Audi TT gegen BMW Z3

Audi TT 1.8 T gegen BMW Z3 2.2i Audi TT 1.8 T gegen BMW Z3 2.2i

Audi TT 1.8 T gegen BMW Z3 2.2i

— 21.02.2002

"Papi, kauf uns den TT"

Bleib auf dem Bodenblech, mein Kind. Noch haben wir nicht bei Günther Jauch gewonnen. Obwohl: Die neuen Motoren im Audi TT und BMW Z3 stärken den Roadsterbazillus.

Zwei Konzepte - (fast) ein Preis

Da sitz ich nun, ich armer Vater. Musste erst 58 werden, um in diesen Auto(ritäts)konflikt zu geraten. Hätte ich zu Hause bloß nichts von dem neuen 150-PS-Motor im Audi TT erzählt. Und verschwiegen, dass dieser Roadster sogar billiger ist als das Basis-Coupé (54.959 zu 58.186 Mark). Geht mir das Gefühl fürs Geld verloren? Denn auch der BMW Z3 mit dem neuen 2,2-Liter und 170 PS erscheint mit 55.700 Mark plötzlich erschwinglich.

Was macht mich so leichtsinnig, doch mal eine Probefahrt mit Marie-Luise zu riskieren? Ist es mein 22-jähriger Sonnenschein oder der des heißen Planeten über uns? Werde ich bereits von ihm gestochen? Schließlich haben wir die Dächer ja versenkt.

Schwärmen darf doch wohl noch erlaubt sein. So wie wir als Jugendliche. Der Austin Healey Sprite "Froschauge" war damals mein Traumauto - er blieb es ein Leben lang. Nie hätte mein Vater für sich und uns Kinder einen Roadster gekauft, langte es doch gerade mal für einen 30-PS-Käfer. Warum also soll es meiner Tochter anders ergehen? Psst, das sage ich ihr aber jetzt noch nicht.

Denn als sie vor den beiden Roadstern steht, strahlen ihre Augen hell wie Xenonlicht. Ganz objektiv - wie Autofreaks nun mal sind - versuche ich, sie sanft vom BMW zu überzeugen. "Schau doch mal, diese Silhouette, diese Schnauze. Und hör doch mal den Sound. Du weißt doch, Freude am Fahren bietet nur ... " "Papperlapapp, Papi! Sei doch nicht so spießig. Der TT ist doch viel kultiger als dieses Blondie-Mobil." Spricht's und gibt Gas. Ich im Z3 hinterher.

Sechszylinder gegen Turbopower

Eine Wettfahrt der Generationen. Hier in Amerika gebaute BMW-Tradition, dort Audi-Neureichtum aus dem ungarischen Györ. Hier 170 PS, dort 150. Hier der herrliche Reihensechszylinder mit Vanos-Steuerung, dort ein schnöder Vierer. Wo alle Motoren sich mittlerweile im V spreizen, sollte man BMW (und Lexus) unter Artenschutz stellen. Sechs Töpfe gehören in eine Reihe; so, wie es Dürkopp schon vor 99 Jahren einführte. Und sechs Zylinder verwöhnen mit mehr Laufruhe.

Aber nicht unbedingt mit mehr Drehmoment, wie uns Dr. Piëchs Ingenieure eindrucksvoll beweisen: Der kleine 1,8er-Audi-Turbo hat mit 210 Nm das haargenau gleiche Drehmoment wie der 2,2-Liter-BMW, liefert es sogar schon bei 1750 Umdrehungen ab, der BMW erst ab 3500. Turbo sei Dank. So was zählt in dieser Gewichtsklasse (Audi 1375 Kilo, BMW 35 weniger). Dass sich der Z3 vor allem in der Stadt elastischer anfühlt, liegt hauptsächlich an der Getriebeübersetzung.

Doch was interessiert das meine kleine, pardon, große Tochter? Sie schaut nach Ablagen (beide wenig), kritisiert Sitzposition (im Audi für kleine Personen schlechter) und Übersicht. Das geschlossene Verdeck des TT stört beim Rechtsabbiegen den Blick nach hinten. Und das Lieblings-Frauenthema Einparken? "Ich glaube, trotz Servolenkung blamier ich mich da vor meinem Stammlokal..."

