autobild.de beim Trinkversuch

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— 31.08.2006

Promille-Jagd

104.000 Autofahrer mussten 2005 zur MPU – die meisten wegen Alkohol am Steuer. Ab wie vielen Bieren wird es brenzlig? Ein Selbstversuch.

Alkohol im Dienst? Eigentlich streng verboten. Diesmal aber ist's erwünscht, denn der TÜV SÜD und die Pluspunkt GmbH haben autobild.de zur "MPU hautnah" geladen – ein Pressegespräch zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung mit "anschließendem Trinkversuch", so die Einladung.

Eine perfekte Gelegenheit also, um ein wenig Licht in die ewige Diskussion um Promille-Grenzen und Fahrtauglichkeit unter Alkoholeinfluss zu bringen. Wie viel Alkohol muss ich überhaupt trinken, um einen Blutalkoholwert von 0,5 Promille zu erreichen? Wie viele Biere in mich hineinschütten, um "MPU-Kandidat" zu werden? Ein MPU-Gutachten ist unter anderem dann erforderlich, wenn jemand mit einer Blutalkoholkonzentration von 1,6 Promille oder mehr ein Fahrzeug durch den Straßenverkehr steuert und dabei erwischt wird, lerne ich. Das wird mir nicht passieren. Oder vielleicht doch? Wir werden sehen.

18.30 Uhr. Als Tatort für das professionelle Trinkgelage dient eine schummrig-schöne Hamburger Kino-Lounge. Noch bevor der erste Drink meine Kehle hinuntergleitet, absolviere ich einen siebenminütigen Konzentrationstest an einem Fahrsimulator, der bei der MPU eingesetzt wird. Ziel der Übung: Während ich auf einem Monitor virtuell durch eine Großstadt tuckere, soll ich immer dann bremsen, wenn eine blaue Raute auf dem Bildschirm erscheint – alle anderen geometrischen Figuren sind zu vernachlässigen. Noch völlig nüchtern meistere ich diese Fahrt fehlerfrei und bekomme sogar Lob für meinen Reaktionswert: "Für ihr Alter (32) äußerst akzeptabel!" Die erste Etappe ist also geschafft, nüchtern bin ich straßentauglich. Immerhin.

Der erste Konzentrationstest verläuft vorbildich: Sicher steuere ich mein virtuelles Auto durch die Straßen Wiens.

18.45 Uhr. Jetzt geht's richtig los: Der erste Weißwein wird vernichtet, drei leckere 0,3-Liter-Bierchen wandern hinterher. Punkt 19:30 Uhr bin ich bereit zur ersten Blas-Attacke am Alkomaten. Als Hobby-Posaunist hole ich alles aus meinen Lungen raus: 0,34 Promille. Würde ich jetzt in mein Auto steigen und einen Unfall verursachen, wäre ich wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung dran (Grenzwert: 0,3 Promille). Bei einer routinemäßigen Verkehrskontrolle dürfte ich jedoch weiterfahren. Erstaunlich; ich fühle mich nämlich schon ziemlich "angetüdelt".

Aber egal: Ich lasse mir in Windeseile zwei weitere Gerstensäfte munden, die meisten meiner schreibenden Kollegen ziehen brav mit. Fünf Biere und einen Weißwein in einer guten Stunde. Erneutes Blasen: 0,58 Promille. Die in Deutschland erlaubte Grenze ist überschritten! Meine persönliche auch – ich lalle schon leicht! Bußgelder und Fahrverbote wären ab jetzt hinterm Steuer eine nicht zu vernachlässigende Thematik.

Glasiger Blick, hängende Schultern: Nach fünf Bieren und einem Wein verläuft der Test bereits recht holprig.

Dies zeigt sich wenig später am Fahrsimulator. Plötzlich meine ich, am Bildschirm das Haus meiner Schwester in München erkannt zu haben und gehe vom Gas. Mist – und das ohne blaue Raute auf dem Bildschirm. Konzentration, Herr Pieritz! Die restliche Strecke meistere ich ohne weitere Fahrfehler, wenn auch mit deutlich schlechteren Reaktionswerten als in nüchternem Zustand. "Der Simulator führt übrigens durch Wien und nicht durch München", werde ich behutsam aufgeklärt – und jetzt ist meine Konfusion perfekt. Der böse, böse Alkohol! Eigentlich wäre es Zeit, nach Hause zu gehen, sagt die Vernunft. Aber ich muss weitermachen, meinen redaktionellen Trink-Auftrag erfüllen.

21.30 Uhr. Nach acht Gläsern Bier, einem Glas Weißwein und gemessenen 0,85 Promille in knapp drei Stunden gebe ich auf. Eine letzte Fahrt am Simulator erspare ich mir und dem TÜV-Team. Immerhin habe ich jetzt mit meinen eigenen Gleichgewichts- und Sprachproblemen zu kämpfen und will mich nicht auch noch zusätzlichen technischen Herausfoderungen stellen. Um die magische Marke von 1,6 Promille zu knacken, müsste man mir wohl eine intravenöse Alkohol-Infusion legen. "Nicht nötig, weitere zwölf Biere à 0,25 Liter würden es auch tun", versichert mir Diplom-Psychologe Thomas Wagenpfeil, der früher selbst MPU-Gutachter war. Oha, das will ich den Veranstaltern dann doch nicht antun. Und mir schon gar nicht! Völlig platt verlasse ich die Bar und setze mich ins nächstbeste Fahrzeug. Die U-Bahn.

Persönliches Fazit: Alkohol ist ein Teufelszeug – erst recht hinterm Steuer! Und um diesen unsäglichen Rechenspielen aus dem Weg zu gehen, empfehle ich dringend, das Auto nach dem Genuss von Alkohol stehen zu lassen. Egal, wie viel man sich gegönnt hat.

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