Auf Schätztour mit gebrauchtem Ford Ka

— 16.05.2002

Zwölf Händler, zwölf Preise

Gebrauchtwagenpreise schätzt man mit Liste und technischem Verstand. Dachten wir. Die meisten Händler machen es sich da leider viel einfacher.



Opel fand die meisten Mängel

Fünf Jahre ohne Liebe können hart sein. Unser Test-Ka zeigt das sehr eindrucksvoll. Voll gemüllt, ungepflegt und ungewaschen steht er da. Der ideale Kandidat für einen Besuch beim Gebrauchtwagenhändler. Wir fahren zu zwölf Händlern in Norddeutschland und stellen allen die gleiche Frage: Was ist Ihnen dieser Ka wert, wenn wir einen Neuwagen kaufen? Sechs Händler bekommen den kleinsten Ford unaufbereitet zu sehen.

Für die zweite Hälfte unserer Test-Tour möbeln wir den Ka auf. Geputzt, gesaugt und poliert, sieht er gleich doppelt so gut aus. Nutzen: null. Kein Händler lässt sich davon beeindrucken. Das ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit zwischen den Verkäufern. Gleich zum Start der Test-Tour stellen wir fest: Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen.

Bei einem kleinen Opel-Händler in Hamburg-Eppendorf empfängt uns ein älterer Herr, bis zu dessen Ruhestand die Rüsselsheimer sicher nicht mehr viele Neuheiten präsentieren dürften. Die erste Schätzung gibt er aufgrund der DAT-Liste ab: 3200 Euro, eigentlich ein guter Preis. Danach startet er zur Probefahrt und kehrt mit besorgter Miene zurück. "Ich kann zu meinem Wort nicht stehen, ich ziehe 600 Euro ab", raubt er uns die Hoffnung auf ein gutes Geschäft. Hut ab. Denn der erfahrene Opel-Mitarbeiter fand die meisten Mängel: defekte Radlager und abgefahrene Reifen an der Vorderachse, Schaden an der Fahrertür, defekter Heck-Stoßfänger. Dennoch: kein schlechter Preis.

Gebote von 3250 Euro bis 1300 Euro

Doch wenn wir auf einen neuen Corsa verzichten und Ford treu bleiben, gibt es bestimmt mehr. Klarer Fall von denkste. In der Filiale einer großen Ford-Händlerkette läuft ein jüngerer Verkäufer einmal um das Auto und gibt danach seine Wertung ab: "Stoßfänger und Fahrertür müssten erneuert werden – ich gebe ihnen 1750 Euro." Als wir uns über den Preis wundern, behauptet er plötzlich, Spuren von einem Frontalcrash gesehen zu haben, und lässt nicht mit sich handeln.

Also kein neuer Fiesta – ab zum Fiat-Händler. Hier parkt der Ka eine halbe Stunde auf der Hebebühne und wird sorgfältig begutachtet. Die Schadenfreiheit möchte die junge Verkäuferin zwar zuvor schriftlich bestätigt wissen, dafür aber ist das Ergebnis der Schätzung sehr kundenfreundlich. Da die Fiat-Mechaniker nur die beschädigte Fahrertür bemerken, bieten sie 2110 Euro – sofern wir einen Punto-Kaufvertrag unterschreiben.

Mit 2125 Euro bietet ein Hamburger VW-Händler etwas mehr als seine Kollegen von Fiat. Beim etwa zehnminütigen Ankaufstest erkennen die VW-Jungs nur den Schaden an der Tür und messen an den abgefahrenen Vorderreifen sogar eine Profiltiefe von fünf Millimetern. Vollkommen daneben, aber den Kunden kann es freuen. Smart und Toyota zeigen erstaunliche Parallelen. In beiden Autohäusern besteht die Schätzung aus einer Experten-Runde ums Auto. Nicht einmal die Motorhaube wird geöffnet, ein Getriebeschaden fällt bei dieser Art von Ankaufsprüfung gar nicht erst auf. Hätten wir uns für den Yaris entschieden, wären 2500 Euro gutgeschrieben worden, Smart bietet 2300 Euro. Diese beiden Marken repräsentieren den Durchschnitt.

Bei Peugeot (2400 Euro), Renault (2100 Euro) und Citroën (2200 Euro) gibt es auch nicht mehr. Ein freier Gebrauchtwagenhändler bietet 2000 Euro – sofort in bar aus der Hosentasche. Mini setzt das Schlusslicht: 1300 ergibt die Ankaufsüberprüfung. Nach einer Stunde meldet sich der Verkäufer noch einmal und erhöht sein Angebot auf 1850 Euro. Am meisten aber war der Ka Mercedes wert. Bei Kauf eines neuen A 140 hätte die Hamburger Niederlassung 3250 Euro bezahlt. Eine echte Sternstunde für unseren kleinen Ford.

Der Händler haftet zwei Jahre

Nikolaus Eickmann, Kfz-Mechaniker und AUTO BILD-Redakteur Gekauft wie gesehen – das stand früher in fast jedem Gebrauchtwagen-Kaufvertrag. Seit 1. Januar ist dieser Ausschluss jeder Gewährleistung nicht mehr möglich. Der Händler haftet zwei Jahre, verkürzt werden darf diese Frist auf ein Jahr. Jetzt sollte doch jeder glauben, dass damit nur noch technisch einwandfreie Fahrzeuge auf dem Händlerhof auf Käufer warten. Doch so unkritisch, wie die Ankaufsüberprüfungen bei unserer Recherche waren, ist anzunehmen, dass viele Händler einfache Mängel nicht erkennen können.

Wie wäre die Geschichte mit unserem Ford Ka wohl ausgegangen? Ohne Blechschaden hätte der Wagen rasch einen Käufer gefunden, der die defekten Radlager erst nach der Übergabe bemerkt. Der Käufer ersucht um kostenlose Reparatur, der Verkäufer windet sich wie ein Aal. Bezahlt er bei jedem mangelhaften Gebrauchtwagen die Instandsetzung, ist er bald pleite. Stellt er sich taub, verliert er vor Gericht – und ist auch bald pleite. Der beste Weg für Händler und Kunden kann nur zu TÜV oder DEKRA führen. Beide bestätigen den technischen Zustand schriftlich und bringen so größtmögliche Sicherheit für Käufer und Verkäufer.

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