Autohandel im Internet

Betrüger am Bildschirm Betrüger am Bildschirm

Autohandel im Internet

— 21.01.2005

Betrüger am Bildschirm

Mit neuen wie alten Tricks gehen Online-Abzocker auf Kundenfang.

Betrug von früher im Internet von heute

Roß-Täuscher, Gebrauchtwagen-Ganoven, Internet-Betrüger – die Namen wechseln, das Gewerbe bleibt. Und damit der Versuch, seit mehr als 1000 Jahren ehrlichen Käufern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das war beim ersten Pferdehändler so, der das graue Fell seiner Tiere färbte.

Und ist nicht anders beim Online-Anbieter, der inszenierte Fotos seiner Autos ins Internet stellt. Deswegen ist das Schlagwort vom "Internet-Betrug" nicht ganz korrekt, denn die Betrugsmaschen ähneln denen von früher. Einziger Unterschied: Die Kontaktaufnahme zwischen Käufer und Verkäufer erfolgt heute meist übers Internet statt über Zeitungsannoncen oder Telefon.

Vor allem zwei Maschen tauchen im Auto-Internet-Handel regelmäßig auf: Lockangebote, mit denen eine Gebühr oder Vorauszahlung ergaunert werden soll. Und klassische Betrugsangebote, bei denen das Schnäppchen-Fahrzeug versteckte Mängel hat oder sogar gestohlen wurde.

Geklaute Autos gibt es auch online

Der Trick mit Diebstahl-Autos grassierte vergangenes Jahr in Berlin. Übers Internet wurden geklaute Fahrzeuge mit gefälschten Papieren und Zulassungen angeboten. Die gutgläubigen Käufer erfuhren erst beim Ummelden im Verkehrsamt, daß ihr Traumauto gestohlen war. Name und Anschrift des Verkäufers in der Internetanzeige waren falsch, die Handynummer gab es nicht mehr. "Offenbar fühlen sich Abzocker im anonymen Web sicherer als bei Annoncen in der Zeitung", mutmaßt Marcus Schmöcker, Leiter der Zulassungsstelle Berlin-Kreuzberg.

Den umgekehrten Fall gibt es natürlich auch: Abzocke über Internet-Makler. Der verkauft zwar das Auto, zahlt aber nie den Kaufpreis aus. Besonders "e-racer" oder "Autohaus für Privatanbieter" (www.autos-von-privat.de) ist dabei negativ aufgefallen. Ein Anbieter, der mehrfach seinen Namen wechselte – nur der Geschäftsführer blieb immer derselbe (AUTO BILD 46/2004).

Nicht weniger krumm sind die Geschäfte von Hinterhofhändlern als Privatanbieter. Damit wollen sie die gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistung umgehen, die ihnen bei zurecht gebastelten Kisten um die Ohren fliegen würde. Verkauft wird das Kfz deshalb über Freunde oder Verwandte als Privatfahrzeug.

Solche Autos sind häufig bei Ebay-Auktionen aufgefallen. Zusätzlich treiben die Betrüger im Komplott den Preis für ein Fahrzeug hoch, wenn sich ein ahnungsloser Interessent gefunden hat. Im billigsten Fall ist nur das Spritgeld für die Vorab-Besichtigung des vorgeblichen Traumwagens futsch, im schlimmsten Fall wird der Zuschlagspreis für eine geschönte Schrottlaube fällig.

Vorsicht bei Gebühren oder Beiträgen

Noch hinterlistiger sind betrügerische Zeitgenossen, die den Autokauf oder –verkauf vortäuschen. Oder sogar kostenlose Autoangebote auf ihren Internetseiten anbieten. Ihnen geht es nur um die Gebühr, kostenpflichtige Mitgliedschaft oder Anzahlung, die der Interessent natürlich vorab zahlen muß. Die Summe wird einkassiert – und im schlimmsten Fall der Laden dann schnell dicht gemacht, wenn ein paar Millionen ergaunert sind.

