AUTO BILD-Aktion Premierentester

AUTO BILD-Aktion Premieren-Tester

— 07.01.2010

Die Eis-Eiligen

AUTO BILD und Bridgestone baten zur Reifenprobe nach Lappland und führten zwölf Premieren-Tester aufs Glatteis. Da kam manch einer ins Schleudern - trotz Unterstützung einer Rallye-Weltmeisterin.

Der ärmste Hund hier draußen ist Harald, unser Fotograf. Es ist kurz nach elf Uhr morgens, und es beginnt, leicht zu dämmern. Wenn sich die Wolkendecke jetzt freundlicher wei se zurückziehen könnte, hätte Harald bis ein Uhr so etwas Ähnliches wie Tageslicht. Es wird ein Wettlauf gegen die Verschlusszeit. Wir sind im Actionpark Saarisälke bei Ivalo. Nordlappland, 300 Kilometer nördlich vom Polarkreis, fast 1000 Kilometer von Helsinki. Die einsame Spitze Finnlands. Hier gibt es mehr Rentiere als Menschen. 0,8 Einwohner pro Quadratkilometer.

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Die Kühltruhe Europas empfängt uns mit gnädigen Temperaturen. Minus sieben, acht Grad – da laufen die lappländischen Mädels fast noch mit kurzen Röcken rum. Gemeinsam mit Bridgestone hat AUTO BILD zwölf Leser in das größte zusammenhängende Naturgebiet Europas eingeflogen, damit sie unter idealen Bedingungen die aktuelle Winterreifen-Generation Blizzak testen können. Allen voran den neuen Blizzak LM-30. Nett gemeintes Angebot. Doch zunächst hat unser drehfreudiges Dutzend alle Mühe, auf dem rutschigen Tanzboden überhaupt die Haftung zu bewahren. Das ist Schlitten fahren für Fortgeschrittene. "Diese Bedingungen überfordern mich total", beichtet Richard Piotrowski fast entschuldigend, "da musst du dich erst mal ganz langsam rantasten", so der Architekt aus Leubsdorf.

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Für das Warmwerden mit dem kalten Belag sind unser Reifenprofi Dierk Möller-Sonntag sowie Isolde Holderied zuständig. Neben sechs Testwagen hat uns Lexus auch Deutschlands erfolgreichste Rallyepilotin mit in die Kälte gebracht. Die zweimalige Weltmeisterin begibt sich mit den Premierentestern zunächst auf die Suche nach der Ideallinie. Und die beginnt mit der richtigen Sitzposition. Holderieds Appell: "Wer nicht richtig sitzt, kann auch nicht richtig reagieren."

ABS und ESP rattern

Doch mit dem Reagieren ist das ohnehin so eine Sache. Zunächst müssen die Teilnehmer die Strecke kennenlernen, dann die Autos. So geht es über den Handlingkurs mit der 423-PS-Rakete Lexus 250 IS F. Da rattern und regeln ABS und ESP wie liebestolle Nähmaschinen. Überhaupt: Naiv zu denken, unsere braven Leser könnten auf diesem Geläuf die Qualität der Gummis auch nur ansatzweise beurteilen. Unmöglich. Aber darum geht es auch nicht primär. Hier werden keine Reifen verkauft, sondern Augen geöffnet. Bridgestone möchte die Sensibilität schärfen. Den Sicherheitsvorteil von Qualitäts-Winterreifen unter extremen Witterungsbedingungen herausfahren.

Doppelter Bremsweg beim Sommerreifen

Richtig Driften will gelernt sein: Der Reifenvergleich schärfte die Sicht für die Dinge bei allen Teilnehmern.

Die Sicht der Dinge schärft dann der direkte Vergleich. Neben den Lexus-Schlitten mit Winterprofil stehen identische Fahrzeuge mit Sommer- und Ganzjahresreifen. Der Unterschied ist brutal wie ein Weckruf in aller Herrgottsfrühe. Vor allem beim Bremsen. Klingeling, aufwachen! Während der Ganzjahresreifen beim Vollstopp aus Tempo 50 zum Wintergummi "nur" rund eine Wagenlänge verliert, verdoppelt sich beim Sommerreifen der Bremsweg nahezu. Das sitzt. Selbst Anton Kresser aus Sindelfingen, einer, der auf seinen Alurädern grundsätzlich Sommermode trägt, muss zugeben: "Das ist schon extrem, hab' ich so nicht erwartet." Die Hamburger Porsche-Boxster-Fahrerin Annette Stringos indes sieht sich bestätigt: "Ich gehe da ohnehin nie Kompromisse ein. Wenn's kalt wird, kommen Winterreifen drauf, basta!"

Zwei RX 450h mit unterschiedlichen Reifen

Währenddessen erkundigt sich Petra Schimo aus Lampertheim schon mal, was neue Winterschuhe für ihre M-Klasse kosten. Gerade für SUV eine Investition, die eigentlich die Krankenkasse übernehmen müsste. Die trügerische Sicherheit der pfundigen Allradler sehen wir auch hier. Wir haben zwei Lexus RX 450h am Start. Der eine bestückt mit Winterpuschen, der andere mit Sommerreifen. Beide kraxeln behende eine Steigung empor. Das Oooohaa-Erlebnis folgt erst bei der Abfahrt. Da macht der "Sommer-RX" mit seinen modischen Slippern drunter, was er will, schiebt in Kurven stoisch geradeaus, kann kaum Seitenkräfte aufbauen. Käme jetzt ein Abgrund, würde die Fuhre bis ins Tal durchgereicht werden. Fotos davon hätte der gute Harald übrigens kaum schießen können. Es ist mittlerweile drei Uhr nachmittags – und stockdunkel.

Autor: Tomas Hirschberger

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