AUTO BILD-Special: Autopreise in Euroland

Vergleich: Autopreise in Euroland Vergleich: Autopreise in Euroland

AUTO BILD-Special: Autopreise in Euroland

— 27.08.2002

Immer noch satte Rabatte

Teuerland Deutschland. Das gilt vor allem für den Autokauf. Also ab zu den Nachbarn? Dort ist es billiger und Feilschen normal.

Rabatte bis zu 26 Prozent möglich

Wir schreiben Monat acht der Euro-Zeitrechnung. Zeit für einen Vergleich der Autopreise innerhalb der Eurozone. Unsere Frage: Haben die Optimisten Recht behalten, haben sich die Autopreise in den Teilnehmerländern angeglichen? Unsere Ahnungen waren düster: Schon bei Brot, Butter und Milch hat es mit den einheitlichen Preisen bis heute nicht geklappt, wurde der Euro oft zum Teuro. Warum also sollte es ausgerechnet bei unserem liebsten Spielzeug, dem Auto, anders sein?

AUTO BILD und das Internetportal www.autoprice.de haben die Preise für 20 der meistverkauften Autos in der Währungsunion verglichen. Ergebnis: Die Listenpreise bei unseren europäischen Nachbarn liegen bis zu 26 Prozent unter den deutschen. Das ist gut für die deutschen Verbraucher. Sie stöhnen zu Hause unter den höchsten Pkw-Preisen in Euroland, können im Ausland billiger Autos kaufen. EU-Wettbewerbshüter Mario Monti hält dieses Gefälle für ein Unding und hat einen engen Preiskorridor vorgegeben: Der Unterschied zwischen dem billigsten und dem teuersten Angebot darf danach in der EU nur zwölf Prozent betragen.

Das schaffen nur wenige: Porsche verkauft seine Sportwagen schon seit einigen Jahren zu (stattlichen) Einheitspreisen. Der Maybach, das neue Luxusgefährt von DaimerChrysler, wird weltweit zum gleichen Preis verkauft (310.000 bzw. 360.000 Euro, plus Mehrwertsteuer). Sonst streben die Stuttgarter, aber auch BMW möglichst kleine Preis-Unterschiede an. BMW verkauft seinen Siebener zum einheitlichen Netto-Basispreis (735i: 56.120 Euro; 745i: 61.500 Euro). Die übrigen Hersteller finden viele Gründe für das Preisgefälle: Sie wollen den Markt beobachten, sehen, wie es die Konkurrenz macht. Oder sie starren wie das Kaninchen auf die Schlange auf die neue Gruppenfreistellungsverordnung (GVO), die den Markt öffnen und die Preise drücken soll.

EU setzt auf europäische Einheitspreise

Volkswagen sind vor allem die unterschiedlichen Steuern in der EU ein Dorn im Auge. Die Wolfsburger wollen ihre Preise jedoch bei jeder neuen Modelleinführung europaweit auf weniger als zehn Prozent Abstand bringen. Vorreiter sollte der neue Polo sein. Unsere Tabelle zeigt aber etwas anderes. Der Blick über die grünen EU-Grenzen lohnt sich immer noch – trotz aller Versprechen der Autohersteller. Beim Händler im Nachbarland darf auch ruhig noch einmal gefeilscht werden, denn auch in ihren Forderungen ist teilweise noch kräftig Luft.

Doch Vorsicht: Das Feilschen ist vor allem in Finnland, Spanien, Portugal und Italien nicht leicht. Entweder hapert es am Wissen der Händler über den Export, an den Sprachkenntnissen der Kunden, oder es wird mit horrende Exportpreisen gerechnet. Da helfen oft nur langer Atem, eiserne Nerven und Organisationstalent. Das kann man sich jedoch auch kaufen: Beim Verand freier Importeure (www.bfi-ev.de) gibt es Kontaktadresen der Mitglieder in ganz Deutschland.

Allerdings: In den Preisen der Importeure ist meist die Provision für die geleisteten Dienste enthalten. Die schmälert dann den möglichen Preisvorteil. Ob der den Autokäufern noch lange erhalten bleibt, steht in den Euro-Sternen – Monti hin, Monti her. Und wer weiß schon, ob diese dann eher nach spanischem Vorbild günstig oder nach deutschem teuer ausfallen?

Die Besonderheiten beim Kauf im Nachbarland: Belgien: oft Verständigungsprobleme, jedes Fahrzeug automatisch mit Übereinstimmungserklärung (COC). • Spanien: Hier kommt man nur mit Spanisch, einem Spanisch sprechenden Freund oder einem Experten ans Ziel. Autos oft mit geringer Sicherheitsausstattung, die kostspielig nachbestellt werden muss (Lieferzeiten, Vorsicht wegen Anzahlung!). Kauf kann sehr günstig, aber auch zeit- und nervenraubend werden. COC je nach Marke problematisch.

