Audi SQ7 gegen Alpha Jet

Audi SQ7 gegen Alpha Jet

— 13.03.2016

Höllenhunde auf dem Weg zum Himmel

Auto gegen Flugzeug – gab's schon. Doch noch nie wagte ein Diesel-SUV das Duell mit der Düse. Premiere für den SQ7

Startaufstellung. Der Flugplatz ist taghell erleuchtet. Unruhig bollern acht Zylinder aus den vier Endrohren des Audi SQ7. Angriffsmodus: Drive-Select auf "Sport", Bremse getreten und Vollgas –Launchcontrol. Rechts davon faucht der Alpha Jet aus seinen beiden glühenden Triebwerken. Wir sind im slowenischen Maribor. 70 Kilometer südlich von Graz stehen wir an einem Sonntagabend auf dem zugigen Flugfeld. Die Ingolstädter Ingenieure wollen beweisen, dass ihr neuer SQ7 schneller sprintet als ein Düsenjet. Ein ausgewachsenes SUV hat so ein Duell unseres Wissens nach noch nie probiert.

Ein Rennprofi am Steuer soll den SQ7 zum Sieg fahren

Video: Audi SQ7 vs. Alpha Jet (2016)

SUV gegen Kampfjet

Zwei Höllenhunde auf dem Weg zum Himmel. Hinterm Lederlenkrad des SQ7 hockt Mike Rockenfeller (32), mehrfacher Le-Mans-Sieger. 2013 gewann der Audi-Werksfahrer die DTM. Bereit zum Take-off am Steuerknüppel im Alpha Jet: Philipp Haidbauer. Ehemaliger Kampfpilot der österreichischen Luftwaffe und mit über 3000 Flugstunden Erfahrung auf den breiten Schultern. So weit die Dompteure, jetzt zu den Höllenhunden. Strikte Diät bei Fahrwerk und Karosserie soll das Gewicht des Dickschiffs wenigstens einigermaßen im Rahmen halten. 41 Prozent der Karosserie sind aus Aluminium. Allein die vier Türen sparen 24 Kilo gegenüber Stahlportalen ein. Auch Kotflügel, Hauben und Achsen sind aus Alu. Macht ein Kampfgewicht von rund 2,4 Tonnen. Ebenfalls aus edlen Leichtmetallen ist das Alpha-Tier geschnitten. Der Zweisitzer diente zuletzt in der bundesdeutschen Luftwaffe als Trainingsjet für die Pilotenausbildung sowie als leichter Jagdbomber. Sein aktuelles Startgewicht liegt bei 3,6 Tonnen – ohne Bewaffnung.
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Auf dem Papier wirkt der Audi einigermaßen chancenlos

Zum Abschuss bereit: Hier warten 435 Diesel-PS und rund 10.000 Pferde aus zwei Strahltriebwerken.

Von der Spitze bis zum Leitwerk misst der Düsenjäger gut zwölf Meter. Das Sport-SUV streckt sich auf rund fünf Meter Länge. Deutlicher sind die Unterschiede bei der aufgebotenen Leistung. Der Sport-Diesel bringt dank 4,0-Liter-V8 435 PS und bullenstarke 900 Newtonmeter Drehmoment auf die vier Räder. Den Flieger schieben zwei Strahltriebwerke mit insgesamt gut 10.000 PS an. Der SQ7-Tank hat 85 Liter Volumen, was für über 1000 Kilometer nonstop reichen soll. Die Kerosin-Kammern des bei Dornier gefertigten Jets fassen 1900 Liter. Was dennoch nur für 1950 Kilometer Luftlinie reicht. Gleich wird es ernst. Vier Minuten Warmlaufphase, der 35-jährige Haidbauer drückt schließlich den Schubhebel nach vorn. Die beiden SNECMA-Brenner brüllen, dass einem fast die Schädeldecke abhebt. Zeitgleich löst Rockenfeller das linke Pedal. Abschuss: Beide Konkurrenten zischen über den Asphalt wie Boden-Boden-Raketen.

Nach 300 Metern kommt schon die Zielmarke. Denn bald danach würde der Flieger schnell genug sein, um abzuheben. Der Alpha Jet braucht für die Distanz gerade mal 11,4 Sekunden, aber der SQ7 ist sogar noch knappe vier Zehntel schneller. Was für ein wilder Ritt!

Der Druck auf den TDI wird untenrum per E-Turbo erzeugt

Das Geheimnis ist der dritte Lader: Ein elektrisch angetriebener Turbo macht dem TDI untenrum Dampf.

Wie konnte der dicke Diesel den flotten Fighter besiegen? Das Geheimnis liegt vorn unter der langen Alu-Motorhaube. Klar – jeder TDI hat einen Abgasturbolader. Aber der SQ7 hat sogar zwei, die drehzahlabhängig mit bis zu 160.000 Umdrehungen Frischluft in die acht Brennräume drücken – das bringt einfach mehr Bums. Untenrum bleibt allerdings immer ein kleines Turboloch. Und das stopfen die findigen Techniker mit einem dritten Lader. Damit der schon untertourig anspricht, wird er unabhängig vom Motor elektrisch angetrieben. So was gab's noch nie im Serienbau. Deshalb braucht der SQ7 auch ein zweites Bordnetz mit 48 Volt, gespeist von einer separaten Lithium-Ionenbatterie im Kofferraum. Mit 70.000 Umdrehungen haucht der E-Lader dem V8-Turbodiesel im Drehzahlkeller richtig Leben ein. Das Ergebnis: Den Sprint auf 100 km/h erledigt der SQ7 in strammen 4,8 Sekunden. Ein echter Höllenhund eben, der auf dem Weg in den Sprinthimmel nicht nur Alpha Jets verbläst.

Technische Daten Audi SQ7 • Motor: V8-Biturbo mit elektrischem Verdichter, vorn längs • Hubraum: 3956 cm³ • Leistung: 320 kW (435 PS) • max. Drehmoment: 900 Nm bei 1000-3250/min • Vmax: 250 km/h • 0–100 km/h: 4,8 s • Antrieb Allradantrieb, Achtstufenautomatik • Tankinhalt: 85 l • L/B/H: 5052/1968/1741 mm • Kofferraum: 890–2075 l • EU-Mix: 7,4 l D/100 km • Abgas CO2: 194 g/km • Preis 89.900 Euro.

Technische Daten Alpha Jet • Motor: zwei Mantelstrom-Triebwerke • Leistung: 2 x 14,1 kN (circa 10.000 PS) • Spitze: ca. 1000 km/h (entspricht etwa 0,85 Mach) • Tankinhalt: 1900 l • L/B/H 12,3/9,1/4,2 m • Leergewicht: 3600 kg • Verbrauch: circa 97,4 l/100 km • Reichweite: ca. 1950 km • Produktionszeitraum: 1973 bis 1984 • Stückzahl: 508 • Preis circa 20 Mio. D-Mark (circa 10,23 Mio. Euro).
Autor:

Stefan Diehl

Fazit

Schon beeindruckend, was der SQ7 hier abliefert. Das Turboloch mit einem elektrischen Verdichter zuzuschütten funktioniert hervorragend, Audis Dickschiff hat die Nase vorn. Auch wenn der Jet am Ende ziemlich dicht dran ist.

Stichworte:

SUV

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