Audi S5 Cabrio/BMW 335i Cabrio

Audi S5 Cabrio/BMW 335i Cabrio

— 04.10.2009

Für Boulevard und Piste

Viersitzige Cabrios mit sportlichen Genen sind rar gesät, aber Audi und BMW haben sie im Programm. AUTO BILD SPORTSCARS hat S5 und 335i mit Power-Paket zum Vergleich gebeten.

Manche Entscheidungen trifft man sehr früh und meist fürs ganze Leben: Ist Superman der wahre Held oder Batman, waren die Beatles die größte Band aller Zeiten, oder sind es die Stones, mag man Bayern München oder Schalke 04, Michael Jackson oder Prince, BMW oder Audi? Alles höchst emotionale Entscheidungen mit dem Potenzial, Freundschaften zu verhindern oder Ehen zu zerstören. Dabei sollten die beiden rasanten Sonnenstühle von Audi und BMW in erster Linie dazu taugen, Freundschaften zu stiften, Ehen gar, denn mehr als zwei Drittel aller Bundesbürger flirten gern im Auto. Und was ist dazu besser geeignet als ein schmuckes Cabrio, das nicht nur auf dem Boulevard gut ankommt, sondern auch noch sportliches Potenzial zeigt, wenn es darauf ankommt? Das S5 Cabrio aus dem Hause Audi und das 335i Cabrio von BMW sind zwei feine Vertreter dieser Gattung. Die Gemeinsamkeiten sind schnell aufgezählt: vier Sitzplätze, aufgeladene Sechszylindermotoren um die 330 PS, sportliche Fahrwerke und eine höchst reizvolle Erscheinung.

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Bei BMW faltet sich ein Blechklappdach schützend über die Passagiere.

Zu den Unterschieden. Während Audi auf eine klassische Stoffmütze setzt, kommt der BMW als Coupé-Cabrio mit Blechhelm daher. Beide Konzepte bieten Vorteile: Ein Stoffdach ist leichter verstaubar und braucht weniger Platz, es gibt also mehr Stauraum (Audi: 320 bis 380 Liter; BMW 210 bis 350 Liter); ein Blechdach ist wintertauglicher und isoliert Geräusche besser. Eigentlich, denn der S5 ist serienmäßig mit dem sogenannten Akustikverdeck ausgerüstet, dessen dreilagige Fütterung selbst bei Höchsttempo unangenehme Lautstärke vermeidet. Für die Show vor dem Café sind beide zu gebrauchen: Während der BMW sein Dach auch auf kurze Entfernung via Tastendruck auf den Zündschlüssel öffnet, erlaubt Audi seinem S5 den Übergang von geschlossen nach offen und umgekehrt sogar während der Fahrt bei bis zu 50 km/h. Zwar setzen beide auf aufgeladene Sechszylinder. Doch BMW haucht seinem Reihensechser mittels Twinturbo mehr Leben ein, Audi setzt dagegen auf einen V6 mit Kompressor. Für eine ausgewogene Leistungsdichte war der 335i mit einer händlerseitig bestellbaren Leistungsspritze von 20 PS ausgerüstet. Die stammt, ebenso wie die schönen Doppelspeicher (3442 Euro für den Komplettradsatz), aus dem Performance-Programm und wird durch Änderungen der Software, einen zusätzlichen Wasserkühler und einen stärkeren Lüfter erreicht. Inklusive Einbau gibt es die Mehr-PS für 2000 Euro.

Bei den Fahrleistungen liefern sich die offenen Sportler ein fast totes Rennen

Längsdynamisch liegen Audi und BMW nur einen Wimpernschlag auseinander.

