Autohandel nach der EU-Reform

Autohandel nach der Monti-Reform

Autohandel nach der Monti-Reform

— 18.07.2002

Abschied vom Familienbetrieb

Sinkende Betriebskosten, aber auch weniger Mittelstandsbetriebe prognostiziert Auto-Experte Professor Ferdinand Dudenhöffer als Folge der neuen Monti-Regeln.

Konzentrationsprozess im Autohandel

Für Professor Ferdinand Dudenhöffer liegen die Vorteile der Gruppen-Freistellungsverordnung (GVO) von EU-Kommissar Mario Monti auf der Hand: "Die neue GVO stärkt den Wettbewerb und führt mittelfristig zu einer weiteren Verbesserung der Vertriebsstrukturen im europäischen Autogeschäft." Wettbewerb als Triebfeder für mehr Kosteneffizienz bedeute aber auch wirtschaftlich starke Autohäuser, so der Direktor des Center of Automotive Research (CAR) an der Fachhochschule Gelsenkirchen.

Das hat zwei Folgen: Erstens werden kleinere Autohändler vom Markt verdrängt. Auf Grund ihrer ungünstigen Kostenstruktur sind sie auf Dauer nicht überlebensfähig. Professor Dudenhöffer: "Unsere Vorstellung vom Autohandel als mittelständischer Familienbetrieb verliert in Zukunft an Bedeutung. Die Regeln im Handel werden in der Zukunft durch große Handelsketten geprägt. Aufgrund der besseren Fixkostenstruktur ist dies zum Vorteil des Kunden – dies hat Monti richtig erkannt." Zweitens werden durch diesen Konzentrationsprozess, der durch die alte GVO verzögert worden ist, die Vertriebskosten in den nächsten fünf bis sieben Jahren um zehn bis 15 Prozent sinken, kalkuliert das CAR.

Dies zeige auch ein Vergleich zwischen den USA und Deutschland. Während in Amerika der Durchschnitthändler eine Umsatzrendite nahe bei zwei Prozent erzielt, liege die Umsatzrendite im deutschen Autohandel deutlich unter ein Prozent. Dabei spielt auch die Größe der Betriebe eine Rolle. Während in Deutschland ein Autohaus im Durchschnitt 135 Neuwagen pro Jahr verkauft, sind es in England 395 und in den USA 780. Dabei ist berücksichtigt, dass im Durchschnitt der US-Autohändler zwei Marken in seinem Betrieb führt. Diese Mehr-Marken-Fähigkeit wird mit den neuen Monti-Regeln auch in den europäischen Automobilvertrieb einziehen. Die Erfahrung aus USA zeigt dabei, dass die "Suppe nicht so heiß gegessen wie gekocht wird", so Dudenhöffer. Der Mehr-Marken-Händler werde auch in Europa eher im Konzern-Verbund zu finden sein. Dudenhöffer: "Das kunterbunte Autohaus mit zehn oder mehr Marken wird also nicht kommen."

Sinkende Preise in Deutschland

Keinen Grund zur Sorge sieht CAR beim Neuwagenverkauf in Supermärkten. Da die "qualitative Selektion" weiterhin Gültigkeit habe, werde das Autohaus nicht mit Massa und Edeka zu verwechseln sein. Autos würden auch in Zukunft in Fachbetrieben und nicht zwischen Pampers und Pizzen verkauft. Die Qualität für den Kunden bleibe erhalten – im Service und im Verkauf. Aufgrund der hohen Preisunterschiede in Europa rechnet Dudenhöffer außerdem mit einer Preisanpassung in Europa. Davon profitiert der deutsche Autokäufer, da Deutschland bisher zu den Hochpreisländern in Europa zählt: Bei den Volumenherstellern wurde ein mittlerer Preisspielraum in Höhe von drei Prozent ermittelt.

In der Summe sei die Monti-Reform langfristig mit einem Kundenvorteil von bis zu fünf Prozent der Fahrzeugpreise in Deutschland verbunden. Bei Exklusivherstellern – BMW, Mercedes oder Porsche – seien die Preisunterschiede längst abgebaut. Und die Hersteller schon für die Monti-Vertrieb vorbereitet. "Diese Beispiele zeigen, dass die Preisanpassung in Europa für die Automobilhersteller machbar ist und die Industrie nicht vor unlösbare Probleme stellt", so Dudenhöffer.

Auch im Werkstattbereich führen die Monti-Regeln zu neuen Verhältnissen. Zum Beispiel können die Zulieferer jetzt ihre Ersatzteile als Originalteile verkaufen. Damit steigt der Druck auf das wichtige Ersatzteilgeschäft bei den Automobilherstellern, und die Autohändler verfügen neben dem Hersteller über eine weitere, preisgünstige Quelle zum Bezug der notwendigen Original-Ersatzteile. "Ob sich dies letztendlich in niedrigeren Werkstattpreisen für den Autofahrer auszahlt, lässt sich nach unserer Einschätzung nicht zweifelsfrei sagen", meint Dudenhöffer. Wahrscheinlich wird ein Teil der zu erwartenden Preissenkungen zur Verbesserung der Händlermargen im Autohaus genutzt.

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