Auto-Zustellservice

Die Auto-Butlerin Die Auto-Butlerin

Auto-Zustellservice

— 27.08.2002

Die Auto-Butlerin

Bitte schön, Ihr Wagen steht bereit. Christina Jürgens hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Kreuz und quer durch Europa liefert sie Testwagen aus. Ein Traumjob mit Termindruck.

Traumjob mit Traumautos

Porsche Carrera 4 S, Smart Crossblade und ein Mercedes Pagoden-SL: Der Fuhrpark von Christina Jürgens aus Besigheim bei Stuttgart kann sich wirklich sehen lassen. Traumautos und Spaßgefährte sind aber nicht nur Hobby, sondern auch ihr Beruf. Wer die 37-Jährige in den Reihen der hochglanzpolierten Wunderwagen sieht, mag neidisch werden. "Aber das alles ist hart erarbeitet", sagt Jürgens, um die Neugier ihrer Zuhörer zu steigern. Wie kommt man an eine derartige Fahrzeug-Sammlung? Sie lacht: "Ich sammle die Autos ja nicht, ich liefere sie nur."

Christina Jürgens ist Auto-Butlerin; eine, die ihren Kunden Neuwagen und Oldtimer gewaschen, gesaugt und getankt vor die Tür stellt. "Ein Traumjob mit Traumautos", schwärmt sie. Dass ihr die Wagen nicht gehören, stört sie dabei weniger. Kein Wunder: In Porsche-Modellen und Autos aus dem DaimlerChrysler-Konzern hat sie mehr Kilometer zurückgelegt als das Gros ihrer Auftraggeber. Rund 80.000 Kilometer kommen pro Jahr zusammen. Welcher 911-Fahrer schafft die schon? "Fahrzeugüberführungen und Presse-Dienstleistungen" steht auf ihrer Visitenkarte. Das klingt nüchtern, fast (be)amtlich. Doch dahinter steckt ein hoch emotionaler Service. Denn entscheidend ist die perfekte Ablieferung der Autos beim Empfänger. Nicht einmal eine Mücke darf auf der Frontscheibe kleben.

"Unsere Kunden bekommen die Fahrzeuge wie aus dem Schaufenster", sagt Jürgens. Meistens sind es Fotografen, denen sie einen Testwagen anliefert. Stehen zum Beispiel Werbeaufnahmen an der Côte d’Azur an, werden die Autos wie auf roten Kissen präsentiert. Makellos eben. Die Felgen müssen blitzen, der Lack muss glänzen und jeder Krümmel aus den Polstern gesaugt sein. Dabei ist der Staubsauger eigentlich nicht Jürgens starke Seite. Die leidenschaftliche Autofahrerin bremste sich vor 18 Jahren eher ungewollt in ein braves Familiendasein. "Ich wurde Hausfrau, hatte mich schon mit einem Leben zwischen Herd und Hund abgefunden", erinnert sich die geschiedene Mutter eines 21-jährigen Sohnes. Doch dann brachte sie ein Zufall auf die Überholspur.

Flexibilität, Pünktlichkeit und Vertrauen

Jürgens brauchte ein neues Auto, telefonierte Kleinanzeigen ab und landete zur Probefahrt in einem WV Golf II. Was sie nicht wusste: Der Verkäufer war Mercedes- Mitarbeiter und so beeindruckt von ihren Fahrkünsten, dass er sie fragte, ob sie nicht Lust hätte, ein Werksauto von Hamburg in die Untertürkheimer Fabrik zu bringen. "Klar hatte ich Lust", erinnert sich Jürgens und staunte nicht schlecht, als ihr in der Hansestadt ein Autoredakteur die Schlüssel für einen Mercedes SL in die Hand drückte. Der Rest klingt wie ein Märchen. Aus einem Auto wurden viele, aus dem Gelegenheitsjob eine Tellerwäscher-Karriere. Ihre Auftraggeber und Kunden waren zufrieden.

"Viele fanden’s gut, dass eine Frau diesen Job macht", wundert sich Jürgens. 1994 folgte der Schritt zur Firmengründung. "pro-Drive" taufte sie ihren Betrieb, in dem sie inzwischen 35 Überführungsfahrer beschäftigt. "Bevor einer im Porsche losdarf, muss er sich hochdienen", sagt Jürgens. Erst Smart, dann Mittelklasse. Nur wer sich bewährt, fährt Elfer. "Neue Mitarbeiter prüfe ich durch Gespräche und eine Probefahrt persönlich, ob sie sich für den Job eignen." Strafzettel sieht sie gar nicht gern. Wer einen kassiert, kriegt Probleme mit der Chefin. Null Punkte habe sie in Flensburg und erhebt die reine Weste zur Voraussetzung für ihren Profijob.

Flexibilität, Pünktlichkeit und Vertrauen sind ihre wichtigsten Grundsätze. Oft muss sie nämlich kurzfristige Notnagel-Aktionen bewältigen. Drei Mercedes bis morgen nach Sizilien? Kein Problem. "Dann wird Tag und Nacht gefahren." 4300 Auto bewegt pro-Drive jährlich. Nicht nur zwischen Palermo und Polarkreis, sondern auch in heikler Mission. Beispielsweise einen Erlkönig zum Zulieferer bringen. Oder eine geheime Neuerscheinung zum Fotostudio. Oder mit einem Prototyp in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Kilometer fahren. Und das bei Eis und Schnee. Jürgens: "Unsere Unfallquote liegt trotzdem nur bei 0,001 Prozent." Darum machen nicht nur ihre Kunden vor der Autobutlerin einen tiefen Diener.

Kontakt: pro-Drive, Hartweg 25, 74354 Besigheim, Telefon 0 71 43/ 83 00 64, Telefax 0 71 43/ 83 00 65, E-Mail: info@pro-drive.de, www.pro-drive.de

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