Drei knackige Cabrios im Vergleich

Audi TT Roadster/Mercedes SLC/Porsche 911 Cabrio: Test

— 20.07.2016

Wer ist die Ikone von morgen?

Der SLK heißt jetzt SLC – und trifft im ersten Vergleich auf den Audi TT. Mit dabei: ein Porsche 911 Cabrio von 1989. Dach auf zum Test.

Eine Ikone, sagt das Lexikon, ist ein Heiligenbild der orthodoxen Kirche. Ein anbetungswürdiger Gegenstand also. Passt! Denn um genau so etwas handelt es sich beim 911er ja nach allgemeiner Meinung. Und beim sogenannten G-Modell der Baujahre 1973 bis 1989 im Speziellen. Ein Cabrio Baujahr 1989 haben wir hier dabei, und zwar, um Mercedes SLC und Audi TT mal auf den Zahn zu fühlen. Haben die beiden Jungspunde auch das Zeug dazu, mal so berühmt zu werden?

Mit dem TT-Arbeitsplatz zeigt Audi die Zukunft

Video: Vergleich Mercedes SLC vs Audi TT (2016)

Top-Roadster-Duell

Mercedes ist bei den Aufräumarbeiten der Modellpalette – GLC statt GLK, GLS statt GL, GLE statt M – beim SLK angekommen, der ab jetzt den Namen SLC trägt. Das "C" steht natürlich für den Technikspender C-Klasse. Neben der neuen Bezeichnung gab es das übliche Facelift mit Retuschen an Front, Heck und Cockpit. Das kann sich wirklich sehen lassen und wirkt mit seinen geraden Linien, den runden Lüftungsdüsen, der mächtigen Mittelkonsole und den schönen, klassischen Instrumenten auf angenehme Weise traditionell. Die Sitze sind griffig und schön tief, nah an der Straße und sehr angenehm. Im Audi liegt die Sitzposition etwas höher, viel Seitenhalt geben seine Sitze aber auch. Im direkten Vergleich mit dem SLC wirkt der TT mit seinem ultracoolen, reduzierten Design und dem Virtual Cockpit wie ein Auto aus einem anderen Zeitalter. Auf diesem 12,3 Zoll großen Display lassen sich Instrumente, Navi und vieles mehr in unterschiedlichen Varianten und gestochen scharf anzeigen.
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Der Mercedes setzt auf einen Wetterschutz aus Blech

Außenwelt ausgesperrt: Unter dem Blechdach des SLC bleibt es auch bei voller Fahrt angenehm leise.

Von so etwas konnte man im alten 911er natürlich nur träumen, sein Cockpit wirkt gerade im Vergleich schlicht und karg, bezieht aber genau daraus seinen Charme: Mehr braucht man einfach nicht. Fahrer und Beifahrer sitzen eng beieinander im 911, die beiden Neuen bieten deutlich mehr Platz, mit leichten Vorteilen für den Audi. Dessen Verdeck öffnet auf Knopfdruck friedlich summend in zehn Sekunden, der Benz braucht für sein Dach aus Metall und Glas knapp doppelt so lange. Und der Porsche schlägt sich mit knapp zwölf Sekunden – übrigens auch schon komplett elektrisch – sehr achtbar. Allerdings rasselt und quietscht es hier etwas lauter. Apropos: Obwohl die Textilkapuze im TT dick gedämmt vor der feindlichen Außenwelt schützt, bleibt es im Benz dank Metallmantel geschlossen praktisch über alle Geschwindigkeitsbereiche leiser.
Alle News und Tests zum Mercedes SLC

Offen nehmen sich die beiden nicht viel, ungefähr bis Tempo 100 fächelt der Fahrtwind noch ganz sanft ins Cockpit, etwa bis 130 zieht es angenehm, darüber wird es dann heftig. Für Warmduscher bietet Audi ein elektrisches Windschott für 450 Euro an, einen Nackenföhn für 460, Mercedes berechnet 488 Euro für den Föhn und 333 für das die Windschott – wir erwähnen das nur der Vollständigkeit halber, von diesem Kram raten wir natürlich grundsätzlich ab. Klar, dass der alte Elfer so etwas gar nicht kennt.

Die Neuen können dem Alten kaum davonfahren

Spurtstark: Der Mercedes geht in glatten sechs, der Audi in 6,3 Sekunden von 0 auf Tempo 100.

