Aus für Edel-Taxis in China

Aus für Edel-Taxis in China

— 17.10.2006

Keine Stelne, keine Linge

Chinas Taxi-Gäste stehen hinter der heimischen Autoproduktion, verschmähen deutsche Edel-Karossen. Außerdem sind Audi und Co zu teuer.

Vor knapp zwei Jahren noch galt in Chinas Metropolen das Motto: Wenn Taxi, dann eines aus Deutschland – am liebsten eines mit Stern oder mit vier Ringen am Kühler. Darum hat sich die Shanghaier Mietwagen-Gesellschaft Dazhong 2004 insgesamt 100 Mercedes E-Klassen zugelegt, Preis: rund 60.000 Euro per Stück. Im selben Jahr kauften drei Taxifirmen im Touristenzentrum Hangzhou eine Flotte von insgesamt 100 Wagen im Zeichen des Sterns. Für die Hafenstadt Ningbo wurden 50 Audi A6 geordert. Dazhong-Chef Yang Guoping begründete seine Entscheidung voller Stolz: "Shanghai ist international, ein Taxi ist wie ein rollendes Aushängeschild für eine weltmännische Großstadt".

Doch die vermeintliche Erfolgsgeschichte ist schon wieder zu Ende. Mitte dieses Jahres hat Ningbo seine deutsche Taxi-Flotte abgestoßen. Auch in Hangzhou verkaufte man die Mercedes-Taxis. Dazhong in Shanghai trennte sich Anfang Oktober von den letzten 55 Mercedes-Limousinen. Ein herber Rückschlag für DaimlerChrysler und Audi. Nirgendwo auf der Welt gibt es mehr Taxis als in China. 1,1 Millionen Mietwagen waren Ende 2005 zugelassen.

Grund für den Rückschlag: Die Edelautos von Mercedes und Audi waren schlicht nicht wettbewerbsfähig. Im chinesischen Taxigewerbe herrschen Überangebot und ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb. Allein in Peking fahren 76.000 Taxis. Winkt ein Fahrgast an der Straße ein Taxi heran, bremsen oft mehrere Wagen und rasen auf den Kunden zu. Zudem folgt die Einkaufspolitik der Taxiunternehmer einem lokalen Protektionismus, der durchaus finanzielle Hintergründe hat. In Peking fahren fast nur Hyundai als Taxen – sie werden am Ort gebaut, in Shanghai sind es aus demselben Grund vor allem Volkswagen, die als Taxis eingesetzt werden, in Wuhan die Marke Citroën. Lokal produzierte Wagen sind in ihrer Anschaffung fünfmal billiger als Mercedes. Und die meisten Konkurrenzmodelle verbrauchen zudem weniger Benzin. Das gab mit den Ausschlag für den Ausstieg.

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