Beide Roadster opfern ihre Enden der Windschnittigkeit. Wobei der Audi handlicher wirkt. Seine Lenkung spricht etwas spontaner an, dafür schiebt der kopflastige Fronttriebler etwas mehr über die Vorderachse, ist jetzt ruhiger als zu Beginn. Der Z3, dank Heckantrieb mit ausgeglichener Gewichtsverteilung, wirkt dagegen stur wie ein Kaltblüter, fängt erst im fernen Grenzbereich an, hinten auszukeilen.

Windschotts nur gegen Aufpreis

Nur leider sind solche Tester-Gedanken meiner Tochter so schnurzpiepegal wie die Diskussion um die Rentenreform. Drehmomente gehören für sie in die Disko, Leistungskurven ins Fitness-Studio. Dass es Schutzengel wie etwa das elektronische Stabilitätsprogramm ESP gibt, nimmt sie zur Kenntnis, aber hoffentlich nie in Anspruch. Deshalb nur der Ordnung halber: Audi hat ESP ebenso serienmäßig wie der BMW (dort heißt es DSC, muss nur im kleinen Z3 1.9i mit 980 Mark bezahlt werden).

Aber genießen wir lieber die Fahrt in den verspäteten Frühling. Ausblick - wie gesagt - im BMW besser. Die Armaturen ebenfalls klarer gezeichnet und nicht so verspielt wie im TT. Die Schalensitz-Wangen im BMW ausgeprägter als im TT. Dafür ist die Sitzfläche deutlich kürzer. Doch wenn erst der Wind um die Ohren saust, sind statt ein paar fehlender Zentimeter Schal und Mütze wichtiger.

Da halten die Preislisten praktisches Zubehör parat: Windschott heißt die Erfindung, die von Puristen zwar abgelehnt wird, aber Frisur und Gesundheit - vor allem von uns rüstigen Roadsteranern - schützt. Im Z3 weist ein Stoffnetz (ab 222 Mark) störende Luftwirbel ab. Audi hat die elegantere Lösung: Eine Glasscheibe fährt auf Knopfdruck nach oben heraus. Kommentar der Tochter: "Stört nicht die Rücksicht und sieht sportlicher aus." Kostet aber auch 851 Mark. Was Tochter natürlich großzügig übergeht, schließlich müsste Papi zahlen.

Ja, diese Aufpreise. Sie vernebeln den Spaß an der frischen Luft. Wer sich in diese Autos verliebt, wird plötzlich begehrlich. Bieten die Preislisten doch gegen Mehr-Mark alles an, was Roadster-Fahrer früher nie verlangten. Damals waren sie auch eine Weltanschauung, die sich nur wenige Begüterte leisten konnten. Das Rad der Zeit hat sich gedreht. Doch dass wir uns nur zum Spaß einen Roadster neben die alten Gölfe von Mutter und Tochter stellen, halte ich für überflüssig. Marie-Luise sieht das freilich ganz anders.

Fazit und Zeugnis

Fazit Kult hin, Kult her, Marie-Luises Urteil stimmt: Der TT ist das bessere Auto. Er bietet mehr Platz, sehr gute Sitze, einen achtbaren Kofferraum, die bessere Lenkung und einen äußerst praxistauglichen Motor. Dazu kommen die exzellente Qualität und die fast rührende Liebe zum Detail. Der Z3 steht für Fahrspaß: Eine lange Motorhaube für den faszinierenden Sechszylinder ist wichtiger als Platz und Kofferraum, hohe Kurventempi sind interessanter als kinderleichtes Handling. Der Wind zieht bei beiden ordentlich, ein Elektro-Verdeck ist so überflüssig wie Servolenkung am Fahrrad. Fazit: Der TT ist mehr Auto, der Z3 mehr Roadster. Peter Oberndorfer, AUTO BILD

Technische Daten und Testwerte

In der Beschleunigung ist der BMW Z3 einen Tick besser. Im Zwischenspurt schlägt der Audi TT aber eindrucksvoll zurück.

Preise und Betriebskosten

BMW Z3 2.2i oder Audi TT 1.8T? Das ist hier die Frage. Preislich trennen die beiden Roadster gerade einmal 379 Euro.

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