Radarfalle im Ausland

Ausland kassiert ab

— 21.07.2010

Deutsche Autofahrer müssen bluten

52,6 Millionen Euro wollten ausländische Behörden 2009 von deutschen Urlaubern kassieren, für Knöllchen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie eines Online-Reiseportals.

Diese Zahlen verblüffen, wenn sie denn stimmen: 2009 wurden insgesamt 515.784 Knöllchen im Wert von 52,6 Millionen Euro aus dem Euro-Ausland an deutsche Autofahrer verschickt, die Verkehrsverstöße begangen haben sollen. Das behauptet eine Studie des Reiseportals "ab-in-den-urlaub.de". Und die Macher der Studie rechnen weiter hoch: In den vergangenen zehn Jahren versuchten die Euro-Länder gut 520 Millionen Euro Kfz-Bußgelder von Deutschen einzutreiben. Basis der Berechnungen, denn offizielle Zahlen gibt es nicht: Mehr als fünf Millionen Deutsche sind mit ihrem Privatauto im europäischen Ausland unterwegs, um Urlaub zu machen."ab-in-den-urlaub.de" geht davon aus, dass sieben Prozent der Deutschen ein Knöllchen von den Nachbarn bekommen und berufen sich dabei auf Statistiken von Mietwagenfirmen. Beispiel: 2009 erhielten laut der Studie 20.000 Europcar-Kunden Bußgeldbescheide aus dem Ausland. Bei 130.000 Leihwagen des Vermieters europaweit wären das sieben Prozent. Darunter waren 8000 Knöllchen aus den Niederlanden und 6000 aus Österreich.

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Laut der Studie nutzen zahlreiche Länder die Bußgelder deutscher Touristen, um Geld in die klammen Kassen der Kommunen zu spülen. Doch die Macher der Studie berufen sich auch auf andere Zahlen. So teilte das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg auf Anfrage mit, dass es im Jahr 2009 insgesamt 716.333 Halter-Anfragen zu deutschen Bürgern aus dem Ausland gab. Diese Zahlen verteilen sich auf fünf Länder, wobei die Schweiz mit 354.150 Halteranfragen am meisten kassiert. 72 Prozent der Flensburger Anfragen führen laut ab-in-den-urlaub.de auch zum Bußgeldbescheid. Auf die Eigenossen entfällt nach "ab-in-den-urlaub.de" mindestens die Hälfte der eingetriebenen Bußgelder – angeblich rund 25,5 Millionen Euro. Es folgen die Niederlande. Rund 192.503 Bußgeldbescheide verschickten sie an die Deutschen 2009 – mit einem Gegenwert von 19,2 Millionen Euro.

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Österreich ist laut der Studie mit 41.767 Bußgeldbescheiden dabei (4,1 Millionen Euro), Belgien kommt demnach auf 15.815 Bußgeldbescheide im Wert von 1,6 Millionen Euro, Italien mit 10.685 Knöllchen auf 1,07 Millionen Euro. Dabei ging "ab-in-den-urlaub.de" von einer durchschnittlichen Bußgeldhöhe von 100 Euro aus. Und das sei noch konservativ geschätzt. Die Presseabteilung des Reiseportals hatte auch beim Bundesministerium der Justiz nachgefragt, wieviele Knöllchen aus dem Ausland denn 2009 eingingen und wieviele die Bundesrepublik verschicke. Mit geschätzten 100.000 eingehenden und 20.000 ausgehenden Bußgeldgesuchen lag das Ministerium "völlig daneben".
Die Euro-Länder verschickten die meisten Bußgelder
Deutsche sollen jährlich 52 Millionen Euro überweisen
Anfragen von ausländischen Behörden nach Kfz-Haltern in Deutschland Tatsächlich verschickte Bußgeldbescheide * So viel sollen die Deutschen überweisen in Euro**
Schweiz 354.150 254.987 25.498.700
Niederlande 267.366 192.503 19.250.300
Österreich 58.011 41.767 4.176.700
Belgien 21.966 15.815 1.581.500
Italien 14.840 10.685 1.068.500
Gesamt 716.333 515.784 51.578.400
*72 % der Flensburger Anfragen führen laut ab-in-den-urlaub.de auch zum Bußgeldbescheid
**Bei angenommenen 100 Euro pro Bußgeldbescheid. Erst ab 70 Euro dürfen Bescheide verschickt werden. Beispiele für Bußgelder: Tschechien (Alkohol am Steuer, 950 Euro), Italien (Telefonieren am Steuer, 155 Euro), Schweiz (ab 20 km/h zu schnelles Fahren auf der autobahn, 195 Euro).
Berechnungen aufgrund von Angaben u.a. des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg und des Regierungspräsidiums Gießen, Stand 12.07.2010

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