Mit 326 PS (BMW) und 333 PS (Audi) liegen die Kontrahenten so auf einem Niveau. Unterschiede zwischen den Motoren finden sich vor allem bei der Laufkultur. An den seidigen Lauf des BMW-Reihensechsers reicht der etwas rauere Audi-V6 nicht ganz heran, doch bei Ansprechverhalten und Leistungsentfaltung liegen die beiden 3,0-Liter-Aggregate ganz dicht beieinander. Während der Audi leichte Vorteile bei niedrigeren Drehzahlen herausfährt, legt der BMW in den hohen Lagen etwas mehr Temperament an den Tag. Auch beim Klangbild gibt sich keiner der beiden eine Blöße: Das kernige, im höheren Drehzahlbereich sehr harmonisch klingende Auspuffgeräusch des BMW macht ebenso an wie das bassig-dumpfe Zwischengasbollern des S5 bei Schaltvorgängen. Der BMW klingt reiner, der Audi etwas gestopft. Die Unterschiede bei den Fahrleistungen sind bis etwa 160 km/h marginal. Zwei Zehntelsekunden liegt der Audi bis 50 km/h vorn, bis 130 km/h herrscht (bis auf ein Zehntel Vorteil für den BMW auf 100 km/h) Gleichstand. Ab 160 löst sich der BMW leicht und hat beim Spurt auf 200 km/h mit sieben Zehntelsekunden die Nase vorn. Welten sind das nicht.

Für die Kraftübertragung sorgt in beiden Testteilnehmern ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen. Beim Audi S5 Cabrio heißt es S-tronic und ist immer an Bord, für den 335i nennt es sich "Sport- Automatik-Getriebe mit Doppelkupplung" und kostet 2400 Euro extra. Sieht man von Nicklichkeiten wie Anfahrruckeln ab, ist das die derzeit schnellste und dabei komfortabelste Möglichkeit, die Gänge zu wechseln. Im Audi passiert das über zwei Paddel, rechts eines zum Hoch-, links eines zum Runterschalten. Im BMW kann man auf beiden Seiten sowohl hoch- als auch runterschalten: hoch über Paddel auf der Lenkradrückseite, zurück über zwei dicke Metalldrücker an der Vorderseite. Eine etwas verwirrende Lösung, an die man sich sicher nach einiger Zeit gewöhnt. Nicht jedoch an den zu großen Abstand zwischen Daumen und Drücker bei vernünftiger Lenkradhaltung. Für die Bewertung der querdynamischen Fähigkeiten bitten wir die beiden Sommerfrischler auf den Rundkurs in Hockenheim.

Auf der Rennstrecke kann der Audi S5 den BMW 335i abhängen

Sieger auf der Rennstrecke: Der S5 nimmt dem 335i fast eine Sekunde ab.

AUTO BILD SPORTSCARS-Rennfahrer Wolfgang Kaufmann ist der Mann der Stunde und nimmt sich zunächst den BMW zur Brust. "Schade, dass der kein Sportfahrwerk hat", merkt Wolfgang an, "denn so ist die ganze Fuhre recht schwammig." Beim Einlenken neigt der 335i deutlich stärker zum kräftigen Schieben über die Vorderräder und vermittelt zu wenig Rückmeldung über die sehr direkte und aus der Mittellage spitze Lenkung. "Die DKG-Schalter am Lenkrad gehen gar nicht." Wohler fühlt sich Kaufmann auf Anhieb im Audi S5 , der mit seinem serienmäßigen Sportfahrwerk präziser einlenkt und dank aktiver Stoßdämpfer (1135 Euro) weniger Karosseriebewegung zulässt. Die Bremswerte beider Kandidaten sind gut, doch vermittelt der S5 auch hier mehr Gefühl und bleibt beim Anbremsen ruhiger als der BMW. Unter dem Strich ist der Audi dem BMW trotz Performance-Leistungsspritze eine Nasenlänge voraus: In 1:18,82 Minuten umrundet das BMW-Cabrio den kleinen Kurs in Hockenheim. Der Audi S5 ist mit 1:18,00 Minuten fast eine Sekunde schneller. Bei einem 335i mit Sportfahrwerk dürfte der Unterschied geringer ausfallen.

Weitere Details zu den offenen Sportlern gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.

Autor: Ralf Kund

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