Zuletzt machten kritische autobild.de-Leser auf den Gebühren-Trick von www.gratisneuwagen.de/www.gratisfahrzeuge.de aufmerksam. Dort wird suggeriert, man könnte für insgesamt 99,90 Euro kostenlos zwei Jahre lang einen mit Werbung beklebten Neuwagen fahren. Nur eine Anmeldegebühr von 49,90 Euro wird vorab fällig für den – eher unwahrscheinlichen – Fall, daß jemand eine falsche Adresse angibt.

Erst im Kleingedruckten (AGB) wird deutlich, daß es keine Garantie für einen kostenlosen Neuwagen gibt. Das ist zwar nicht kriminell, aber ein faules Versprechen, mit dem Kunden geködert werden. Zwar soll das Geld bei Nicht-Vermittlung zurückgezahlt werden. Doch solange behält der Makler die Gebühr als kostenlosen Kredit – und kann damit zumindest Zinsen erwirtschaften. Bei einigen tausend Anmeldungen ein hübsches Sümmchen, ohne ein einziges Auto vermitteln zu müssen.

Unter derselben Postanschrift wie www.gratisneuwagen.de firmiert auch www.balticcars.de, es gibt sogar einen Link zwischen den beiden Seiten. Balticcars versucht es mit der Vorkasse-Methode: Der Autokäufer bestellt ein Fahrzeug mit sechs Monaten Lieferfrist bei einem Händler und überweist 55 Prozent des Kaufpreises an Balticcar. Wird der Wagen geliefert und die Kaufsumme fällig, zahlt Balticar die komplette Summe – die sich aus der Anzahlung (55) plus Zinsertrag (45) auf 100 Prozent des Kaufpreises errechnet. Traumhafte 80-Prozent-Rendite. Schade, daß so ähnlich Versprechungen von Anlagebetrügern klingen.

Beliebt ist auch die Masche mit dem Mitgliederbeitrag, wie bei www.emotion-world.de und www.fastkostenlosautofahren.de. Da werden 150 oder 350 Euro fällig, um einem Club beizutreten, der Autofahren fast kostenlos machen und noch Prämien bringen soll. Der Haken: Man muß weitere Mitglieder werben, die wiederum Mitglieder werben. Ein Schneeballsystem. Verboten, weil nur die ersten Mitglieder Geld verdienen, die Kette rasch zusammenbricht. Gegen eMotion World ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz.

Ganz dubiose Zahlungsmethoden

Außerdem gibt es Telefon-Abzocker mit Annoncen im Internet, bei denen der gutgläubige Käufer oder Verkäufer die Telefonnummer eines Interessenten zurückrufen soll. Die beginnt mit einer Vorwahl wie 0137, 0180 oder 0190 – eine kostenpflichtige Servicenummer, hinter der natürlich kein Käufer steckt. Sondern ein Betrüger, der seine Nummer mit der internationalen Vorwahl für Deutschland (00 49) tarnt oder die Nummer so raffiniert aufschreibt, daß Unwissende drauf reinfallen (z.B. 0049/ 1377 700 700 oder 01377/ 700 700 statt 0137/ 7700 700).

Damit solche Betrugs-Anzeigen bei den einschlägigen Gebrauchtwagenbörsen nicht sofort auffallen, wird immer öfter eine scheinbar echte Telefonnummer inseriert, zum Beispiel für Hamburg 040/ 111 111 111. Versucht ein Kaufinteressent diese Nummer, gibt es natürlich keinen Anschluß. Meldet er sich dann per Mail, wird eine teure Abzocker-Telefonnummer als Rückrufanschluß per Antwort-Mail verschickt. So fällt der Betrüger bei den Webmastern der Autobörsen nicht auf.

Lehrgeld zahlen mußte auch Jürgen H. aus Hersbruck, der dem Vermittler-Trick des Internet-Automaklers www.eurocarmobil.de auf den Leim ging. Für die Vermittlung seines Dreier BMW mußte er 89 Euro Gebühr zahlen. Bei Nicht-Vermittlung Geld-zurück-Garantie, so das Versprechen. Darauf wartet H. immer noch.

