Audi S5 Sportback gegen Jaguar XF 5.0

 Jaguar XF 5.0 Audi S5 Sportback

Audi S5 Sportback gegen Jaguar XF 5.0

— 13.04.2010

Jaguar stürmt gegen Audi

An einer Kreuzung aus Coupé und Limousine haben sich schon einige versucht, Audi hat sie gebaut. Im AUTO BILD SPORTSCARS-Vergleich trifft der Audi S5 Sportback auf den Jaguar XF 5.0. Ein Duell zwischen Emotion und Vernunft.

Es gab schon einmal so etwas wie einen A5 Sportback. Der Audi 100 Avant mutierte vor gut 30 Jahren zum Blech-gewordenen Biedermeier. Er erweiterte die durchweg biedere Audi-Palette um ein biederes Modell: maximal 136 PS, nur Frontantrieb, außen gern grün, innen fast immer braun. Nix mit Lifestyle, nix mit Premium. Und somit eigentlich nur ein – aus heutiger Sicht – langatmiges Kapitel der Geschichte. Wäre da nicht diese Karosserie mit großer Kofferraumklappe, die ab der C-Säule knickfrei zum Heck verläuft und damit genau das war, was uns die Prospekte nun als Sportback verkaufen wollen.

Übersicht: Alle News und Tests zum Audi S5 Sportback

Technikhighlight des S5 ist das elektronische Sportdifferenzial.

Wirklich neu ist also nur die Nummer mit dem S-Modell: Allradantrieb, Kompressor-V6, 333 PS, genau wie der prinzipiell baugleiche S4. Die damalige Audi-100-Klientel wäre angesichts solcher Attribute wohl ohnmächtig vom Velourssitz gekippt. Oder stolz wie Oskar zum nächsten Stammtisch getappt. Um gleich allen Kumpanen zu erzählen, dass sich der Nachfolger ihres grün-braunen Fließheck-Audi eines Tages sogar mit diesen noblen Jaguar aus den besseren Stadtteilen messen könne. Dem XF ersparen wir die Ahnenforschung. Schon allein, weil er sich gar nicht so leicht an die teils etwas verfahrene Markenhistorie ankoppeln lässt. Sicher: Konzeptionell ist er die Fortsetzung des S-Type, optisch distanziert er sich jedoch klar von seinem Vorgänger und damit auch von der ruhmreichen Tradition, an der Jaguar in den vergangenen Jahren fast zugrunde ging.

Übersicht: Alle News und Tests zum Jaguar XF

Konzeptionell ist der XF die Fortsetzung des S-Type, optisch distanziert er sich von seinem Vorgänger.

Statt erneut eine verblichene Modellikone zu reanimieren, startete der XF 2008 als vielleicht erster Jag überhaupt ins 21. Jahrhundert. Mitunter auch, weil sie mal gründlich rausgewischt haben: Dort, wo man bislang versuchte, Großserienindizien – so gut es eben ging – mit Holzeinlagen zu vertäfeln, erstreckt sich nun ein komplett eigenständiger Armarturenträger, der allenfalls in klitzekleinen Details erkennen lässt, dass da mal was war, mit Ford. Auch Befürchtungen, Neueigner Ratan Tata würde sich mit ein paar Nano-Knöpfen bei Jaguar verewigen, sind völlig unbegründet. Alles wirkt hochwertig, modern, stilvoll und immer noch ein wenig schrullig. Das liegt vor allem an solch liebevollen Details wie den Purzelbaum schlagenden Lüftungsdüsen. Oder jenem Drive-Selector genannten Metalltörtchen, das sich dort aus der Mittelkonsole schiebt, wo einen einst die J-förmig arrangierte – Jott wie Jaguar, Sie verstehen den Gag – Automatikkulisse durchs Fahrstufenalphabet geleitete.

Ein Jaguar wirkt schrullig?!

Wenn Sie mich fragen: So, genau so müssen Leute empfangen werden, die bereit sind, 46.900 Euro in ein Auto zu investieren. Und vielleicht noch mal 21.900 drauflegen, weil es statt des Basisdiesels doch lieber der Fünfliter-V8 mit 385 PS sein soll. Audi positioniert den S5 Sportback klassengemäß zwar unterhalb des XF, weiß aber auch, was sich im Innenraum gehört. Die Tropfenkarosserie vermittelt das, was man neudeutsch Cocooning nennt. Man sitzt tief, ringsum drängen massige Türbrüstungen die Fensterfläche in die Defensive, während sich der geschwärzte Dachhimmel gerade noch so über die Insassen hinwegspannt, dass die Köpfe nicht bei jeder Bodenwelle eine Beule ins Dach klopfen. Klaustrophobiker mögen das beklemmend schimpfen, Sportfahrer hingegen schätzen den hautengen Schnitt, zumal er ebenso gut zum technokratischen Charakter des S5 passt wie der Fahrdynamikbaukasten Drive Select, der sich je nach Geldbeutel mit Nettigkeiten wie Dynamiklenkung und Adaptivfahrwerk hochrüsten lässt.

Trotz Hubraumplus unterliegt der XF

Als Sportback wird der S5 endgültig zum Alleskönner.

