Auto China 2008, Teil 2

Byd F1 Chery A1

Auto China 2008, Teil 2

— 21.04.2008

Auf dem Sprung

Chinas Automarkt wächst pro Jahr zweistellig. So richtig profitieren konnten die einheimischen Autobauer davon bislang aber nicht. Eine Flut von neuen Modellen soll das ändern. AUTO BILD zu Besuch bei Geely, Chery und Co.

Wie waren Chinas Autobauer in den letzten Jahren verspottet worden: ideenlose Plagiateure, Diebe geistigen Eigentums. Die Auto China, Asiens wichtigste Pkw-Messe des Jahres, macht klar: Der chinesische Copy-Shop schließt langsam. Die Zeiten, als der Westen belustigt lächelnd auf Neuheiten aus dem Reich der Mitte herabsehen konnte, sind vorbei. Ein Spaziergang durch die Hallen der „Auto China“ zeigt, dass die Autobauer des Landes längst aufgebrochen sind zum großen Sprung. Sie wollen mehr als die bislang 40 Prozent Anteil am rasant wachsenden Automarkt des Landes. 2007 wurden in China rund fünf Millionen Pkw zugelassen, 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Zwar präsentieren Hersteller wie Great Wall diversen Fiat-Nachbauten oder Changfeng (Mitsubishi) weiterhin 1:1-Kopien bekannter Modelle, doch erste große Marken emanzipieren sich mit modernen Eigen-Konstruktionen.

Modernes Design, eigene Technik. Chinas Rückstand schmilzt

So zeigt Geely gleich eine ganze Armada von Neuheiten. Der 3,87 Meter lange CE, ein Fünftürer mit modisch-glatter Front, ginge auch auf Europas Straßen schmerzlos durch den Augen-TÜV. Ein Van namens GE (4,80 Meter lang) durchbricht die übliche Monokultur der Limousinen, und an der Sportwagen-Studie Tiger verweilten mit Wolfgang Egger (Audi), Martin Smith (Ford) oder Peter Pfeiffer (Mercedes-Benz) selbst europäische Designer. Das mächtige Coupé soll tatsächlich gebaut werden – mit einem 3,5-Liter-V6 und 300 PS. Außerdem präsentierte Geely in Peking einen 1,5-Liter-Benziner mit Direkteinspritzung (118 PS), die erste selbst gebaute Automatik und eine voll variable Ventilsteuerung. Auch wenn solche Messe-Exponate bis zum Marktstart noch Zeit brauchen – Geely befreit sich aus der Abhängigkeit, vor allem japanische Motoren nachzubauen. Ein Schritt, den Koreas Autobauer vor zehn Jahren geschafft haben. Chinas Rückstand schmilzt.

Neuheiten-Flut bei Chery und ein frisches Stufenheck bei Roewe

Changan baut nicht nur eigene Modelle, sondern ist in China der Partner von Suzuki

In Peking werden auf breiter Front Triebwerke aus chinesischer Fertigung angekündigt. FAW will noch 2008 einen 1,6-Liter-Hybrid vorstellen, sogar ein V12 sei in Vorbereitung, unter anderem für die Staatslimousine Hongqi. Der Hersteller Chang’An will den Jiexun als Hybrid-Modell für 15 000 Euro bauen. Chery, vor zwei Jahren noch von Chevrolet als Nachbauer des Matiz verklagt, zeigt in Peking die neue Baureihe Faira. Gleich sechs Versionen des Kleinwagens glänzen im Rampenlicht, vom kurzen Dreitürer über Kombi und Stufenheck bis zum Cabrio, das in zwei Jahren für rund 10.000 Euro auf den Markt kommen soll. Bei Roewe, Nachfolger der aufgekauften Marke Rover, steht der neue 550 – eine ansehnliche Stufenhecklimousine, deren Cockpit deutliche Ähnlichkeit mit einem Audi zeigt. Und Brilliance, dessen BS6 im europäischen Crashtest versagte um dann im Verkauf zu floppen, präsentiert neben den bekannten Limousinen erstmals einen Kombi. Verkaufsstart: angeblich Frühjahr 2009.

Doch Vorsicht bei solchen Infos – englische Pressemappen sind rar und häufig unvollständig. Hat man einen Gesprächspartner erwischt, schwanken die Auskünfte zwischen blumigem Optimismus und bösen Missverständnissen in der Übersetzung. Die Informationspolitik der Autobauer wächst nicht im gleichen rasanten Tempo wie die Modellpalette – und im Jahr der Olympischen Spiele herrscht in China ohnehin große nationale Euphorie. Für 2009 sagen Prognosen daher ein schwächeres Marktwachstum voraus – dann sollen die Verkaufszahlen „nur“ noch um zehn Prozent steigen! Bis 2015 würde China damit mit über 16 Millionen verkauften Fahrzeugen die USA als größten Automarkt überholen.

Autor: Joachim Staat

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