Auf der Suche nach der Marktlücke

Lada Team Deutschland Lada Team Deutschland

Auf der Suche nach der Billigmarktlücke

— 26.02.2002

Lada ist tot, es lebe Lada

Totgesagte leben bekanntlich länger. Die Russen wagen einen Neuanfang mit Direktvertrieb und reanimiertem Händlernetz.

200 Anbieter plus 220 Servicewerkstätten

Rollkragenpullover, Jackett und Golduhr. Wie ein Überlebensspezialist sieht Dieter Trzaska in seiner gediegenen Kaufmannsgarderobe nicht aus. Doch der Mann sucht die Herausforderung. Sein Ziel: Er will die Marke Lada in Deutschland wiederbeleben. Himmelfahrtskommando oder Herkulesaufgabe? Beides!

Berufsoptimist Trzaska glaubt an die totgesagte Marke. Deshalb hat er die "NW Autovertriebs-GmbH" gegründet, offizieller Lada-Importeur für Deutschland (Adresse: Erlengrund 7, 21614 Buxtehude, 04161/72 77 12; Internet: www.Lada-direkt.de). Bereits seit 1975 ist Trzaska ein Lada-Mann. Erst schuftete er als Außendienstler, später als Manager. Erfahrung und gute Kontakte im Ost-Geschäft hat der gelernte Kfz-Meister also zuhauf. Aber reicht das?

Vom neuen Firmensitz aus lenken 16 Mitarbeiter den Deutschland-Vertrieb. "Wir haben das Händlernetz reaktiviert. Es gibt wieder 200 Lada-Anbieter plus 220 Service-Werkstätten", sagt Trzaska. Nicht nur das: Der Firmenchef hat weitere EU-Staaten im Visier. England, Benelux, Skandinavien - geht es nach ihm, kennt die russische Auto-Invasion keine Grenzen. Doch aller Wiederanfang ist schwer. Und der beschränkt sich vorerst auf Deutschland.

Weitere Russland-Marken sollen folgen

Pro Monat werden derzeit knapp 100 Lada verkauft. Für 2001 plant Trzaska, 1000 bis 1500 Neuwagen abzusetzen. In drei Jahren sollen es 5000 sein. Seine Hoffnung ist der Lada 110/111. Die Limousine kostet 15.990, der Kombi 16.990 Mark. Ab März kommt noch das Fließheckmodell 112 dazu. Mit dem Samara bietet Lada zudem den günstigsten Neuwagen in Deutschland an. 10.990 Mark kostet das angestaubte Ost-Mobil im Schuhkarton-Design. Weniger geht nicht. Ebenfalls unverändert im Angebot: der Geländewagen-Oldie Niva (80 PS, permanenter Allradantrieb) für 19.990 Mark.

Vom russischen Werk Togliatti werden die Autos per Lkw ins litauische Klaipeda gekarrt. Dort erhalten sie Unterbodenschutz sowie Hohlraumversiegelung. Dann geht es nach Buxtehude. Dort wechseln Mechaniker die weichen Russland-Reifen gegen West-Produkte, kleben Zierstreifen auf, montieren Rammschutzleisten.

Der Käufer bekommt einen Neuwagen mit Garantie, der drei TÜV-Perioden ohne Probleme durchhält. Lada-Käufer sind Pragmatiker, keine Träumer. "Der Markt ist da", sagt Trzaska, der das Angebot um weitere Russland-Marken ergänzen will. Geplant: der Import von GAZ- und Izhewsk-Modellen sowie dem Oka - ein Kleinwagen für etwa 11.000 Mark.

Hoffnungsträger: der neue Niva 2123

Besonders ungeduldig erwartet Trzaska den neuen Niva 2123. Der Geländewagen soll gegen Spaß-Offroader wie Toyota RAV4 und Rover Freelander antreten. Im Herbst steht er auf der IAA, aber erst ab 2002 sollen in Togliatti zusammen mit General Motors (GM) größere Stückzahlen produziert werden.

Der Allradler wird dann voraussichtlich zweigleisig vermarktet. Während die preiwerten Versionen unter dem Namen Lada Niva vom Band laufen (85 PS, voraussichtlich rund 22.000 Mark), bekommen die stärkeren Varianten Opel-Motoren und verlassen das Werk mit Chevrolet-Emblem. Im Februar 2001 wurde das Gemeinschaftsprojekt abgesegnet. Mit einem Finanz-Volumen von knapp 700 Millionen Mark ist es die bislang größte ausländische Investition in die russische Autoindustrie (75.000 Einheiten geplant).

Bis der neue Allradler kommt, setzen die deutschen Händler auf Limousine und Kombi. "Lada hat Zukunft", glaubt der Hamburger Lada-Verkäufer Sven Berg. "Wir haben treue Kunden. Die zahlen pünktlich. Und bar."

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.