Noch dreister agieren Scheckbetrüger, die im Internet Autos kaufen, dann zu hoch ausgestellte Schecks schicken und eine Banküberweisung des zuviel gezahlten Betrags fordern – die nicht gedeckten Schecks fliegen erst später auf. Unsicher sind auch Geldtransfers über Western Union Financial oder Zahlungen per Bankgarantie oder Treuhandkonto, wie sie der Internet-Autohändler Bamima auf Mallorca forderte (AUTO BILD 48/2000). Aktuell ist mit dieser masche www.2car4one.com mit Firmenadresse in Gibraltar aufgefallen – vor der bereits die ARBÖ warnte (Auto-, Motor,-und Radfahrerbund Österreich). "Wer beim Autokauf in finanzielle Vorleistung tritt, trägt auch immer das Risiko", warnt Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg. Und das gilt im Internet wie auf der Straße.

Tips vom Anwalt – Indizien für Betrüger

"Grundsätzlich gilt für den Autokauf über das Internet gleiches Recht wie bei einem normalen Kauf, vor allem bei Klagen zum Beispiel wegen versteckter Unfallschäden. Besonderheit: Wer online vom Händler ein Auto ersteigert oder kauft, hat ein zweiwöchiges Widerrufsrecht. Das gilt nicht beim Kauf von privat.

Zugesicherte Eigenschaften in Internetanzeigen muß ein Auto haben. Sonst muß der Käufer den Wagen nicht nehmen und bezahlen. Ein Gewährleistungsausschluß für ein Fahrzeug durch einen Händler ist unwirksam, daran ändert auch das Internet nichts. Diesbezügliche Hinweise auf das Fernabsatzgesetz oder das Auktionsrecht sollen Käufer lediglich von ihrem Anspruch abhalten. Gleiches gilt für Händler, die sich als Privatanbieter tarnen. Sie müssen ebenfalls Gewährleistung geben." Rechtsanwalt Jörg Elsner, Hagen

Indizien für unseriöse Angebote

Wer ein tolles Angebot im Internet findet, sollte auf jeden Fall mißtrauisch sein und den Anbieter gründlich überprüfen. Auch über Diskussionsforen finden sich oft Teilnehmer, die bereits Erfahrungen mit dem Verkäufer gemacht haben und berichten können.

Hinweise für mutmaßliche Betrugsangebote sind • lediglich eine Handynummer als Kontakt • Privatverkauf, aber Fotos vom Händlerhof • Fotos weichen stark vom Autozustand ab • Privatangebot mit Händlerlogo am Nummernschild • Beschreibung mißverständlich, unklar, vage • Forderung von Anzahlungen oder Gebühren für die Vermittlung von Autos • ungewöhnliche Hinweise wie "Auto nicht gewaschen", "Bastlerauto", "Schönheitsfehler" • kein Impressum auf Webseiten mit Firmendaten, Makler-Angebote mit unklaren AGBs.

Vor allem bei Ebay-Anbietern beachten: • negative Bewertungen • viele positive Bewertungen in kurzer Zeit • Neueinsteiger ohne Bewertungen • andere Artikel/Autos des Anbieters (Händlerverdacht).

Mißtrauen ist auch angebracht wenn • Verkäufer ist nicht im Fahrzeugbrief eingetragen, unklar, wie er zu dem Auto gekommen ist • vorherige Besitzer laut Kfz-Brief sind nicht zu ermitteln und zu erreichen • keine weiteren Papiere wie Rechnungen oder Scheckheft zum Auto-Lebenslauf verfügbar • typische technische Auffälligkeiten wie Rost, unregelmäßiger Lack, verschiedene Reifenprofile montiert, etc. – im Zweifel einen Sachverständigen oder Kfz-Fachmann befragen.

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