Auto Expo 2008, Teil 1

— 09.01.2008

Erst Delhi, dann Detroit

Chaos, Dreck und billige Kisten – das Autojahr 2008 beginnt mit einer Messe, die so ganz anders ist als gewöhnliche Autoausstellungen. Auto Expo in Neu Delhi. Hauke Schrieber ist für uns vor Ort.



Der Smog liegt wie dichter Nebel über der Stadt. Die Millionenmetropole Delhi ist eine einzige riesige Umweltzone, in der jedes Fahrzeug tun und lassen kann, was es will. Verkehrsregeln scheint es nicht zu geben, Fahrbahnmarkierungen sind schlichte Verschwendung von weißer Farbe. Es herrscht automobile Anarchie. Wo sonst könnte das Autojahr 2008 besser starten als in dem selbsternannten Autoland der Zukunft? Indien lädt zur 9. Auto Expo – und fast alle kommen. Am ersten offiziellen Pressetag sieht das Messegelände im Osten der Stadt aus wie eine Mischung aus Müllhalde, Basar, Vergnügungspark und der Landesmeisterschaft im Freilufthandwerken. Fast nichts ist fertig, es scheint, als seien die Inder davon überrascht worden, dass ihre alle zwei Jahre stattfindende Messe so plötzlich wieder losgehen soll. Männer, Frauen und Kinder werkeln mit Laubsägen, kleinen Pinseln und Reisigbesen vor sich hin. Das Verkehrschaos vor den Toren unterscheidet sich in nichts von den hupenden, drängelnden und stinkenden Autos, Tuk Tuks und Mofas in den Gassen zwischen den Hallen. Ein Audi A6 wartet darauf, in Halle 15 geschoben zu werden, ein bettelndes Kind sitzt im Weg. Obdachlose finden auf dem Rasen neben Halle sieben einen Platz zum Schlafen.

Motto der Messe: "Mobility 4 all", Mobilität für alle – auf vier Rädern

Klein und schnittig: Die Studie A-Star zeigt, wie Suzuki mit Partner Maruti die indische Jugend mobil machen will.

Autos werden ganz nebenbei auch gezeigt. Das Motto der Messe lautet: "Mobility 4 all", Mobilität für alle, und zwar auf vier statt auf zwei oder drei Rädern. Volkswagen hat den indischen Markt lange verschlafen. Jetzt wollen sie aufholen, zeigen die Studie Up! sowie ihre Modellpalette vom Jetta an aufwärts. Das Interesse ist noch gering. Tochtermarke Skoda ist da viel weiter. Der Superb dominiert hier seit Jahren die indische Oberklasse. Heute wird den Indern der neue Fabia vorgestellt. Halle zehn ist rappelvoll. "Der Fabia wird hier ein Riesenerfolg", ist sich der indische Autofachmann Yogendra Pratap sicher. Eine Weltpremiere gibt es ebenfalls. Suzuki zeigt die Studie A-Star. Rote Wimpern, rote Außenspiegel, rote Boomerangs als Rücklichter – so stellen sich die Japaner, die in Indien mit Maruti kooperieren, das Auto für die hippe Jugend auf der Welt vor; made in India. Das Serienmodell dazu soll Ende des Jahres auch nach Europa kommen.

Für Donnerstag steht die Vorstellung eines der derzeit spannendsten Autoprojekte auf dem Plan: Tata wird sein "people's car" (Volksauto) präsentieren. Beim One-Lakh-Car ist der Name der Preis: Ein lakh sind 100.000 Rupien, rund 1700 Euro. Wie das billigste Auto der Welt aussieht, darüber wird spekuliert, seit AUTO BILD im September 2006 nach eigenen Recherchen eine erste Computerzeichnung anfertigte. Eine Antwort auf Tata gab es in Delhi bereits gestern: Der Zweiradhersteller Bajaj zeigte mit dem Modell "Lite" seine Version eines Billigautos. Auch der Eintritt zur Auto Expo ist günstig, Ticketpreise beginnen bei umgerechnet einem Euro. Rund 1,3 Millionen Gäste werden ab dem 11. Januar erwartet. Mehr als auf der IAA.

Autor: Hauke Schrieber



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