AUTO BILD Klassik

Karls Klassik-Klatsch – Scheunenfund Jaguar Mk X Karls Klassik-Klatsch – Scheunenfund Jaguar Mk X

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— 01.12.2004

Scheunenfunde und andere Tricks

Allerorten tauchen sie auf: Scheunenfunde. Kaum einer taugt was. Doch dieser hier hat Substanz. Und eine ungewöhnliche Zukunft.

Eine exklusive Katze kommt nach Hause

Wenn ich das Wort schon höre: "Scheunenfund". Nicht auzurotten, nicht einzusehen und schon gar nicht einzuklagen. In der Regel verbergen sich dahinter reine Schrotthaufen, die vergessen wurden, weil man vergessen kann, sie aufzubauen. Die Oldtimerecke von Ebay ist voller Scheunenfunde. Den überwiegenden Teil könnt ihr abhaken ("Restarbeiten nötig": haha!); der Rest taugt maximal als Teileträger.

Dieser Jaguar hier ist anders. Ihm war bei 118.000 Kilometern auf der Autobahn die Puste ausgegangen. Seit etwa 1980 verstaubt er in der Scheune eines Bremer Arztes. Zwei ernstzunehmende Jag-Experten sind dabei, ihn wieder flottzumachen. Um an die Wurzeln allen Jaguar-Seins zurückzukehren: ins Stammwerk Browns Lane nach Coventry/ England. Müssen sich beeilen, die Jungs, denn Mutter Ford hat entschieden, den Laden nächstes Jahr dichtzumachen. Ein (Katzen-)Jammer.

Vorher wird der Mk X auf der Bremen Classic Motorshow präsentiert (4. bis 6. Februar). Muß man sehen! Gegen das Hauptübel langer Standzeiten, Rost im Tank, empfehle ich die alte Methode: Gestell bauen, Bohrmaschine ran, Spax-Schrauben rein und drehen, drehen. Hinterher spült ein Rostlöser den Rest raus. Habe es bei meiner gelben Herkules Lastboy so gemacht, und seitdem rennt sie wieder. Fast 70 übrigens mit dem guten alten 50-Kubik-Sachsmotor. Den es heute nicht mal mehr in der Schweinfurter Zentrale gibt. Aus, vorbei. Die Chinesen, wer sonst, haben schon Mitte der Neunziger alles mitgenommen.

Kleiner Tip: Intakte Oldies für 29,95 Euro

Egal, meinen neuen Opel kriegen sie nie. Den hab ich mir mühsam, nämlich unter Einsatz eines größeren Betrages, aus dem Netz gefischt. Und da wurde ausnahmsweise mal nicht gelogen: Ehrliche 79.000 Kilometer, zweitürig (!), 1900er-Motor und absolut schiere Karosse, beige natürlich. Dachte nicht, daß es so was noch gibt, denn diese Malermeister/Möbeltischler-Rekord-Klasse wurde zwei Jahrzehnte lang gnadenlos verheizt. Und schön ist er nun wirklich nicht.

Wer also hebt so was auf? Hier war es tatsächlich ein Tischler aus Portugal, dessen herrlich trockene Schreinerei gleichzeitig die Ia-C-Garage abgab. Und genau deshalb trägt der noch mit Diagonalreifen arg hölzern laufende Opel jetzt lässig und stolz ein H-Kennzeichen. Ach, überhaupt, Opel! Was tut das alles weh, was heute aus Rüsselsheim und Bochum zu hören ist. Da werden die Modelle groß gebrandmarkt und die Historie kleingeredet. Von Leuten, die maximal den Astra A inhaliert haben.

Empfehle dringend die Lektüre des Jahrbuchs 2005 der Opel-Kenner E. Bartels und R. Manthey. Mit Geschichten, die das Leben schrieb. Und Fotos aus dem Gruselkabinett: "Kalt verformte" Olympia und Co, Erinnerungen eines Opel-Abschleppdienstes (Verlag Podszun, ISBN 3-86133-366-X). Zum Schluß was Intaktes: Schuco hat den legendären BMW 328 Mille Miglia neu im Programm. Das Original fuhr bei der 2000-km-durch-Deutschland; die Startnummer-72-Variante in 1:43 kostet 29,95 Euro. Für 30,65 Euro gibt es jetzt einen herrlichen Erstserien-Karmann-Ghia offen bei Minichamps. Im Original-Rot und deshalb eine Sünde wert. Euer Karl Auto

Fragen, Anregungen oder Tips aus der Szene? Schreiben Sie an: Karl Auto, Redaktion AUTO BILD, Axel-Springer-Platz 1, 20350 Hamburg. Oder: redaktion@autobild.de, Stichwort: Karl Auto.

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