Frankreich und Finnland

Die Besonderheiten beim Kauf im Nachbarland: Frankreich: Re-Import nur mit Französisch-Kenntnissen möglich. Händler wissen wenig über Export ins EU-Ausland. Pkw-Ausstattung oft viel besser als in Deutschland. COC dauert bis zu vier Wochen. • Finnland: Verhandlungen in Englisch. Händler haben falsche (zu hohe) Exportpreise. COC unproblematisch. Ausfuhr eigentlich problemlos, wegen schwieriger Preisverhandlungen aber nur etwas für Profis.

Italien und Niederlande

Die Besonderheiten beim Kauf im Nachbarland: Italien: oft Sprachprobleme und Unkenntnis der Händler, Verhandlungen mühsam und erfordern Geduld, nur etwas für Profis • Niederlande: Beschaffung problemlos, Händler kooperativ, COC dauert ein bis zwei Wochen. Und kostet (verbotenerweise) 50 Euro.

Luxemburg und Portugal

Die Besonderheiten beim Kauf im Nachbarland: Luxemburg: problemlose Beschaffung, Kfz automatisch mit COC. • Portugal: Verhandlungen in Englisch. Händler haben nur sehr wenig Exporterfahrung. Kauf wird zum Geduldsspiel, Privatkauf ist nicht zu empfehlen. COC unproblematisch.

Sieben Schritte zum EU-Neuwagen

Dieser Stufenplan beschreibt in Kurzform den richtigen Weg zum EU-Neuwagen: • Auto nur nach der im Nachbarland gültigen, aktuellen Preis- und Ausstattungsliste bestellen. • Nur den Nettopreis zahlen. • Die Umsatzsteuer wird erst bei der Einfuhr nach Deutschland fällig (Einfuhr-Umsatzsteuer). • Alle Belege wie Rechnung, Übereinstimmungsbescheinigung/COC, das vom Vertragshändler abgestempelte Serviceheft (ggfs. mit Serviceaufklebern) mitnehmen. • Den "Neuen" nach Deutschland überführen. • Die Mehrwert- (oder Umsatz-)Steuer beim zuständigen Finanzamt bezahlen. • Gegebenenfalls Datenblatt, Abgas- und Geräuschgutachten bei TÜV oder DEKRA besorgen. • Bei der Zulassungsstelle den Fahrzeugbrief beantragen und den Wagen zulassen.

Die Abgasnorm In der EU gilt seit Januar 2001 die Abgasnorm Euro 3. Die Bundesrepublik hat sie durch besondere Auflagen verschärft und nennt ihre Öko-Version D4. Die Euro-Norm steht in jedem Fahrzeugbrief, bei Importfahrzeugen in der Regel in der Übereinstimmungserklärung (COC), der Grundlage des neuen Fahrzeugbriefs. Weil das COC den Neuwagenstatus des Autos belegt, muss es von jedem Händler mitgeliefert werden. Hat der Importwagen Euro 3, ist eine Umschlüsselung auf D4 nicht möglich. Das geht nur, wenn der Autohersteller bescheinigt, dass sein Auslands-Modell D4 erfüllt.

Oft ziehen sich Importeure deshalb auf den Standpunkt zurück, dass sie nicht sagen können, mit welchen Abgasstandards die Fahrzeuge vom Hersteller in ein bestimmtes EU-Land geliefert werden. Wir wissen jedoch, dass Audi, BMW, DailmerChrysler, Opel, Seat, Skoda und VW ihre Autos nur mit einer Abgasnorm ausliefern: Ein Pkw dieser Hersteller, der in Deutschland D4 erfüllt, wird mit dieser Norm auch im übrigen Euroland verkauft.

Kaufvertrag: Darauf müssen Sie achten

Das müssen Sie beim Vertragsabschluss beachten: Wandlung, Rücktritt vom Vertrag oder Erstattung der Anzahlung – alles muss im Vertrag mit dem ausländischen Händler genau geregelt werden, denn die komfortablen deutschen Verbraucherschutz-Gesetze gelten im EU-Ausland natürlich nicht. Außerdem sollte immer ein Endpreis vereinbart und in den Kaufvertrag aufgenommen werden, und zwar inklusive aller Gebühren. Nur so ist zu verhindern, dass der Händler später noch etwas auf den Preis draufschlägt oder so genannte "Handling-Gebühren" nachfordert.

Tipp: Lassen Sie eine Kopie Ihres Reisepasses beim Händler. Dann läuft die Neuwagengarantie sofort auf Ihren Namen, und Sie ersparen sich später Namensärger bei Garantieproblemen. Wichtig: Rücktrittsgründe wie lange Lieferfristen oder das Überschreiten verbindlicher oder unverbindlicher Liefertermine gibt es im Ausland meist nicht.

Erfährt ein Däne, dass er den "Neuen" erst in zehn Wochen oder vier Monaten abholen kann, wartet er geduldig, bis der Wagen kommt. Deutsche Kunden sollten es Ihm gleichtun. Sonst bleibt nicht nur das neue Auto ein Traum, sondern die geleistete Anzahlung ist möglicherweise auch verloren.

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