Audi TTS trifft DK 3=6 Monza

Audi TTS/DKW 3=6 Monza: Fahrbericht

— 23.09.2014

Neuer TTS trifft DKW 3=6 Monza

Erstaunlich, wie nah die Idee des DKW Monza dem neuen Audi TTS kommt. Eine Fahrt in die Berge, wo sich die beiden knackigen Coupés austoben können, zeigt es.

Den einen kennt noch keiner: Das ist der nagelneue TTS, der sich erst mal vermehren muss. Den anderen kennt keiner mehr: Das ist der alte DKW 3=6 Monza, vergessener Vorläufer des TT. Wer weiß denn heute noch, dass die Audi der Adenauer-Ära nicht Audi hießen? Klar, die vier Ringe trugen sie schon, aber nur eine der vier Auto-Union-Marken hatte den Krieg überlebt. Und das war DKW, wo es neben braven Mittelklasse-Modellen auch den Monza gab, einen lupenreinen Kleinserien-Sportwagen mit Kunststoff-Karosserie. Sein Debüt ist 58 Jahre her, seine Talente dagegen sind alterslos.

Audi hat die dritte TT-Generation behutsam modernisiert

Evolution, nicht Revolution: Die Kosmetik am neuen Audi TTS fällt auf den ersten flüchtigen Blick kaum auf.

Mit dem neuen TTS verbinden ihn das niedrige Gewicht, die gute Windschnittigkeit, die kompakten Abmessungen und die erstaunlich flotten Fahrleistungen. Grund genug für eine gemeinsame Ausfahrt – nicht nach Monza, sondern durch die malerischen Dolomiten. Dass auf den Bergstraßen fast keiner hinschaut, ist nicht weiter schlimm. Der TT/TTS gehört eh nicht zu den Klassikern, die sofort als solche zu erkennen sind. Die Audi-Designer haben die dritte Generation des Sportcoupés vielleicht eine Spur zu behutsam modifiziert. Deutlich moderner geworden sind Scheinwerfer und Rückleuchten, wo Xenon-, LED- und Matrix-Technik die Glanzlichter setzen. Die Silhouette und die Proportionen haben sich dagegen kaum verändert. Das 2015er Modell ist minimal kürzer und schmaler, nur der Radstand wuchs um 37 Millimeter. Da die komplette Außenhaut jetzt aus Aluminium besteht, sinkt das Leergewicht um 50 Kilo. Gleichzeitig konnten die Aerodynamiker den cW-Wert auf noch windschlüpfigere 0,29 verbessern. Der DKW Monza hat vermutlich noch nie einen Windkanal von innen gesehen, aber dafür wiegt er mit 810 Kilogramm satte 575 weniger als der TT. Die Polyester-Karosserie bietet auf dem Papier Platz für vier Personen.

Gutem Klang muss nachgeholfen werden

Technischer Kniff: Per "Soundaktuator" bringt Audi dem TTS einen besonders ansprechenden Klang bei.

In der Praxis ist das allerdings reines Wunschdenken, denn die Fondsitze erleidet man als dünn gepolsterte, im strengen 90-Grad-Winkel verleimte Strafbank. Hinter dem hellen Zweispeichen-Lenkrad ist ausreichend Platz für Wohlstandsbäuche und Brisk-Frisuren, aber dafür geht es im Fußraum ziemlich eng zu. Audi baut das neue TT-Coupé zunächst in drei Varianten. Dem künftig 184 PS starken Diesel ist beim Modellwechsel der Allradantrieb abhandengekommen, der meistverkaufte TT 2.0 TFSI leistet ab sofort 230 statt 211 PS, und auch der TTS steht mit 310 statt 272 PS besser im Futter als bisher. Der TTS ist ein Kind der digitalen Generation, und so klingt er auch. Ein Verstärker – offiziell Soundaktuator genannt – lässt die Ansaug- und Auspuffgeräusche leckerer tönen. Vor allem im Dynamikmodus des Drive-Select-Systems erweitert der TTS 3.0 unseren Akustik-Horizont. Da wird der Teillastbetrieb durch ungeduldiges Bollern untermalt, ein Vollgas-Hochschaltmanöver von herzhaften Abblas-Salven begleitet und beim Zurückschalten zackig Zwischengas gegeben, obwohl es gar kein Kupplungspedal gibt.

Im Urvater des Audi-Coupés ist Fahren sehr bodenständig

Ein 44 PS starker Einliter-Dreizylinder befeuert den DKW – der wiegt allerdings auch nur 810 Kilogramm.

