Auto China 2008

Auto China 2008: Präsentation GLK und Q5 Auto China 2008: Präsentation GLK und Q5

Auto China 2008

— 20.04.2008

Margen wie Morgentau

China ist Chefsache. Bei Mercedes. Bei Audi. Beiden Premium-Marken treten auf der China Auto 2008 mit zwei direkten Konkurrenten gegeneinander an. Entsprechend aufwändig wurden GLK und Q5 am Vorabend der Messe gefeiert.

Wenn es um den riesigen chinesischen Markt geht, werden auch die Schwaben spendabel. Rund 100 geladene Gäste, die bei schwülwarmem Wetter in einem eigens errichteten Zelt vornehm schwitzten, ließen sich vom obersten Mercedes-Fahrer erklären, welche Bedeutung der boomende Markt für den Konzern hat. "Dies ist die erste Weltpremiere, die Mercedes hier feiert. Schon das zeigt, welchen Stellenwert China mittlerweile für uns hat", betonte Zetsche kurz vor dem ersten offiziellen Auftritt des neuen GLK. Was er meint, sind natürlich auch die attraktiven Margen, die hier wie Morgentau an den Blüten hängen. 40 Prozent aller verkauften Mercedes-Modelle in China sind S-Klassen – so richtig fett ausgestattet und möglichst mit V12 unter der Haube. Ulrich Walker, Chef von Daimler North-East-Asia, bringt es auf den Punkt: "Warum wir hier so viele S600 verkaufen? Weil wir keinen S700 haben." Kurzum: Mercedes geht es hier richtig gut. 2007 haben die Stuttgarter 30.700 Autos in China verkauft, 44 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Und auch das erste Quartal 2008 liegt bereits schon wieder 42 Prozent über dem Vorjahr. Für noch bessere Verkaufszahlen (bei natürlich deutlich geringerem Gewinn) soll ab 2009 der Smart sorgen. Das kleine Original soll die jungen Chinesen, die immer mehr auf Lifestyle und Mode abfahren, frühzeitig an die Marke binden.

Erster Auftritt von Mercedes-Chefdesigner Gordon Wagener

Da kommt natürlich auch der GLK gerade zur rechten Zeit. Der kantige Kompakt-SUV wird seinen Platz auf den bereits jetzt hoffnungslos überfüllten Straßen garantiert finden. Schon jetzt geht hier in der 17 Millionen-Metropole Peking meist gar nichts mehr – wie soll das eigentlich erst zu den Olympischen Spielen im Sommer werden?  Anderes Thema. Kommen wir zur zweiten Chefsache des Abends: die Wachablösung des obersten Formgebers von Mercedes-Benz. Nach über 40 Jahren unterm Stern, davon neun Jahre in vorderster Front, übergab Chefdesigner Peter Pfeiffer an diesem Abend offiziell das Zepter an seinen Kollegen Gordon Wagener (39). Der sympathische Shootingstar mit dem Studentenlächeln arbeitete bislang als Leiter des Mercedes Designzentrums in Los Angeles und verdiente seine Sporen als Direktor der Designstudios in Kalifornien und Japan. Ein Eigengewächs also, von dem wir in den nächsten Jahren einige frische Modelle erwarten dürfen. Dass er was von seinem Fach versteht, hat er bereits bewiesen. Am Design des SLR, der aktuellen S-Klasse sowie am SLK hat Wagener schon maßgeblich Hand angelegt. Was als nächstes kommt? "Ideen habe ich mehr als genug" , sagt der junge Deutsche mit dem amerikanischen Namen. Es wird sich zeigen, wie viel von seinem jugendlichen Elan tatsächlich in die Serie fließen darf.

