AUTO BILD MOTORSPORT Formel 1

Heidfeld – der beste Mann für BMWs neuen Kurs Heidfeld – der beste Mann für BMWs neuen Kurs

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— 21.09.2005

Der beste Mann für den neuen WM-Kurs

BMW zieht das erste As für die Zukunft als eigenständiges Team: Nick Heidfeld als Fahrer. Ein Mann, der 2005 sogar seine Gegner überzeugte.

Beste Erinnerungen an Sauber

Fast unheimlich still geworden war es zuletzt um BMW – der Teambus eine schwach besuchte Nebenstelle im Fahrerlager. Während bei Mercedes und McLaren schon wieder die Korken knallten, mußte BMW-Sportchef Dr. Mario Theissen in Spa am Rande des bislang letzten von 15 sieglosen Rennen in Folge sogar erklären: "Bei uns wird es bald auch wieder lebendiger, wenn wir was zu vermelden haben."

Ein Sieg ist es nun noch nicht, was am Freitag voriger Woche bekannt wurde, aber vielleicht ein Schritt dorthin. Nick Heidfeld, derzeit mit BMW in Williams-Diensten, wird den Bayerischen Motorenwerken auch nach der Trennung von den Briten als Pilot erhalten bleiben. Da BMW künftig mit komplett eigenem Auto antritt und dies mit der unlängst erworbenen Filiale Sauber umsetzen will, wird es für Heidfeld eine Rückkehr. Er fuhr bereits von 2001 für 2003 für dieses Team, künftig nun als BMW-Werksfahrer.

Gegenüber AUTO BILD MOTORSPORT erklärt Heidfeld: "Es war mein Wunsch, in den nächsten Jahren mit BMW zusammenzuarbeiten. Hinzu kommt, daß ich in der Vergangenheit schon drei Jahre für Sauber gefahren bin und sehr gute Erinnerungen an diese Zeit und an das Team habe. Ich denke daher, daß eine gemeinsame Zusammenarbeit sehr erfolgreich sein wird."

"Die Überraschung des Jahres"

Seine Nominierung galt zwar seit einigen Wochen als offenes Geheimnis. Schließlich hatte BMW-Sportchef Theissen Heidfeld schon bei Williams mit gehörigem Druck als Stammfahrer für 2005 durchgesetzt. In der Hoffnung, daß der kleine Nick (1,64 Meter groß) "die größte Entdeckung seit Michael Schumacher" werden könnte.

Soweit ist es 2005 zwar nicht gekommen. Aber selbst bei Williams, wo man sogar Testfahrer Antonio Pizzonia höher eingestuft hatte, wurde inzwischen umgedacht. Heidfeld überzeugte den eisernen Frank Williams mit der Macht der Fakten: mit drei Podestplätzen (unter anderem einem zweiten Platz in Monaco), mit unerschütterlicher Methodik und Beharrlichkeit in technischen Fragen, mit enormer Disziplin ("Nick ist abends immer der Letzte im Fahrerlager"), mit "überraschender Fitneß", mit WM-Punkten und ohne Fehler.

"Heidfeld ist die Überraschung des Jahres", sagte sogar ein Williams-Ingenieur. "Er hat den hochgelobten Mark Webber in den Rennen deutlich ausgestochen." In der Tat: Der schnelle Australier verkrampfte, zumindest in den Rennen, unter Heidfelds Druck.

Der legte sich Mitte Juni, als es zwischen BMW und Williams zum Bruch kam, strategisch sofort geschickt fest: "Ich bin BMW-Mann. Und Williams-Mann." Und deutete damit an, in welcher Reihenfolge sein Manager Werner Heinz verhandeln würde. Der agierte sehr geschickt, indem er beide Seiten erst mal wissen ließ, BAR-Honda habe eine Art Vorvertrag mit Heidfeld für 2006 geschlossen – für den Fall eines Williams-Verzichts. Kolportierte Gage: acht Millionen Dollar.

Die Familienrente ist gesichert

Damit mußte Dr. Theissen, der sich mit einem Schlag in der Schlange der Interessenten nur noch als Nummer drei wähnen durfte, sein erstes Angebot von rund 3,5 Millionen wieder in der Schublade verschwinden lassen. Inzwischen hat BMW noch mal vier Millionen draufgelegt. Und das gleich für drei Jahre. Angeblich enthält der Vertrag sogar eine beidseitige Optionsklausel auf weitere zwei Jahre. Damit beliefe er sich brutto auf 37,5 Millionen. "Natürlich bin ich jetzt froh", sagt Heidfeld, "daß es mit einem Werksteam und speziell mit BMW funktioniert hat. Aber diese Entscheidung habe ich in keinster Weise aus finanziellen Erwägungen getroffen."

