Studie ber Autofahrerprofile

Autofahrerprofile

— 11.05.2004

Durchleuchtet: Der deutsche Autofahrer

Martkforscher haben in einer neuen Studie die Autorepublik Deutschland untersucht und kamen zu erstaunlichen Ergebnissen.

150.000 Datenstze zu 73 Charts verdichtet

Kann schon sein, dass bald die ein oder andere Vorstands-Limousine durch Alfter rollt. Oder durch Meckenheim, Ruppichteroth und Windeck oder irgendeine andere Gemeinde im Rhein-Sieg-Kreis. Die Bosse der Autokonzerne knnten unter den 591.000 Einwohnern jedenfalls etwas Interessantes entdecken: ihren typischen Kunden, den durchschnittlichen deutschen Autofahrer. Der lebt nmlich hier, hier im Rhein-Sieg-Kreis bei Kln.

Das ist eine der vielen Erkenntnisse aus dem neuen "Pkw-Markt-Atlas Deutschland", den die Beratungsfirma R.L. Polk Marketing Systems erstellt hat. Ein dicker Wlzer aus Zahlen, Daten und Fakten, der den deutschen Autofahrer von vorn bis hinten durchleuchtet und sein Kaufverhalten. "Wir haben knapp 150.000 Datenstze aus den Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes zu 73 Charts verdichtet", erklrt Ulrich Winzen (48), Marktforscher bei Polk. Heraus gekommen ist eine spannende Analyse der Autorepublik Deutschland, ihrer Besonderheiten und ihrer Vorlieben in den einzelnen Regionen. Man kann da zum Beispiel nachlesen, dass die Mnsteraner ganz verrckt nach Kombis sind oder dass Baden-Baden das reinste Offroader-Paradies ist. Dass Prignitz die Ford-Hochburg Nummer eins ist. Und noch viel, viel mehr.

Da Privatleute das Werk nicht kaufen knnen (Polk arbeitet ausschlielich fr Autokonzerne, Hndler und Zulieferer), druckt AUTO BILD die interessantesten Daten, Fakten, Diagramme und Erkenntnisse der Studie hier fr Sie ab. Sie knnen ber die Zahlen staunen, schmunzeln, streiten. Nur ein Tipp: Grbeln Sie ber die Sache mit den vielen Kombis in Mnster nicht zu lange, denn es bringt sowieso nichts. "Ich habe auch lange und erfolglos ber den Grund nachgedacht", sagt Marktforscher Winzen, "es gibt offenbar Dinge, die sich einfach nicht erklren lassen." Da hilft wohl nicht mal ein Besuch im Rhein-Sieg-Kreis.

Die grten Automuffel leben in Berlin

Wir wollen ja niemandem zu nahe treten, liebe Berliner, aber in Sachen Autokonjunktur ist die Hauptstadt nicht gerade na, sagen wir mal besonders hilfreich: Etwa 24 Neuzulassungen pro 1000 Einwohner das ist deutlich unter dem Durchschnitt (39,3).

Selbst in den nicht gerade reichen Bundeslndern Brandenburg und Mecklenburg liegt die Quote deutlich hher. Wobei wir den Berlinern eines mal zugute halten wollen: In einer Grostadt ist der ffentliche Nahverkehr natrlich deutlich besser ausgebaut als in einem Flchenland wie Niedersachsen oder Bayern und umso geringer die Notwendigkeit fr ein neues Auto.

Das Paradies fr die Autokonzerne liegt dagegen an der Elbe: 77 Neuzulassungen pro 1000 Einwohner, das sprengt fast den Rahmen der Tabelle und lsst auch das zweitplatzierte Hessen klar hinter sich.

Aber auch hier wollen wir den Ball mal etwas flacher halten: Das gute Ergebnis fr die Hansestadt kommt zum Teil auch dadurch zustande, dass viele Flotten- und Vermieterfahrzeuge hier zugelassen werden.

Niedersachsen sind treu

Es soll ja Ecken geben in dieser Welt, wo die Marke "made in Germany" noch etwas zhlt. Niedersachsen scheint einer dieser Winkel zu sein, Hamburg auch.

In keinen anderen Bundeslndern haben die Importeure geringere Marktanteile, mithin die deutschen Hersteller die besten Karten im Automarkt. Wenn man dann mal schaut, in welchem Teil Niedersachsens diese Treue besonders stark ist, dann kennt man auch schon den Grund dafr: Es ist der Kreis Wolfsburg der "VW-Effekt" also.

