzt zu werden. Dann, wenn andere beim Mittagessen sitzen, kein langsamer Sonntagsfahrer strt.

So wie letzte Woche. Da bin ich dem imaginren Ruf des M3 erlegen. Eine Fahrt mit Ziel. Nrnberg Ingolstadt und zurck. Gemeinsam mit einem Kollegen den Audi S4 fr diesen Vergleich abholen. Also rein in den M3. Lenkrad in Hhe und Reichweite einstellen, Sitz justieren der BMW pat tadellos, immer. Ganz egal bei welcher Krpergre. Auch sonst ist der sportlichste Dreier perfekt. Gut, die Eucalyptus-Malt-Holzapplikationen des Testwagens wrden bei mir nicht auf der Bestelliste stehen. Vorbildlich jedoch: die Instrumentierung, die perfekter nicht sein knnte: Die Wassertemperatur wird angezeigt, im Drehzahlmesser gibts die Information ber die l-Temperatur, und als optischer Warnhinweis mahnen gelbe Leuchten zum zeitigen Hochschalten, erlschen aber bei steigender Motortemperatur nach und nach.

Der Hochleistungsmotor will sorgsam warmgefahren werden. Wenige Kilometer reichen dazu aus. Schon auf der groen Ausfallstrae, die aus Nrnberg herausfhrt, sind bis auf drei alle Lichter im Drehzahlmesser erloschen, der Zeiger der ltemperatur steht bei knapp 90 Grad Celsius. Ideale Voraussetzungen fr das lange Autobahnstck, das folgt. Aber erst einmal "Sport" drcken. Denn dann reagiert der M3 auf jeden Millimeter Gas so aggressiv wie ein Kampfhund auf Einbrecher.

M3 mit exaktem Handling und sattem Klang

Es scheint, als seien mir die sechs Drosselklappen in den rechten Fu implantiert. Die Auffahrt zur A9 nehme ich im Dritten, der Drehzahlmesser steht bei 3500, also ein Tempo irgendwo zwischen 80 und 90 km/h. Am Ausgang der Rechtskurve gehts voll aufs Gas. Die filigrane Nadel des Drehzahlmessers schnellt nach oben, der Sechszylinder dreht bis 8000 Touren und hmmert mir das knallharte Stakkato seiner Arbeit ins Ohr. So hrt sich Motorsport mit Straenzulassung an. Bei 165 km/h mu der vierte rein, bei 230 wechsle ich in den fnften und vorletzten Gang. Der Vortrieb ist gigantisch, selbst bei diesen Geschwindigkeiten. Bis Tempo 250 hier ist der M3 elektronisch begrenzt.

Auf Dauer aber auch ziemlich de, mit 250 geradeaus zu donnern. Also runter von der Autobahn. Ich nehme die Abfahrt Greding, whle bis Ingolstadt die Landstrae. Das heit viele Kurven, meist im zweiten und dritten Gang, unebener Asphalt. Herrlich, fr mich ein Genu. Das Schne der langen Vollgasfahrt davor: Je mehr der M3 unter Vollast gelaufen ist, desto lauter wird sein Klang. Es scheint fast so, als haben die heien Abgase des Motors smtliche zur Dmmung verwendeten Materialien aus den Schalldmpfern gebrannt. Einmal abgekhlt, ist natrlich wieder alles beim alten. Schade. Doch so weit ist es noch nicht.

Erst erfreue ich mich am exakten Handling. In den vielen Kurven spielt der BMW sein ganzes Potential aus. Es reicht von Untersteuern (zu schnell in die Kurve rein), ber Neutralitt (leicht am Gas, Kurve perfekt getroffen) bis hin zum bersteuern (zuviel Gas in der Kurve, das Heck bricht bei abgeschaltetem DSC aus). Dabei klingt er so brutal, da ich mich beim Runterschalten stets dabei ertappe, im Rckspiegel nach Flammen aus dem Auspuff zu suchen. Wie bei einem Rennwagen natrlich vlliger Bldsinn.

S4 mit modernerem Design und Interieur

Zumindest die Lenkung scheint ohne Umwege aus dem Motorsport direkt in den M3 gelangt zu sein, so gnadenlos direkt wie sie ist. Nur das Lenkrad drfte etwas dnner sein. Die Sitze bieten tollen Seitenhalt. Doch die letzten Kilometer geht es ruhig nach Ingolstadt, Zeit fr Mensch und Maschine, etwas abzukhlen. Als dann der BMW und der neue Audi nebeneinander stehen, fllt auf, wie modern der S4 aussieht. Die breiten Kotflgel, die prgnante Motorhaube und die seitlichen Kiemen faszinieren am M3, wirken aber gegen den Konkurrenten eher hemdsrmlig. Und pltzlich sieht man dem BMW auch seine vier Jahre Bauzeit an.

