VW-Fertigung in Wolfsburg

Auto-Absatzkrise in Europa

— 25.04.2013

Europa-Krise macht Autowelt zu schaffen

Die Welt der Autobauer ist zweigeteilt. Während der Absatz in Übersee brummt, liegt er daheim am Boden. Die dramatischen Konsequenzen zeigen erste Quartalsbilanzen.

(dpa) Die hartnäckige Absatzkrise in Europa setzt die Autobranche schwer unter Druck. Gleich mehrere Hersteller gaben am 24. April 2013 schlechte Nachrichten bekannt – Gewinnwarnung und Stellenabbau inklusive. Nach Monaten auf dem siechenden Markt stellt sich immer mehr die Frage: Wann ist das Tal endlich durchschritten?

Opel-Werk in Bochum: Opelaner rudern zurück

VW-Vorstandschef Martin Winterkorn hofft, noch 2013 an Fahrt aufnehmen zu können.

Europas Branchenprimus Volkswagen legte am 23. April überraschend seine Quartalsbilanz vor – einen Tag vor der Hauptversammlung. Ergebnis: Gewinn und Umsatz sackten im Auftaktquartal 2013 zum Teil deutlich unter die Vergleichswerte von 2012. Dennoch hält VW an seinen bisherigen Jahresprognosen fest und will 2013 mehr Fahrzeuge ausliefern als im Jahr zuvor. Doch der Dax-Riese warnte mit Blick auf Europa: "Dem intensiven Wettbewerb und den daraus resultierenden Belastungen können wir uns jedoch nicht vollständig entziehen." VW-Vorstandschef Martin Winterkorn machte aber Hoffnungen "dass wir im weiteren Jahresverlauf an Fahrt aufnehmen können". Der VW-Konzern profitiert derzeit von der starken Position auf seinem wichtigsten Absatzmarkt China – dort gab es im Auftaktquartal gut 21 Prozent Verkaufsplus. Damit gleichen die Wolfsburger die Belastungen in Europa aus.

Daimler mit Problemen auf dem Wachstumsmarkt China

"Westeuropa hat sich konjunkturbedingt schlechter entwickelt als erwartet", so Daimler-Boss Dieter Zetsche.

Ganz anders das Bild bei Daimler: Dort kommen zur Absatzkrise in Europa Probleme im Wachstumsmarkt China. Ein verpatzter Jahresstart brockte den Schwaben gleich die zweite Gewinnwarnung binnen weniger Monate ein. Der Dax-Konzern rechnet für 2013 nicht mehr damit, das operative Ergebnis von 2012 (8,1 Milliarden Euro) erreichen zu können. "In den ersten drei Monaten des Jahres haben sich viele Märkte, insbesondere Westeuropa, konjunkturbedingt schlechter entwickelt als erwartet", erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Bei PSA Peugeot Citroën sollen bis 2014 11.000 wegfallen

Philippe Varin, CEO von PSA Peugeot Citroën, muss ein Minus von 10,3 Prozent verkraften.

Die Probleme daheim schlugen auch beim französischen Autobauer PSA Peugeot Citroën aufs Neue mächtig ins Kontor. Im ersten Quartal fielen die Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,5 Prozent auf 13,03 Milliarden Euro, wie der nach VW zweitgrößte europäische Hersteller am Mittwoch mitteilte. In der Autosparte allein lag das Minus sogar bei 10,3 Prozent. Schwarze Zahlen gab es lediglich bei der Zulieferer-Tochter Faurecia, die zum Beispiel Fahrzeugsitze herstellt. Um aus der Verlustzone zu kommen, will PSA mehr als 8000 Stellen streichen und ein Werk bei Paris komplett schließen. Insgesamt sollen bis Ende 2014 mehr als 11.000 Stellen wegfallen. Ob die geplanten Maßnahmen ausreichen, ist allerdings unklar. Die Situation auf dem europäischen Markt im Jahr 2014 werde möglicherweise schwieriger sein als bislang angenommen, kommentierte das Unternehmen. Man prüfe Konzepte, um eine etwaige Verschlechterungen auszugleichen.

Renault sieht Europa als unsicheren Markt

Auch Renault muss erneut einen Umsatzeinbruch verkraften: Im ersten Quartal 2013 gingen die Erlöse im Vergleich zu den ersten drei Monaten des Vorjahres um 11,8 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro zurück. Die Bedingungen auf dem europäischen Absatzmarkt seien "härter als erwartet" gewesen, hieß es bei Renault zu den am 24.04.2013 veröffentlichten Zahlen. In Frankreich und Europa sieht Renault im laufenden Jahr weiter einen "unsicheren Markt" und erwartet dort ein Umsatzminus von fünf Prozent.

Ford-USA leidet unter europäischer Absatzkrise

Keine Besserung sieht auch Automobilwirtschaftsexperte Prof. Stefan Bratzel. Auf den wichtigen Märkten Frankreich und Italien gehe der Trend bergab und auch für Deutschland sei keine Wende in Sicht. "Insgesamt wird es ein ganz schwieriges Jahr", sagte der Fachmann. Auch Autobauer jenseits des Atlantiks leiden unter der Schwäche in der alten Welt. So bremst Europas Automarkt Ford weiter aus. Hier musste der US-Konzern im ersten Jahresviertel einen Vorsteuerverlust von 462 Millionen Dollar (355 Millionen Euro) verkraften. Das war dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der geschäftliche Ausblick sei unsicher. Dagegen florieren die Verkäufe in der Heimat USA.

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