Ganz anders sieht die Sache im Saarland, in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern aus: Nirgendwo sonst gehen die Autofahrer so viel fremd bei auslndischen Marken (deren Anteil im Durchschnitt in Deutschland brigens bei 35,6 Prozent liegt).

Der Grund drfte im Saarland an der Nhe zu Frankreich liegen, in den beiden anderen Fllen an der im Osten oft eher pragmatischen (und weniger markenfixierten) Entscheidung beim Autokauf.

Die Bremer stehen auf Renault

Mit 400 Quadratkilometern ist Bremen das kleinste Bundesland der Republik aber fr Renault das wichtigste. Nirgendwo sonst in Deutschland haben die Franzosen hhere Marktanteile (ca. neun Prozent). Wobei auffllt, dass die Strken und Schwchen dieser Marke relativ gleich stark ber die Bundeslnder verteilt sind.

Ganz im Gegensatz zur tschechischen Marke Skoda, die mit Sachsen-Anhalt, Thringen, Sachsen und Brandenburg vor allem im Osten auf Touren kommt. Auch auffllig: BMW und Peugeot sind jeweils nur in einem einzigen Bundesland so richtig stark bei ihnen konzentriert sich (fast) alles auf Bayern bzw. das Saarland.

Bayern und Bremer lieben den Luxus

Wo kein Geld ist, muss man nicht lange nach Luxus suchen so ist es wohl kein Wunder, dass die Luxusklasse in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern eher schwach vertreten ist.

Erstaunlich dagegen: Hinter Bayern belegt das ja nun auch nicht gerade besonders strukturstarke Bremen bei den Marktanteilen der Luxusklasse Platz zwei, gefolgt von Berlin und Niedersachsen. Der Schnitt aller Lnder liegt in dieser Klasse allerdings nur bei 1,1 Prozent.

Auch die Saarlnder tauchen schon wieder an der Spitze einer Statisik auf: Nirgendwo sonst ist der Marktanteil der Kleinwagen so hoch nmlich knapp acht Punkte ber dem deutschen Durchschnitt von 20,6 Prozent, was sich sicherlich mit der Modellpalette der Saarland-Hausmarke Peugeot erklren lsst. Auch die Thringer mgen es gerne klein, wogegen man sich in Hamburg eher an die goldene Mitte hlt: Die Mittelklasse ist in der Freien und Hansestadt sehr stark vertreten.

Die Deutschen und ihr Flieheck

Eines vorweg: Wir Deutschen sind ein einig Volk von Fliehecklern.

Denn: Das typische deutsche Auto kommt aus der unteren Mittelklasse und hat besagtes Flieheck. Richtig spannend wird es aber, wenn man sich mal die Verteilung der Aufbauarten in den einzelnen Kreisen anschaut. Denn dann stellt man fest, dass Kombis in Mnster sagenhafte 46 Prozent Marktanteil haben (Schnitt: 20,9 Prozent), dass Bblingen (dank Smart fortwo Cabrio und Smart roadster) vor dem Hoch-Taunuskreis die deutsche Cabrio-Hochburg berhaupt ist und dass Offroader nirgends so beliebt sind wie in Baden-Baden und Weienburg-Gunzenhausen (Mittelfranken). Warum und wieso, das wei keiner.

Relativ leicht erklren lsst sich dagegen, warum der Marktanteil der ja ohnehin nicht gerade weit verbreiteten Coups in Wolfsburg besonders niedrig ausfllt. Um es mal vorsichtig auszudrcken: Das Modellangebot von VW ist in Sachen Coup ja eher noch ausbaufhig ...

Prignitz stellt die Hitliste auf den Kopf

Im Grunde msste Ford-Chef Bernhard Mattes sofort in die Mark Brandenburg reisen und jedem der 91.658 Einwohner des Landkreises Prignitz persnlich die Hand schtteln.

Dort ist Ford nmlich unangefochtene Nummer eins bei den Neuzulassungen. Zum Vergleich: In ganz Deutschland lagen die Klner 2003 nur auf Platz fnf. Interessant auch: In Prignitz taucht Mercedes-Benz (in Deutschland Platz zwei hinter VW) unter den ersten zehn Marken gar nicht auf.

Trost fr die Stuttgarter: In Dsseldorf hat Mercedes von VW Platz 1 in der Markenhitliste bernommen. Da knnte man also auch mal zum Bedanken vorbeischauen ...

Autor: Alex Cohrs

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