Audi TT RS vs. Corvette Stingray

Audi TT RS Audi TT RS Chevrolet Corvette Stingray

Audi TT RS/Chevrolet Corvette Stingray: Test

— 22.11.2016

Teenieschwarm gegen Altrocker

Deutsche Perfektion oder wilde amerikanische Muskelmasse: Mit Audi TT RS und Corvette Stingray treffen zwei ganz unterschiedliche Typen aufeinander.

Bieber oder Springsteen – das ist wohl immer eindeutig. Kaum vorstellbar, dass jemand ein Konzert von Justin durchsteht und gleichzeitig die gesammelten Werke vom "Boss" daheim im Regal aufreiht. Ganz ähnlich ist es auch mit den beiden Typen hier im Test. Entweder du bist ein Fan des Audi TT, kreischst bereits beim Anblick des geschniegelten Flachmanns und kannst die Tophits des RS-Fünfzylinders im Schlaf mitsummen. Oder du stehst auf erdige Corvette-Mucke und wippst lieber zum Takt eines kernigen Achtzylinders, bewunderst den Muskel-Look eines echten Kerls.

Die Corvette sorgt mit ihrem Motor für Begeisterung

Big Block: Unter der Haube der Corvette arbeitet ein 6,2-Liter-V8 mit 466 PS und 680 Nm Drehmoment.

In Sachen Musikgeschmack wollen wir uns gar nicht erst einmischen – jeder nach seiner Fasson. Was wir aber können: Wir nennen Ihnen den besseren Sportwagen. Laut kann er ja, der neue Audi TT RS. Sein Fünfzylinder grollt, grummelt und sprotzelt wie ein ganz Großer. Darf er auch, schließlich hat er in seiner neuesten Auflage 400 PS unter der knappen Haube. Das freut besonders die Fangemeinde – sprintet der RS doch in unter vier Sekunden auf Tempo 100, auf Wunsch rennt er bis zu 280 Sachen schnell. So etwas lässt das Publikum enthemmt kreischen. Die Corvette ist auch so ein Kaliber. Als Stingray 466 PS stark, tönt der US-Flachmann aus acht perfekt gestimmten Zylindern. Sechs Komma zwo Liter Hubraum! Das klingt, das schwingt, das lässt sofort mitwippen.
Alle News und Tests zur Chevrolet Corvette

Beim TT RS liegt zuviel Fahrzeuggewicht vorne

Balanceproblem: Der Fünfzylinder im Bug drängt die Vorderachse nach außen – das stresst die Reifen.

Ab auf den Handlingparcours des Contidroms bei Hannover – unsere Hausrennstrecke. Der TT RS hat hier besonders gute Karten. Volles Beschleunigen aus einer engen Kehre heraus – da hilft ihm sein variabler Allradantrieb. Zwei lange Geraden mit Spitzentempo über 200 km/h, hier kann das schnelle Doppelkupplungsgetriebe die Gänge nach Herzenslust durchpeitschen. Eine extrem schnelle und lang gezogene Linkskurve – in diesem Abschnitt darf sich sein straffes Fahrwerk erfolgreich gegen die Fliehkräfte stemmen. Allerdings schleppt der RS fast 1,5 Tonnen Gewicht auf die Bühne, das meiste davon macht sich über der Vorderachse breit. So fühlt sich der Wagen unausgewogen an, mit aller Kraft müssen sich die Vorderreifen gegen die nach außen drängende Masse stemmen. Das schaffen die nicht lange. Nach wenigen Runden geraten sie ins Schwitzen, das außen verstärkt sich.
Alle News und Tests zum Audi TT RS

Das Lenkgefühl ist diffus, so ahnt der Fahrer dann nicht einmal den Bereich, in dem das Auto in lähmendes Untersteuern übergeht. Auch schade: Gelegentlich verhaspelt sich das Getriebe (im Sport-Automodus), der Motor rast in den Begrenzer, das DSG schaltet widerwillig. Trotz Keramik-Bremsanlage fehlt Pedalgefühl, bei starken Verzögerungen kommt Unruhe ins Heck. Fehlerfrei dagegen: der TFSI. Wuchtig – wenn auch mit minimaler Atempause – packt er zu, dreht willig, hat den echten "alten" Fünfzylinder- Blues.

Am Ende lässt der Ami dem Deutschen keine Chance

Ungleiches Rennen: Die Corvette Stingray ist auf dem Handlingkurs deutlich schneller als der TT RS.