SLC 300 steht beim Benz dran, ein 2,0-Liter-Vierzylinder steckt drin. Der Turbo-Direkteinspritzer leistet 245 PS bei 5500 Touren und ist immer gekoppelt an die Neunstufenautomatik. Der raue Vierzylinder macht stämmigen Druck bei mittleren Touren und bei hohen richtig Getöse. Die Automatik schaltet schnell, verhaspelt sich gelegentlich aber mit den vielen Gängen. Insgesamt alles solide und ausgewogen, vom Charakter vielleicht eher eine Cabrio-Limousine als ein wilder Roadster. Diese Rolle wiederum spielt der Audi. Der TT wird angetrieben vom bekannten 2,0-Liter mit 230 PS bei 4500 Touren, gekoppelt an das Sechsgang-DSG. Der TFSI klingt feiner und dreht lockerer aus als der Benz-Vierzylinder, das DSG rupft zwar beim Losfahren etwas, reagiert aber hellwach und äußerst zügig. Viel besser als der SLC geht der Audi dennoch nicht – fühlt sich aber so an, immerhin wiegt er auch über 100 Kilo weniger. Beide würden übrigens dem Porsche nicht davonfahren können – einen halbwegs kundigen Fahrer darin vorausgesetzt. Der 911 brauchte damals 6,1 Sekunden für den Sprint von null auf hundert und rannte maximal 245 km/h. 1989 wohlgemerkt.

