Fertigung eines Mini

Autoindustrie in der Krise

— 29.10.2008

EU-Hilfe ist nah

Die Klagen der europäischen Autoindustrie scheinen in Brüssel Gehör zu finden: Nach Bitten um Kredite in Höhe von 40 Milliarden Euro kündigt die EU-Kommission nun ein Hilfsprogramm für die Wirtschaft an.

(dpa) Die EU zeigt Bereitschaft, der europäischen Autoindustrie aus der Klemme zu helfen: EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kündigte jetzt einen "umfassenden Plan für einen Wirtschaftsaufschwung in Europa" an, der am 26. November 2008 vorgelegt werden soll. Industriekommissar Günther Verheugen unterstützte die Forderung der Autoindustrie nach Krediten von 40 Milliarden Euro für die Entwicklung sparsamerer Fahrzeuge. Barroso seinerseits kündigte an, die Kommission prüfe, ob die Verwirklichung großer Infrastrukturprojekte, für die bis 2013 bereits 350 Milliarden Euro vorgesehen sind, beschleunigt werden könnte. Die USA haben bereits amerikanischen Autoherstellern Kredite von 25 Milliarden Dollar für die Entwicklung sparsamerer Autos in Aussicht gestellt. Die Opel-Mutter General Motors (GM) könnte angeblich bald erste fünf Milliarden Dollar aus diesem Topf bekommen.

Produktion gedrosselt

Nach Günter Verheugen braucht die europäische Autoindustrie brauche das Geld für die Entwicklung von Autos mit geringerem Schadstoffausstoß. Der Präsident des europäischen Dachverbands ACEA, Christian Streiff, begründete die wachsenden Probleme seiner Branche auch mit der globalen Finanzkrise: "Wir müssen sagen, dass unsere Wettbewerbsfähigkeit an Grenzen gelangt ist", sagte der Chef des französischen Herstellers PSA (Peugeot/Citroën). Banken würden keine Kredite mehr bewilligen. Außerdem leiden Hersteller wie auch Zulieferer und Händler unter einem dramatischen Nachfrage-Einbruch. Viele Produzenten, darunter Daimler, BMW und Opel, haben ihre Produktion  bereits gedrosselt.

"Untätigkeit der Industrie"

Umweltschützer hingegen kritisierten, die Steuerzahler sollten nun für "Verantwortungslosigkeit und Untätigkeit" der Industrie aufkommen. Gewerkschaftsvertreter sprachen von jahrelangen Versäumnissen. Die Umweltorganisation Greenpeace argwöhnte, Europas Steuerzahler sollten blechen, während die Autohersteller weiterhin ineffiziente Fahrzeuge bauten. "Die Hersteller geben überzogene Kosten für die Absenkung der CO2-Emissionen an", sagte die Greenpeace-Expertin für Verkehrspolitik, Franziska Achterberg. "Anstatt auf die Nachfrage nach schadstoffärmeren Autos zu reagieren, wollen die Autobauer weiter die Steuerzahler melken." Bevor Gelder überhaupt in Betracht gezogen würden, müsse sichergestellt sein, dass die Industrie ernsthafte CO2-Reduzierungen nicht mehr blockiere.

Krise selbst verschuldet?

Zu Vorwürfen von Kritikern, die Autobranche habe die Entwicklung von umweltbewussteren Fahrzeugen verschlafen, sagte Jochen Homann, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium: "Das mag ja sein, nur das hilft ja nichts." Er fügte hinzu: "Sie können ja auch nicht einem Kranken sagen, der durch Rauchen seine Krankheit mitverschuldet hat: Wir stellen jetzt jede Hilfe ein."

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