Attraktive Damen und Multimedia bei Audi

Schnitt – schneller Wechsel zu Audi. Die Ingolstädter stimmten ihre Gäste nicht weniger pompös auf die Auto China 2008 ein und hatten mit dem Q5 ebenfalls eine SUV-Weltpremiere dabei: Peking im Abendlicht. Auf der riesigen Videowand läuft ein Werbefilm. Es klickt das Schloss einer Perlenkette, eine Frau im roten Kleid braust im Q5 gen Wüste. Später, als Audis neuer Allradler am Vorabend der Automesse in Peking präsentiert ist, lassen die Damen sich reihenweise vor dem Neuling fotografieren. Ist der Audi am Ende ein Frauentyp? Mit seinem geschwungenen Design geht der Q5 sicher andere Wege als der betont kantige Mercedes GLK, dessen Serienversion nur Stunden zuvor ebenfalls in Peking enthüllt worden ist. Der Audi ist von sanfter, runder Wucht, dezent im Detail, kräftig in den Proportionen. Vorne dominiert der inzwischen strapazierte Riesengrill, hinten steht der SUV auf breit ausgestellten Hüften, die von der umlaufenden Heckklappe aus Alu noch betont werden. Zweifellos ein Bruder des großen Q7. In Wirklichkeit sieht der Q5 noch viel imposanter aus, als auf den Fotos: Ein Kompakt-SUV, das ist der Audi nicht mehr – so wenig wie der A4 zur Mittelklasse zählt. Die Limousine spendete zahlreiche Bauteile, von Achsen, Antrieb und Aggregaten bis zum Cockpit, das sich wieder dem Fahrer zuwendet und einfach um eine Etage höher gelegt erscheint. Ein Avant auf Stöckelschuhen, in dem sich jeder Audi-Freund heimisch wird.

Vorne bietet der Q5 Platz wie ein A4 Avant, hinten können sich auch Lange bequem ausstrecken – nicht zuletzt, weil der Q5 auf die dritte Sitzreihe verzichtet. Die zweite ist gegen Aufpreis um zehn Zentimeter längs zu verschieben. Der Kofferraum (540 bis 1560 Liter) fasst eine Tasche mehr als der acht Zentimeter kürzere A4 Avant. Überhaupt werden sich die Audi-Kombis ständig mit dem neuen Q-Wühler vergleichen lassen müssen. Der Ladeboden des Q5 steigt bei umgelegter Rückbank leicht an, der freien Sicht nach schräg steht die ausladende C-Säule im Weg. Serienmäßig gibt Audi dem Q5 Klimaautomatik, Audio-Anlage, 17-Zoll-Räder und eine Schaltempfehlung im Mitteldisplay mit auf den meist asphaltierten Weg. Kleiner Gag: Ein eingebauter Sensor in der Dachreling erkennt, ob Ladung mitfährt und lässt das ESP in der Folge behutsamer regeln. Der Q5 kommt im Oktober mit zwei längs eingebauten Dieselmotoren (2.0 TDI, 170 PS sowie 3.0 TDI, 240 PS) sowie einem Zweiliter-Benziner mit 211 PS auf den Markt. Kleiner Wermutstropfen: Der kleine Benziner, sicher populärster Motor, ist zunächst nur mit Handschaltung erhältlich. Die Automatik schiebt Audi später nach. Der permanente Quattro-Antrieb, jetzt mit heckbetonter Kraftverteilung, ist generell an Bord. Noch.

VW-Chef Winterkorn schließt Frontantriebs-Q5 nicht aus

AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat kam den neuen Audi-Wühler in Peking ganz nah.

Als AUTO BILD VW-Konzernchef Martin Winterkorn fragt, ob ein Frontantrieb denkbar sei, spielt der den Kaiser Franz: „Schau mer mal!“ Ein Frontantrieb für schwächere Motoren ist nicht nur machbar, sondern als Spritsparer auch gut für Audis künftigen Flottenverbrauch. Ein A4 Avant 2.0TDI ist schließlich auch mit reinem Frontantrieb erhältlich. Der Q5 dürfte voraussichtlich gut 37.000 Euro kosten. Wohlgemerkt ab, denn die Preisliste offeriert mehr Extras als das Schaufenster einer Boutique: von der Rückfahrkamera bis zur Drei-Zonen-Klima-Automatik, von der elektrischen Gepäckklappe bis zu belüfteten Sitzen. Über 100.000 Q5 will Audi bald in Ingolstadt bauen. Schaut man in Peking den Damen in die Augen, scheint der Erfolg des Frauentyps beschlossene Sache zu sein.

Autoren: Joachim Staat, Tomas Hirschberger

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