Der Monza klingt wie ein getunter Trabant, rattata-täng, peng. Der Zweitakter, der tief im Motorraum sein Unwesen treibt, holt aus drei Zylindern und 980 cm³ Hubraum abgezählte 44 PS. Im Prinzip ein braves und anspruchsloses Low-Tech-Triebwerk, in der Praxis leider eine Diva mit Allüren. Anspringen glückt nur in einem ganz schmalen Fenster zwischen Verhungern und Absaufen. Selbst wenn der Dreizylinder läuft, will er mit viel Gefühl bei Laune gehalten werden. Das bedeutet, unvernünftig viel Gas geben, schmerzhaft hohe Drehzahlen in Kauf nehmen, erst um fünf nach zwölf schalten. Und unbedingt das Fenster schließen – denn die Verbrennungsrückstände holen dich bei Bergabfahrt schneller ein, als du nach Luft schnappen kannst. Die Fahrdynamik des TTS weckt Erinnerungen an seine Spießgesellen, den S3 und den Golf R. Alle drei sportlichen Konzern-Kollegen lassen sich spielerisch leicht schnell fahren, setzen Maßstäbe bei Grip und Traktion, sind vor allem mit dem Doppelkupplungsgetriebe wahre Meister des nahtlosen Vortriebs.

Satte 310 PS treiben den TTS vehement nach vorne

Über alle Zweifel erhaben: Der Zweiliter-Turbo versorgt den TTS mit 310 PS und 380 Nm Drehmoment.

Stirnrunzeln erzeugt der Audi nur dann, wenn die Technik sich selbst übertreffen will. Beispiel: der Drehmomentverlauf. Der Zweiliter-Turbo knallt von 1800 bis 5500 Touren einen Spitzenwert von 380 Nm auf den Asphalt. Das macht den TTS zwar zum Elastizitätswunder, nimmt aber der Leistungscharakteristik die sportliche Spitze. Auch die S tronic fordert mitunter Nachsicht. Ja, das Hochschalten ohne Zugkraftverlust ist cool. Doch weil die nächste Fahrstufe schon vor dem Gangwechsel eingelegt werden muss, kommt es immer dann zu Verschluckern, wenn sich das Steuergerät verkalkuliert – zum Beispiel bei einem abgebrochenen Überholvorgang. Beim Monza fühlt sich nicht alles nach Steinzeit an: Er lenkt ganz ohne Servo, aber mit viel Gefühl, ausreichend leichtgängig und ohne großes Spiel. Auch die Lenkradschaltung erweist sich als Meisterstück der Feinmechanik. Die Ebenen sind klar definiert, der Stockhebel flutscht fast von selbst durch die Schaltgasse. Nur die rundum montierten Trommelbremsen taugen nicht viel. Während der erste Verzögerungsversuch noch Mut macht, hilft vor der zehnten Bergabkehre nur noch der beherzte Griff zur Handbremse.

Mutproben sind in der heutigen Zeit nicht mehr erwünscht

Souveränes Fahrverhalten: Der Audi TTS überzeugt jederzeit mit seiner guten Beherrschbarkeit.

Der TTS stammt aus einer Welt, die keine Mutproben mehr schätzt. Ja, Audis PR-Texter loben das "hochemotionale Handling", das "auf einer Fahrbahn mit geringem Grip kontrollierte, sichere Drifts im Heckantrieb-Stil" erlaubt. Das mag auf zugefrorenen Seen oder leeren Supermarkt-Parkplätzen möglich sein, nicht aber auf den engen und kurvigen Dolomiten-Pässen, wo nur Hecktriebler oder wirklich aggressiv abgestimmte Allradler willig querkommen. Übersteuern war nie die Welt des TTS, dabei bleibt es auch. Dieses Auto hat es gar nicht nötig, aus der Gegenlenknot eine Tugend zu machen. Seine Stärken liegen anderswo. Zu nennen wären das souveräne Carven durch schnelle Kurven, der Traktions-Bonus in langsamen Ecken, das intuitive Lastwechsel-Eindrehen und die selbst auf rasch wechselnden Reibwerten stoische Richtungsstabilität. Hinlangen und Tricksen im Monza, sorgloses Serpentinen-Glühen im TTS. Gardena, Pordoi, Campolongo, Falzarego, Giau. Irgendwann ist Schluss mit lustig, hast du dir trotz Servolenkung einen Wolf gekurbelt, krampft der Gas- und Bremsfuß, dünsten Mensch und Maschine erschöpft im eigenen Saft. Höchste Zeit, das Handtuch zu werfen, vom Kampfmodus ins Gleitprogramm zu wechseln – und wieder entspannt auf Zug zu fahren.

Die Lenkung agiert dann zwar eine Spur passiver, die abkühlende Bremse verliert den allerletzten Biss, das Fahrwerk pflegt den kühlen Pragmatismus der abso- luten Haftung. Aber dafür ist alles ab sofort wie gehabt im grünen Bereich: Öl, Wasser, Blutdruck, Puls, Adrenalinfluss. Hochpreisige Supercoupés mögen noch erregender sein als der TTS. Aber als souveräner und gerade noch bezahlbarer Sportwagen wird er seinen Weg machen. So, wie es damals schon der Monza versuchte.
Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

Zum ungefähr gleichen Preis von 49.100 Euro gibt's den neuen TTS oder – mit etwas Glück nach langer Suche – einen gut erhaltenen DKW Monza. Der DKW hat viel Charme. Der TTS geht wie die Seuche, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und begeistert durch sein glamourös-funktionelles Interieur. Nur die Emotionen kommen manchmal zu kurz. Das ist der Preis der Perfektion.

Stichworte:

Sportcoupé

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