Aus für "Africar"

Aus für "Africar"

— 10.05.2004

Billig ausgetüftelt

Eine Neuauflage des Trabant sollte Südafrika mobil machen. Doch der deutsche Tüftler hatte die Rechnung ohne die Kunden gemacht.

Hoffnung, Glaube, Illusion – der Traum vom Billigauto für Südafrika ist geplatzt. Eine staatliche Arbeitsgruppe erteilte dem Konzept auf Basis des alten DDR-Trabant eine Absage, schreibt die südafrikanische Zeitung "This Day". Der Vorschlag sei nicht praktikabel, zitiert das Blatt den Leiter der Kommission, Roger Pitot: "Es besteht ein Unterschied zwischen einem populären Auto und einem Volks-Auto." Auf einer Konferenz in der Hafenstadt Port Elizabeth sprachen sich auch andere Experten gegen den "Afro-Trabi" aus.

Das simpel gestrickte Auto wollte vor allem mit seinem Preis überzeugen: Maximal 3000 Euro sollte das Gefährt kosten, versprach der geistige Vater des Projekts, der Langener Unternehmer Peter Mandos. Dafür wurde ein Zweitaktermodell mit Ladefläche und maximal 80 km/h Höchstgeschwindigkeit versprochen. Angesichts einer durchaus regen Autoindustrie – BMW, DaimlerChrysler, Volkswagen und Toyota haben für Südafrika Ausbaupläne in Milliardenhöhe angekündigt – erntete das Projekt "Africar" aber nur eine Mischung aus Begeisterung, Spott, Verblüffung und Häme zwischen Johannesburgs schwarzer Vorstadt Soweto und Kapstadts Tafelberg.

Für das Konzept "low cost, low tech" (wenig Technologie für wenig Geld) konnten sich nur wenige begeistern. "Die Nachricht hat hier eine Menge Kopfschütteln hervorgerufen", gibt Nico Vermeulen zu. Der Sprecher des Verbands von Südafrikas Automobilherstellern (NAAMSA) verweist darauf, dass Toyota mit einem ähnlichen Projekt Schiffbruch erlitten habe und die Edelschmieden der Welt am Kap Autos für den Weltmarkt produzieren. Für einkommensschwache Bevölkerungsschichten baut Volkswagen am Kap nach wie vor den Urahn des Golfs. "CitiGolf" heißt der Typ I. Mit umgerechnet 5900 Euro kostet er aber fast das Doppelte des geplanten Afrika-Trabbis. Günstiger ist nur der Fiat Uno mit 5400 Euro.

Der Verkaufschef von General Motors in Südafrika, Ian Nicholls, brachte das Dilemma in Südafrika mit den Worten auf den Punkt: "Eins unserer fundamentalen Probleme besteht darin, dass Südafrikaner den Geschmack der Ersten, aber nur Budgets der Dritten Welt haben." Sie kauften lieber gebrauchte Wagen mit Luxuseinrichtung statt Neuwagen ohne jeglichen Luxus.

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