Gegen das Hubraum-Monster der Corvette wirkt er dennoch wie ein sedierter Sängerknabe. Der V8 kennt keine Gnade. Bisschen Gas? Mächtig Vortrieb! Egal in welchem Gang. Das mechanische Siebenganggetriebe braucht zwar starke Kommandos aus dem Handgelenk, bietet dafür aber genauso viel sinnliches Erlebnis wie der ganze Apparat. Überhaupt: Das Spiel aus Vibration, Klang, Direktheit in der Aufhängung sowie Rückmeldung aus Lenkung und Bremse verleiht der Corvette das Prädikat erste Rampensau. Dann ist da noch das stabile Fahrverhalten. Extrem griffig an der Vorderachse, bissig pressend von hinten, saubere Balance beim Einlenken, neutral-weich an der Haftgrenze und stark beim Bremsen – so gehen Sportwagen. Am Ende ist der Stingray 1,4 Sekunden schneller als der TT. Der Boss auf der AUTO BILD-Bühne heißt also Bruce, äh, Corvette.
Fahrzeugdaten Audi Chevrolet
Modell TT RS Coupé Corvette Stingray
Motor Fünfzylinder, Turbo V8
Einbaulage vorn quer vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4/2 2/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 2480 cm³ 6162 cm³
kW (PS) bei 1/min 294 (400)/5850 343 (466)/6000
Nm bei 1/min 480/1700 630/4600
Vmax 280 km/h 290 km/h
Getriebe Siebengang-Doppelkupplung Siebengang manuell
Antrieb Allradantrieb Hinterradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 255/30 ZR 20 Y v. 245/35 ZR 19 Y/h. 285/30 ZR 20 Y
Reifentyp Pirelli P Zero R01 Michelin Pilot Super Sport ZP
Radgröße 9 x 20" v. 8,5 x 19"/h. 10 x 20"
Abgas CO2 187 g/km 282 g/km
Verbrauch* 11,4/6,6/8,4 l 19,4/8,2/12,3 l
Testverbrauch
Sportverbrauch** 14,9 l/100 km 18,0 l/100 km
Testverbrauch*** 10,6 l/100 km 12,9 l/100 km
Sparverbrauch**** 8,3 l/100 km 10,2 l/100 km
Tankinhalt 55 l/Super plus 70 l/Super
Kältemittel R1234yf R1234yf
Vorbeifahrgeräusch 74 dB (A 73 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. keine keine
Kofferraumvolumen 305-712 l 287 l
Länge/Breite/Höhe 4191/1832–1966/1344 mm 4492/1872–k. A./1239 mm
Radstand 2505 mm 2710 mm
Testwagenpreis 75.100 Euro 81.350 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas
Messwerte Audi Chevrolet
Beschleunigung
0–50 km/h 1,5 s 1,9 s
0–100 km/h 3,6 s 4,3 s
0–160 km/h 8,3 s 8,7 s
0–200 km/h 13,3 s 13,5 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 1,8 s 2,0 s
80–120 km/h 2,3 s 2,3 s
Leergewicht/Zuladung 1475/365 kg 1571/269 kg
Gewichtsverteilung v./h. 61/39 % 50/50 %
Wendekreis links/rechts 11,0/11,1 m 12,2/12,2 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 34,8 m 33,4 m
aus 100 km/h warm 33,8 m 32,1 m
aus 200 km/h warm 132,0 m 127,3 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 62 dB (A) 63 dB (A)
bei 100 km/h 69 dB (A) 72 dB (A)
bei 130 km/h 73 dB (A) 75 dB (A)
Testverbrauch - CO2 10,6 l – 251 g/km 12,9 l – 306 g/km
Reichweite 510 km 540 km

Audi TT RS trifft Corvette

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: Audi TT RS und Corvette Stingray (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

18.11.2016

Preis:

1,00 €


Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Schnell ist ein Audi TT RS (wenn auch nicht über die Distanz), jeder Anfänger kann damit drauflossprinten, und sein starker Fünfzylindermotor hat etwas ganz Besonderes. Aaaber: Eine Corvette Stingray ist eine Sportwagen-Offenbarung, ein sinnliches Großereignis. Egal, ob am Limit auf der Rennstrecke oder im Spaziertempo auf der Land-straße bewegt. Außerdem ist sie das viel schnellere Auto. Verbrauch? Ja, aua! Aber wer fragt an dieser Stelle denn nach so was ...?

Stichworte:

Sportwagen

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