Per Schaltpult auf der Mittelkonsole bindet sich der Pilot dann entweder eher leger ins Geschehen ein, lässt die Komponenten vollautomatisch nach Fahrstil regulieren oder zurrt mittels Dynamic-Modus die Kennlinien straff. Positiv: Selbst dann verfällt das serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe nicht in Trance. Statt wie einige Konkurrenzsysteme das Hochschalten völlig zu vernachlässigen und die Drehzahl einfach mal pro forma in die 4000er zu hängen, platziert es den V6 dauerhaft in Reichweite zum prall gefüllten Drehmomentreservoir, um ihn erst auf ausdrücklichen Befehl anzudocken. Überhaupt gelingt es dem Audi, die verschiedenen Vortriebsphasen ausgesprochen galant aneinanderzureihen. Was einerseits sicherlich an der unerschütterlichen Traktion des quattro-Prinzips liegt und andererseits daran, dass der Kompressor die 1820 Kilo derart fulminant vorwärtspresst, dass sogar der zwei Liter größere, 75 Newtonmeter kräftigere und 52 PS stärkere Jaguar-V8 nur ausgelaugt mit der weißen Fahne wedeln kann.

Im Sportprogramm, gibt sich der XF eher locker und gelöst als übermäßig konzentriert.

Technikhighlight des S5 ist dennoch das elektronische Sportdifferenzial. Es verteilt das Antriebsmoment vollvariabel zwischen den Hinterrädern, erzeugt ein mitlenkendes Heck und killt Untersteuertendenzen dadurch bereits im Ansatz. So weit die Theorie. Fühlbar wird es in Form einer bei Audi bislang eher unterentwickelten Gelenkigkeit um die Längsachse. Speziell im engmaschigen Straßennetz, wo auch die heckbetonte Kraftverteilung des quattro-Antriebs bislang nichts daran ändern konnte, dass die Vorderräder immer wieder gen Fahrbahnbegrenzung flüchteten, schlürft der S5 den Straßenverlauf nun wie eine Spaghetti in sich hinein – natürlich ohne dabei mit der Soße rumzusabbern. Und genau da ist das Problem: Die größte Schwäche des Audi ist, dass er keine hat. Ihm fehlt dieser Sympathiepunkt, so etwas wie der Leberfleck über Cindy Crawfords Oberlippe. Ein minimaler Makel eben, der nicht schadet, ihn aber von diesem aalglatten Image befreien würde. Vielleicht sollten die Audi-Jungs einfach mal in Coventry durchbimmeln.

Das größtes Plus des Jaguar XF ist seine Unbeschwertheit

In sportlicher Hinsicht gewinnt der S5, der XF hingegen überzeugt durch mehr Emotion.

Die Gentlemen dort wissen, was wir meinen. Nur ändert das eben auch nichts daran, dass der XF diesen Vergleichstest in nahezu allen Kapiteln verliert. Er kostet mehr, beschleunigt gemächlicher, wirkt querdynamisch vergleichsweise unausgebildet. Und berührt trotzdem mehr. Warum? Womöglich ist es diese Unbeschwertheit, die ihm bemerkenswerterweise ein Menschenschlag antrainierte, der 75 Prozent seines Daseins im Regen fristet. Während der Audi Kurven mit akademischer Akribie in Anbrems-, Einlenk- und Scheitelpunkt zerlegt und alle drei Teile zum kürzesten Weg zusammenpuzzelt, wirkt die Ideallinie auf den Jaguar-Fahrer wie eine unverbindliche Empfehlung. Frei nach dem Motto: Alles kann, nichts muss. Selbst im Sportprogramm, das die Dämpferkennung ebenso nachschärft wie den vorzüglichen Wandlerautomaten, gibt sich der XF eher locker und gelöst als übermäßig konzentriert. Nur damit kein Missverständnis aufkommt: Schwerfällig ist er deshalb nicht. Dank seiner präzisen, aber extrem leichtgängigen Lenkung vermittelt er einem sogar eine durchaus beachtliche Agilität. Dennoch bleibt nur eine echte Gemeinsamkeit. Die, dass sich beide mit eher gemischten Gefühlen an ihre sonderbaren Vorgänger zurückerinnern.
Technische Daten Audi Jaguar
Motor V6, Kompressor V8
Einbaulage vorn längs vorn längs
Hubraum 2995 cm3 5000 cm3
kW (PS) bei 1/min 245 (333) / 5500–7000 283 (385) / 6500
Nm bei 1/min 440 / 2900–5300 515 / 3500
Antriebsart Allrad Hinterrad
Getriebe 7 Gang Doppelkupplung 6 Stufen-Automatik
Leistungsgewicht 5,5 kg/PS 4,9 kg/PS
Tankvolumen 64 l 69,5 l
Beschleunigung
0-100 km/h 5,1 s 5,6 s
0-200 km/h 19,1 s 19,5 s
0-402,32 m
Testverbrauch
Ø auf 100 km 12,5 l Super 13,7 l Super
Leergewicht 1820 kg 1894 kg
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h (abgeregelt 250 km/h (abgeregelt
Preis Serienfahrzeug 57.900 Euro 68.800 Euro

Autor:

Stefan Helmreich

Fazit

Unter sportlichen Gesichtspunkten fehlt dem XF weit mehr als ein einziger Stern zum Testsieg. Er unterliegt dem S5 in nahezu allen Disziplinen, triumphiert aber dort, wo der perfektionistische Audi seltsam blutleer bleibt. Als Sportback wird der S5 endgültig zum Alleskönner: große Klappe, viel dahinter.

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