Autobahnraser-Urteil in zweiter Instanz

Autobahnraser-Urteil in zweiter Instanz

— 29.07.2004

Ein Jahr auf Bewährung für Rolf F.

Der "Karlsruher Autobahnraser" wurde in zweiter Instanz zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Das Echo aufs Urteil ist unterschiedlich.

Der Karlsruher Autobahnraser Rolf F. ist im Revisionsverfahren wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Das Landgericht Karlsruhe sprach den 35-jährigen DaimlerChrysler-Ingenieur am Donnerstag schuldig, durch Drängelei auf der Autobahn 5 den Tod von zwei Menschen verursacht zu haben. Das Gericht entzog dem Mann für mindestens ein Jahr die Fahrerlaubnis.

Nach sieben Verhandlungstagen sahen es die Richter als erwiesen an, dass der Angeklagte am 14. Juli 2003 mit hoher Geschwindigkeit äußerst dicht auf einen Kleinwagen aufgefahren war. Die 21-jährige Fahrerin hatte vor Schreck die Kontrolle über ihr Auto verloren, der Wagen kam ins Schleudern und prallte gegen eine Baumgruppe – die junge Mutter und ihre zweijährige Tochter waren sofort tot. Das Amtsgericht Karlsruhe hatte im Februar in erster Instanz anderthalb Jahre Haft ohne Bewährung verhängt. Gegen das Urteil des Landgerichts kann der Angeklagte Revision beim Oberlandesgericht Karlsruhe einlegen. Der Mann beteuerte stets seine Unschuld, sein Verteidiger hatte einen Freispruch beantragt.

Derweil hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) das Raser-Urteil als "unangemessen nachsichtig" kritisiert. "Wenn ein Gericht wie im Falle des rasenden Testfahrers eindeutig die Schuld des Angeklagten feststellt, sollte die Strafe das auch zum Ausdruck bringen", sagte der VCD-Vorsitzende Michael Gehrmann. "Schließlich ist Raserei mit Todesfolge eine schwerwiegende Straftat." Das Urteil stehe "in der schlechten Tradition vergleichbarer Fälle, die lebensbedrohliche Verkehrsvergehen als Kavaliersdelikte erscheinen ließen", erklärte der VCD. Zur Abschreckung sei ein dauerhafter Entzug des Führerscheins erforderlich. Neben solchen Bestrafungen sei aber auch die Politik mit Tempolimits gefordert, um die Zahl der Verkehrstoten auf null zu senken.

Der ADAC begrüßte dagegen das Urteil. "Ich glaube, dass dies eine Warnung für Autofahrer ist und das Urteil eine Präventiv-Wirkung hat", sagte der Chefjurist des ADAC in München, Eckhart Jung. Von dem Urteil gehe ein klares Signal aus, dass im Straßenverkehr "Rücksichtnahme und nicht Rowdytum" gefordert sei. Das Strafmaß bewege sich in einem angemessenen Rahmen.

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