Welch ein Schritt: Noch vor einem Jahr hatte der Gladbacher – damals Jordan-Pilot – nicht mal einen F1-Stammplatz für 2005. "Ich bin mir sicher", sagt Vater Wolfgang Heidfeld, "er wäre ohne Groll nach Kanada ausgewandert – in die Natur, die er liebt, wenn er in der Formel 1 arbeitslos geworden wäre." Stattdessen ist zehn Monate später Nicks Rente – und die der gesamten Familie (im Juli kam Tochter Juni zur Welt) – mit einem Schlag gesichert.

Das Verrückte daran: Ein echter Vorvertrag mit Honda, also eine Alternative und ein Verhandlungsdruckmittel gegen BMW, hat nie existiert. Trotzdem mußte BMW handeln. Denn immer lauter wurden die Stimmen, die drei Monate nach der Übernahme von Sauber endlich sichtbare Signale forderten, erkennbare Weichenstellungen für eine bessere Zukunft. Heidfeld ist die Idealbesetzung für BMWs neuen Kurs, ein erstes Lichtzeichen, denn bessere Kandidaten, Siegfahrer und Ex-Weltmeister sind für 2006 schlichtweg nicht auf dem Markt.

Drei Mio. Dollar "Überredungshilfe"

Heidfeld eigentlich auch nicht. BMW mußte Williams mit drei Millionen Dollar "überreden", seine Option auf den liebgewonnenen Deutschen verstreichen zu lassen. Daß Sir Frank sich fügte, hat einen weiteren Grund: Heidfeld hat ihn in der Qualifikation 2005 nicht voll überzeugt. Da war Webber zu oft stärker.

Ganz Schlaue wollten wissen, daß sich Heidfeld bei Williams mit seinem Startverzicht nach dem Testunfall in Monza sowie anschließender Verletzung durch einen Fahrradunfall absichtlich in Mißkredit habe bringen lassen, um für BMW frei zu werden. "Unsinn", sagt Nick, "meine Rennpause hatte keinen Einfluß auf meine sportliche Zukunft. Bei dem Fahrradunfall habe ich mir einen Riß im Schulterblatt mit Entzündungen und Schwellungen zugezogen. Ich hoffe, daß ich mich rechtzeitig erhole und mich mein Team in den letzten beiden Rennen (9./ 16. Oktober in Japan/ China, d. Red.) einsetzt."

Seine Gedanken sind aber schon in der Zukunft: "2006 sind Siege noch eher unwahrscheinlich. Aber ich will Weltmeister werden. BMW will dieses Ziel mittelfristig auch erreichen. Deshalb ist das für mich definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Und wer weiß, vielleicht gelingt uns ja schon 2006 eine Überraschung."

Zur Person: Nick Heidfeld

Nick Heidfeld Geboren: 10. Mai 1977, Mönchengladbach • Wohnort: Stäfa (Schweiz) • Familienstand: Lebensgefährtin Patricia Papen, Tochter Juni (seit 3. Juli 2005) • Erlernter Beruf: Rennfahrer • Hobbys: Sport, Essen, Kunst

Karriere Vom sechsten Lebensjahr an Kartsportler, 1994 Deutscher- Formel-Ford-1600-Meister, 1995 Formel-Ford-1800-Meisterschaft, Sieger der Internationalen Deutschen Meisterschaft, 1996 Sieg beim F3-Weltfinale in Macau, 1997 Deutscher F3-Meister (Team BSR), 1998 Vizemeister der Formel-3000-EM, F1-Testfahrer für McLaren-Mercedes, 1999 Meister der F-3000-EM, F-1-Testfahrer McLaren- Mercedes, 2000 F1-Debüt bei Prost-Peugeot, 2001 (P3 in Brasilien) bis 2003 F1 bei Sauber-Petronas, 2004 bei Jordan-Ford, 2005 Wechsel zu BMW-Williams, eine Pole Position, drei Podestplätze. Zur Zeit WM-Elfter, pausiert wegen Riß im Schulterblatt.

Autor: Hesseler

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