Auto-Abzocker im Internet

Vorsicht, Gibraltar-Connection! Vorsicht, Gibraltar-Connection!

Auto-Abzocker im Internet

— 02.05.2005

Vorsicht, Gibraltar-Connection!

Die Dummen beim Autokauf sterben nie aus – weil sich Betrüger immer neue Maschen ausdenken.

Eine Suche, die teuer werden kann

Ferrari zum Golf-Preis, wer hätte davon nicht schon mal geträumt? Aber selbst wenn es kein Luxusmodell, sondern ein Kombi sein muß – günstig soll das Auto in jedem Fall sein, da sind sich alle Käufer einig. Und suchen deshalb nach dem besten Angebot für ihre in der Regel teuerste Anschaffung nach Haus oder Eigentumswohnung.

Eine Suche, die wirklich teuer werden kann. Denn auf solche Kunden haben Abzocker im Internet nur gewartet. Eine Vielzahl von Tricks haben sich die Betrüger am Bildschirm ausgedacht, um ehrlichen Kunde das Ersparte abzunehmen. Da werden Neuwagen für 99,90 Euro angeboten, die sich über Werbung finanzieren sollen. Oder Kaufinteressenten müssen eine Telefonnummer anrufen, die sich als Abzocker-Nummer entpuppt. Oder der Kaufpreis soll über Bankgarantie und Treuhandkonto verwaltet werden. Alles Lug und Betrug.

Autos kosten. Klingt banal, muß aber vielleicht gesagt werden, wenn im Internet Autos angeblich fast umsonst angeboten werden – und Leute darauf reinfallen. "Gratisneuwagen" gibt es genausowenig wie "geniale Finanzierungen für 495 Euro" oder "zwei Autos zum Preis von einem". Egal was noch versprochen wird, dies alles gibt es so nicht.

Partnerprogramm mit Schneeballeffekt

Mit Werbe-Mails macht derzeit eine Firma namens "Easy-Management" auf sich und eine Internetseite namens "traum-auto.biz" aufmerksam. Die bewirbt ein "Easy-Car-Finanz-System", mit dem "ein Porsche oder sonstige Premium-Marke als Zweitwagen möglich" sei. Für einmalig 495 Euro, ohne weitere Zinsen oder Monatsraten. Das soll einerseits über einen Sammelrabatt funktionieren. Also möglichst viele Bestellungen einsammeln und dann mit entsprechendem Rabatt beim Hersteller bestellen. Davon profitierten sogenannte passive Mitglieder, heißt es.

Andererseits sollen "aktive Mitglieder sich einen immer größer werdenden Berg von Vermögen" erwirtschaften. Und das auf zweifelhafte Art und Weise – per "Partnerprogramm", eine Art Schneeballsystem (Prinzip: Viele zahlen ein, wenige kassieren, die meisten beißen die Hunde, Kohle futsch). Das bestreiten die Betreiber natürlich vehement. Doch schon hinter ihrer Beispielrechnung, bei der sich angeblich 30.000 Euro mit 40 geworbenen Partnern verdienen lassen, stecken insgesamt mehr als 260.000 Mail-Adressen, die erstmal geworben werden müssen, um diesen Betrag zu verdienen.

Finanziert werden soll das System über einen Mitgliedsbeitrag von drei Euro. Auf das Beispiel gerechnet bedeutet das: Einnahme von 260.000 mal 3 Euro, also eine dreiviertel Million fürs Unternehmen. Kosten: ca. 30.000 Euro plus ein bißchen Kleingeld. Und natürlich wird es für Späteinsteiger immer schwieriger, neue Mail-Partner zu finden. Und irgendwie auch natürlich, daß auf der Seite nirgendwo erklärt wird, wie, wo und wann man für 495 Euro den Porsche als Zweitwagen kaufen kann ...

Gibraltar mit Erfolgskonzept

Typisch für dubiose Internet-Angebote sind Geschäftsbedingungen (AGB), die mehr im Unklaren lassen, als preisgeben. Oder der Autokauf wird von Faktoren abhängig gemacht, auf die der Käufer keinen Einfluß hat – zum Beispiel Werbung oder Adressgewinnung.

Weil das natürlich cleveren Auto-Interessenten auffällt, die dann lästige Nachfragen stellen, tarnen sich einige Anbieter gleich völlig. So geschehen mit der Seite von "2car4one.com". Diese Internetseite war eine zeitlang öffentlich, versprochen wurden "50 Prozent Ersparnis beim Autokauf, keine Leasingrate, keine Versicherungskosten". Details gab es nur auf Anfrage, Absender war eine Katja P., ihres Zeichens Firmendirektorin mit Sitz in – Gibraltar.

Warum ausgerechnet dort der Internet-Autohandel beheimatet ist, wurde nicht erklärt. Stattdessen präsentiert Frau K. auf einer anderen Internetseite das "Erfolgskonzept" fürs Arbeiten-von-zu-Hause-aus – unter einer Internetadresse, in der sich das Stichwort "Adressgewinnung" findet. Ohne die eigene Adresse anzugeben, kommt man nicht an das Erfolgskonzept. Alles klar? Auf die autobild.de-Anfrage an 2car4one kam keine Antwort. Nur deren Internetseite war auf einmal paßwortgeschützt.

Kein Geschäftsmodell, keine Auskunft

Neue Recherche, neuer Treffer. Auch Vater P. macht Werbung für 2car4one. Neue Mail und eine Antwort. Ihr Vater sei nicht beteiligt, alle Anfragen nur über sie, ein persönliches Gespräch sei gern möglich an ihrem Wohnort – in Tirol. Nachfrage zu Zeit und Termin, die Mailadresse streikt. Anruf.

Es meldet sich Herr L., nach eigenen Angaben der Lebensgefährte von P. und Presseverantwortliche. Seine "Direktorin" kann oder will er nicht ans Telefon holen. Zum Geschäftsmodell kann oder will er nichts sagen. Das ganze sei auf "privaten Kontakten" aufgebaut, deshalb wolle man keine Informationen herausgeben. Aber eine Agentur sei beauftragt. Welche Agentur? Das will Herr L. wieder nicht sagen. Auf jeden Fall bräuchte man weder Werbung noch Presse, da habe man schlechte Erfahrungen.

Letzteres darf man wohl glauben, denn schon das Österreichische Fernsehen (ORF) hat sich mit der Firma auf Gibraltar beschäftigt. Damals behauptete 2car4one durch eine Einmalzahlung auf ein Schweizer Bankkonto soviel Zinsen zu erwirtschaften, daß darüber die Ersparnis bei ihrem Auto-Leasing-Modell bezahlt werden könnte. Fazit im ORF: unrealistisch und unwahrscheinlich, daß dahinter ein seriöses Angebot steht. Auch die Stiftung Warentest setzte 2car4one auf ihre Warnliste.

Unnötig zu sagen, daß Herr L. von 2car4one eine angeblich funktionierende Firmen-Mailadresse nannte, die nicht erreichbar war. Autokauf? Besser nicht über Gibraltar.

Autor: Ulrich Safferling

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