Auto China 2012: Die Chinesen

— 24.04.2012

Eine Auto-Welt für sich

Auf der Automesse in Peking stehen 52 chinesische Weltpremieren. Darunter viele Kopien westlicher Modelle – aber auch immer mehr China-Autos mit selbstbewusstem Design.



Wer zur Auto China reist, der sollte seinen Automobil-Kompass nicht vergessen. Spätestens, wenn er in die Hallen chinesischer Hersteller eintaucht, kommt er sonst ins Trudeln. Zwischen den Ständen von Dongfeng, Baojun, Changang und Zotye verliert auch der tapferste Journalist westlicher Prägung irgendwann die Orientierung. Zumal hier kaum einer mal einen Fetzen englisch spricht und Pressematerial grundsätzlich nur in chinesischer Schrift ausgehändigt wird. Ein gewagtes Experiment für eine Automesse mit internationalem Anspruch.

Überblick: Die Stars der Auto China 2012

Bildergalerie

Peking 2012: Die Chinesen Peking 2012: Die Chinesen Peking 2012: Die Chinesen
Also heißt es: Raten und zusammenreimen. 476 verschiedene Modelle gibt es derzeit auf dem chinesischen Markt, die meisten von einheimischen Herstellern. Von den 81 Weltpremieren hier auf der Auto China entfallen 52 auf chinesische Autobauer. Keine Ahnung, welche das sind, es schreibt ja keiner dran – und selbst wenn es dran stehen würde, könnte ich es nicht lesen. Also schlendert man durch die Hallen und verschafft sich einen groben Überblick.

Messe-Rundgang: Die Highlights in Peking

Noch ein Mini-Klon? Nö, meint MG, eher eine Hommage an den legendären MG B GT.

Eines wird schnell klar: Die Zeiten dreister Kopien scheint vorbei zu sein. Das Design vieler China-Modelle wird selbstbewusster – jedoch noch immer weit davon entfernt, einen eigenen Charakter zu haben. Hier sind sicherlich MG und Roewe weit vorne. Die beiden Töchter von SAIC haben durchaus etwas Eigenständiges. Vor allen MG. Das britische Urgestein, seit 2005 in chinesischem Besitz, stellt hier in Peking gleich eine ganze Flotte neuer Modelle hin. Alle sauber vom Briten Tony Williams gezeichnet. Nicht wirklich schön, dafür aber schön auffällig, ist seine Studie Icon. Sie soll an den legendären MG B GT erinnern – mit viel Wohlwollen und noch mehr Fantasie klappt das sogar.

Das stinkt zum Himmel

Nicht viel Phantasie brauchen wir, um am Stand von Brilliance das Vorbild des V5 zu erraten. Sollte da etwa ein BMW X1 fremdgegangen sein? Egal, der Fronttriebler kommt ohnehin nicht zu uns. Interessanter scheint da schon der H230. Der recht konservative Stufenschnitt im Jetta-Format soll 2013 für weniger als 10.000 Euro nach Europa schippern, wir werden dann wohl etwas später die Fließheckversion bekommen. Unter der Haube: ein von Brilliance entwickelter 1,5-Liter-Vierzylinder mit 109 PS. So sauber das Design erscheint, so lieblos präsentiert sich der Innenraum. Das gilt übrigens für fast alle Chinesen: Bloß nicht die Türen aufmachen. Da dünstet in den Augen beißendes Hartplastik vor sich hin, dass einem ganz schummrig wird. Das Zeug gast derart aus, dass man Angst hat, tot umzufallen.

Stromer und Hybride für Chinas Smog-Metropolen

Nettes Heck: Geely zeigt die Elektro-Studie "McCar". Stromer und Hybride gibt es reichlich auf der Auto China 2012.

Beim Rundgang entdecken wir dann einige weitere Blechkameraden, die gar nicht mal so übel ausschauen. Bei JAC steht ein roter China-Mustang als Studie, der Spaß machen könnte. Geely zeigt sein erstes SUV (durchaus hübsch) und eine stimmige Elektro-Studie, getauft auf den Namen "Mc Car". Überhaupt sehen wir haufenweise Modelle, die offensichtlich mal als Stromer oder Hybrid die stickige Luft rund um Chinas Millionen-Metropolen (es gibt über hundert davon) entlasten sollen. Die Nachfrage nach technischen Details kann man sich auch hier getrost sparen. Da werden die chinesischen Kumpel an den Ständen nach schmallippiger als sie ohnehin schon sind - was das Vertrauen in einen funktionierenden (oder überhaupt vorhandenen) Alternativantrieb in den Conceptcars nicht wirklich steigert.

Tonnenschwerer Dinosaurier auf Kundenfang

Aus einem Land vor unserer Zeit: Der FAW L7 erinnert an Maos einstige Staatslimousine vom Typ Rote Fahne.

Da loben wir uns doch FAW. Die servieren mit der Gigantenlimousine L7 Heavy Metal vom Feinsten. Der geschätzt sechs Meter lange und bestimmt drei Tonnen schwere Dinosaurier erinnert an Maos einstige Staatslimousine vom Typ Rote Fahne. Potenzielle Käufer bittet das freundliche Personal direkt hier am Stand in einen mit knöcheltiefem Teppich ausgelegten Verkaufsraum. Dort wird dann über Preise und Ausstattung verhandelt. Gebaut wird ausschließlich auf Einzelbestellung. Bereits am Pressetag war der Raum gut gefüllt.

Autor: Tomas Hirschberger



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