Anders als der SLC (im Paket 1416 Euro) besaß der Test-TT keine adaptiven Dämpfer, federt so mit den 19-Zöllern (1900 Euro) energischer und straffer als der SLC, fährt sich bemerkenswert zackig, agil und trainiert, weckt regelrecht den Spieltrieb in dir. Und er bremst deutlich besser als der Benz. Das ganze Vergnügen, wir haben es geahnt, gibt es natürlich nicht für lau. Im Testwagen-Trimm kommt Audi auf 47.370 Euro, Mercedes berechnet 52.199 Euro. Und etwa so viel wird es beim 911er von 1989 wohl auch werden. Ganz schön heftig. Aber Ikonen haben so ihre Preise. Und Liebhaber zahlen sie gern.
Fahrzeugdaten Audi Mercedes
Modell TT Roadster 2.0 TFSI S tronic SLC 300 9G-Tronic
Motor Vierzylinder, Turbo Vierzylinder, Turbo
Einbaulage vorn quer vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 1984 cm³ 1991 cm³
kW (PS) bei 1/min 169 (230)/4500 180 (245)/5500
Nm bei 1/min 370/1600 370/1300
Vmax 250 km/h 250 km/h
Getriebe Sechsgang-Doppelkupplung Neunstufenautomatik
Antrieb Vorderradantrieb Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 245/35 R 19 Y 225/40–245/35 R 18 Y
Reifentyp Hankook Ventus S1 Evo Continental SportContact 5
Radgröße 9 x 19" 7,5–8,5 x 18"
Abgas CO2 151 g/km 138 g/km
Verbrauch* 8,4/5,4/6,5 l 7,7/4,9/6,0 l
Testverbrauch
Sportverbrauch** 10,1 l/100 km 10,5 l/100 km
Testrunde*** 7,9 l/100 km 8,1 l/100 km
Sparverbrauch**** 6,6 l/100 km 6,9 l/100 km
Tankinhalt 50 l/Super 60 l/Super plus
Kältemittel R134a R134a
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A) 71 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. keine keine
Kofferraumvolumen 280 l 225–335 l
Länge/Breite/Höhe 4177/1832–1966/1355 mm 4133/1810–2006/1301 mm
Testwagenpreis 47.370 Euro 52.199 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas
Messwerte Audi Mercedes
Beschleunigung
0–50 km/h 2,8 s 2,4 s
0–100/km/h 6,3 s 6,0 s
0–130 km/h 9,7 s 9,6 s
0–160 km/h 14,4 s 14,7 s
0–200 km/h 25,4 s 25,7 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 2,9 s 3,1 s
80–120 km/h 3,7 s 4,0 s
Leergewicht/Zuladung 1421/249 kg 1530/290 kg
Gewichtsverteilung v./h. 61/39 % 53/47 %
Wendekreis links/rechts 11,0/11,1 m 10,6/10,5 m
Bremsweg aus
100 km/h kalt 35,4 m 37,3 m
aus 100 km/h warm 35,9 m 37,4 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 60 dB (A) 59 dB (A)
bei 100 km/h 69 dB (A) 66 dB (A)
bei 130 km/h 73 dB (A) 70 dB (A)
Testverbrauch – CO2 7,9 l S – 187 g/km 8,1 l SP – 191 g/km
Reichweite 630 km 740 km
Die Ikonenwertung Porsche Audi Mercedes
Sound Alle mal herhören! So muss ein Triebwerk klingen: heiser, röchelnd, sprotzend und, ja, kreischend. Gänsehaut! Diesen kultivierten TFSI kennen wir ja, der klingt freundlich bis sonor, wird bei hohen Drehzahlen auch kernig. Der Turbo-Direkteinspritzer klingt etwas künstlich, neigt zum Brummen, wird obenrum richtig laut.
5 Sterne 4 Sterne 3 Sterne
Power Ein Sauger und kein Turbo, das sagt doch schon alles. Dreht frei und wild und hoch, entwickelt ungestüm Kraft. Ein moderner, kräftiger Turbo eben, mit viel Drehmoment bei wenig Touren, dreht weiter aus als der Benz. Hat Kraft und noch früher ein hohes Drehmoment, siehe links. Dreht aber nicht so locker wie der Audi.
5 Sterne 4 Sterne 4 Sterne
Handling Hier musst du arbeiten, Kupplung, Lenkung, Bremse brauchen Kraft. Wirklich schnell ist nur, wer es kann. Fährt sich betont leichtfüßig, sehr agil. Wirkt noch leichter, als er ist, macht beim Fahren richtig an. Nein, nicht langsam. Fährt solide, aber bei Weitem nicht so zackig oderaufregend wie TT oder gar 911.
5 Sterne 5 Sterne 3 Sterne
Frischluft-Faktor Hier zieht es gewaltig. Die Frontscheibe steht steiler, die Insassen sitzen viel mehr im Freien als in TT oder SLC. Hoch. Lässt man das Windschott weg, zieht es vorschriftsmäßig, erst ganz sanft, dann durchaus heftig. Trotz der tieferen Sitzposition als im TT stürmt es auch hier erstaunlich kräftig, schönes Roadster-Gefühl.
5 Sterne 4 Sterne 4 Sterne
Neid-Faktor Unübertroffen. Wer einen alten, offenen 911er fährt, hat Stil, Geschmack und Geld. Und meistens auch sonst alles. Jetzt müssen wir ehrlich sein: Beim TT handelt es sich um einen als Audi-Roadster verkleideten VW Golf. Liegt höher als beim Audi: Sieht so ähnlich aus wie der große SL, dazu längs eingebauter Motor, Heckantrieb ...
5 Sterne 3 Sterne 4 Sterne
Design Ein Klassiker, ohne Wenn und Aber. Es stimmt einfach alles. Auch das karg-rustikale Cockpit hat richtig Charme. In der jüngsten Auflage hat der TT gewonnen, tritt eckiger und härter auf. Cockpit unübertroffen modern. Schöne Silhouette mit langer Motorhaube und kurzem Heck. Stilvolle und geschmackssichere Inneneinrichtung.
5 Sterne 4 Sterne 4 Sterne
Kosten Teuer, aber kein Wertverlust und günstige Versicherung, aber hohe Reparatur- und Teilekosten. Steht ab 40.500 Euro in der Liste, der Günstigste hier dank Großserientechnik, der Verbrauch geht in Ordnung. Ab 46.380 Euro ist man dabei, überraschend günstige Versicherungen, aber einmal jährlich Werkstattbesuch.
2 Sterne 4 Sterne 3 Sterne
Gesamt 32 Sterne 28 Sterne 25 Sterne

Dirk Branke

Dirk Branke

Fazit

Dieser Vergleich lässt sich leicht zusammenfassen. Erstens: Mit dem Mercedes würden wir gern in den Urlaub fahren. Zweitens: Im Urlaub selbst würden wir dann gern den Audi nehmen. Also: Der SLC empfiehlt sich für komfortbewusste Offenfahrer und tatsächlich für lange Strecken. Der TT spricht mehr das Sportlerherz an, fährt leichter, agiler, zackiger. Wunderbare Autos sind beide, weshalb es am Ende unentschieden steht. Nur gegen den 911er, auch gebraucht, haben beide keine Chance

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