Obwohl der Audi erst seit zwei Jahren vom Band luft, profitiert seine Optik vom krzlich erfolgten Facelift, das Audi als ganz neue Auto-Generation preist. Optisch heit das: groer Plakettengrill, nach innen gepfeilte Scheinwerfer, Rckleuchten im Stil der Studie Nuvolari und eine markante Sicke an den Flanken. Nur die Felgen im Avus-Design passen nicht so recht zu der modernen Karosserie, wirken wie aus den 90er Jahren. Auch innen hat sich einiges verndert.

Das neue Lenkrad, dessen Airbagpralltopf die Form des Khlergrills imitiert, fllt noch als erstes ins Auge. Dann folgen die Schalter der Mittelkonsole, die aktualisierte Generation der Bildschirme, jetzt mit besserer Auflsung und auf Wunsch samt MMI Bediensystem (nur mit Navigationssystem plus fr 2930 Euro). Geblieben ist leider die fr einen Sportler zu sprliche Information ber den Motor. Zustzlich zu Tempo und Drehzahl informiert der S4 den Fahrer nur ber Tankinhalt und Wassertemperatur wie jeder gewhnliche A4.

Kosten und Garantien

Mehr Unterschied bieten da die Recaro-Sitze. Sie bleiben ausschlielich dem Topmodell vorbehalten. Ob auch sie gengend Seitenhalt bieten, werden wir gleich wissen. Auf, Richtung Heimat. Technisch bleibt beim S4 alles beim alten. Doch schon beim Start nach Hause fllt der erste Unterschied zum BMW Reihensechszylinder auf: Statt blechern rhrend, brummt der V8 tief. Typisch fr dieses Motorenlayout. Ebenfalls typisch V8: viel Drehmoment bei wenig Drehzahl. Im Falle des S4 sind es fast 300 Newtonmeter bei 1100 Touren.

Anfahren mit dem zweiten Gang funktioniert wie beim M3 im ersten. Unverstndlich, warum das Getriebe so kurz bersetzt ist, denn danach kann es gleich in den vierten und sofort in den hchsten, den sechsten Gang gehen. Problemlos schon bei knapp ber 40 km/h. In der Stadt dreht der Motor nur 1200 Touren, luft trotzdem nicht untertourig und zieht bei Bedarf kraftvoll an.

Keine Frage, die H-Schaltung hat in diesem Audi ausgedient. Korrekt bezeichnet, mten wir jetzt von einer "m-Schaltung" sprechen, da die Gnge eins, drei und fnf eigentlich ausgedient haben. Wie die ersten Kilometer auf der Landstrae zeigen, bruchte auch das Fahrwerk eine nderung bei der Abstimmung. Bodenwellen, und kleine Unebenheiten dringen heftig bis zu den Insassen durch und halten die Karosserie in stndiger Bewegung.

Technische Daten und Fazit

Der BMW, ebenfalls keine Snfte, meistert diese Hrden besser. Vorteil Audi: Er hat die deutlich leichtgngigere Schaltung. So vorbildlich schnell flutschen in dieser Leistungsklasse die Gnge nirgendwo. Wer nicht selbst Hand anlegen will, kann bei beiden Sportlern auch schalten lassen. Doch vorher genau berlegen, denn Zwischengas ist dann pass. Das macht genauso beim S4 hllisch Spa. Und nicht nur das. Die Leichtigkeit, mit der das Triebwerk die Drehzahlleiter erklimmt, begeistert auf der Landstrae von Kurve zu Kurve immer wieder. Bis 7000 Umdrehungen schafft es der V8 und zeigt selbst nahe dem roten Bereich kraftvollen Bi.

Leider aber deutlich weniger Sound. Wie in Watte gepackt werkelt vorn der Motor und dringt nur gedmpft bis an mein Ohr. Trotzdem geht die muntere Hatz ber die verlassenen Landstraen wieder bis Greding. Dabei fllt auerdem die leichtgngigere, einen Tick weniger direkte Lenkung auf. Das kostet Zeit. Macht aber nichts. Denn dank Allrad schnellt der S4 bei Vollgas gnadenlos und ohne Traktionsverlust aus den Kurven. Das letzte Stck fahren wir wieder Autobahn. Der dritte Gang wird schon nach der Auffahrt voll ausgedreht (150 km/h). Gang vier bleibt bis fast Tempo 200, danach folgen die beiden anderen. 250 km/h sind problemlos drin, denn die A9 ist erstaunlicherweise leer.

Bis zum Dreieck Feucht geht alles mit Vollgas. Eigentlich bei identisch begrenzten 250 km/h. Doch der Testwagen von Audi luft drei, vielleicht sogar vier km/h schneller. Auf jeden Fall reicht es, um vorn zu sein. Vielleicht sollte mein perfekter Sonntag knftig anders aussehen: Mit einem Audi S4 vor der Tr.

Fazit Wenn man bei diesen Sportlern berhaupt von Vernunft sprechen kann, dann gehrt dem Audi S4 der erste Platz. Vier Tren sind nun mal praktischer, der Kofferraum grer. Wer darauf nicht angewiesen ist, findet nach wie vor im M3 seinen idealen Partner fr viel Freude am Fahren.

Autor: Dietrich Erben

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