Auto-Elektronik im Test — 04.11.2009
Maschine gegen Mensch
Moderne Technik soll uns das Autofahren erleichtern. Kann sie das wirklich? AUTO BILD-Redakteur Jan Horn hat den Test gemacht und in zwölf Runden die Herausforderung gegen die Bits und Bytes unterm Blech angenommen.
"Das Bremspedal pulsiert, was passiert da unter meinem Fuß? Hilfe, die Bremse stottert!" So klang es, als mancher alte Hase das erste ABS verteufelt hat. "Um Gottes willen, bleiben wir doch lieber bei unserer Einkreis-Trommelbremse ohne Elektro-Schnickschnack ..." Tja, heute lachen wir über die Ängste von damals und schätzen den glasklaren Sicherheitsvorteil, den ABS bietet. Beim Bremsen noch ausweichen zu können, das gehört glücklicherweise so selbstverständlich zum Auto wie Fensterheber und Benzineinspritzung. Seitdem zog immer mehr Elektronik ins moderne Fahrzeug. Technik, die einparken kann, Routen findet, Leben rettet, Sprit spart oder einfach nur das Leben versüßen will. Verspricht sie zumindest. Denn mit dem Einzug der Chips wächst auch das Misstrauen. Der Chauffeur wird beim Autofahren entmündigt, kann es vielleicht doch besser.
Wer kann am Ende jubeln? Die Technik oder vielleicht doch der Mensch?
Sind Fahrgefühl, Routine und Reflexe etwa die besseren Grundlagen für eine reibungslose Fahrt? Wir wollen es genau wissen und fordern die Technik von aktuellen Automodellen zum entscheidenden Kampf heraus. Mensch oder Maschine: Wer kann es besser? In zwölf Runden testen wir, ob das Hirn etwa besser arbeitet als moderne Elektronik, ob Bits und Bytes das Autofahren sinnvoll unterstützen oder eventuell sogar stören. Immer wenn die Maschine stolpert, geht die Runde an den Menschen. Um es klar zu sagen: Bei der Sicherheit machen wir keine Experimente. Ein aufmerksamer Mensch mag vielleicht im Dunkeln einen kleinen Vorteil gegenüber einer Infrarot-Nachtsichttechnik haben (in der Mercedes
S-Klasse für 3296 Euro Aufpreis). Trotzdem empfehlen wir niemals, auf ein solches System komplett zu verzichten – wer’s will, bekommt eine wertvolle Unterstützung. Falls Technik in diesem Vergleich die eine oder andere Runde gewinnt, heißt das natürlich umgekehrt: Der Mensch darf sich bitte niemals stumpf auf die Elektronik verlassen. Am Ende fährt und entscheidet immer noch der Kopf hinterm Steuer. Also auf in den Kampf Mensch gegen Maschine.
Wie das Duell ausgeht, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel gibt es als Download im Heftarchiv.
Jan Horn
Fazit
Erstaunlich, wo die Elektronik überall mitmischt. Sie hilft beim Sparen, unterstützt beim Einparken, korrigiert in verfahrenen Situationen. Mehr nicht. Die Maschine hilft zwar, packt mit an. Oft kann es der Mensch aber dann doch besser. Richtig rund läuft’s erst, wenn Mensch und Maschine aufmerksam zusammenarbeiten. Wie, das zeigt das Beispiel der aktiven Lenkung. Das System des Audi A5 unterstützt ungeübte Fahrer mit schlauer Regelung, kann intuitives Handeln aber nicht vollends ersetzen. Keine Diskussionen gibt es dagegen bei ESP oder Reifendruckkontrolle. Hier fühlt und regelt die Elektronik feiner, schneller, sicherer. Am Ende steht fest: Auch wenn wir es manchmal einen Tick besser können – auf Elektronik im Auto wollen wir mit Sicherheit nicht verzichten.
Kommentare zum Artikel (6)
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Endlich mal ein guter Test.
Sicher gibt es individuellen Spielraum bei den Entscheidungen, aber ich stimme größtenteils überein.
Aha, der Redakteur ist also der Meinung, dass Nachts immer zu einem schaun und mit den Augen funkeln!!! So ist er natürlich auch nach 4 Stunden Nachtfahrt SOOO konzentriert! Auch wenn die Katze mich anfunkelt, ein Mensch am besten noch auf meiner Fahrbahnseite und richtig dunkel gekleidet, vllt. noch betrunken, machts nicht, basta!!! Durfte das System schon kennenlernen und ausgiebig testen. Gibt nur ein Fazit Maschine:Mensch 1:0
Als Ergänzung dazu: Anscheined wurde da die erste Generation des EPAssis getestet. Aktuell benötigt er nicht mehr soviel Platz, also warum wurde so eine riesige Lücke getestet. Außerdem ist das "Schneckentempo" eine Geschwindigkeit bis zu 30km/h. Also durchaus ein übliche Geschwindigkeit, wenn man auf Parkplatzsuche ist...
Sehr geehrter Herr Redakteur,
Sie werden es mir sicher nachsehen, dass ich es stark bezweifele, dass selbst Sie, als "geübter" Fahrer (was immer das auch heißen mag) einen Wagen mit 4427mm Außenlänge, der Länge nach in eine 4700mm lange Parklücke, und das ganze auch noch schneller als es das E-System bei einer um einen Meter erweiterten Lücke im Stande ist zu leisten, blechschadenfrei einparken.
Falls dem widererwarten doch so sein sollte, so wäre es mir eine Ehre, wenn Sie mir diesen Trick einmal bei Gelegenheit vorführten.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Leser
Interessante Taktik: die Hersteller bauen ihre Autos immer unübersichtlicher, breiter, länger, sodaß man geradezu genötigt wird, die ganzen teuren Asistenz-Extras wie Parkpilot, Spurwarner, Totwinkelassistent etc. mitzubestellen.