Autoklau-Statistik 2008

Autoklau-Statistik 2008

— 06.08.2009

Der Osten ist spitze

Die Zahl der Autoaufbrüche ging 2008 zwar insgesamt zurück, aber in Deutschlands Osten wurde so viel geknackt wie seit Jahren nicht mehr. Peinlich: Sogar in Polen und Tschechien ging die Diebstahlsquote im gleichen Zeitraum zurück.

Beim Autodiebstahl ist Deutschland geteilt – in den sicheren Westen und den kriminellen Osten. Das klingt politisch unkorrekt, ist aber leider die Wahrheit, schaut man in die aktuelle Auswertung des Bundeskriminalamts (BKA) für 2008. Aktiv wie seit Jahren nicht mehr waren die Knacker in Sachsen, Brandenburg, Berlin und allgemein im deutschen Osten. Besonders auffällig: Was hier gemopst wird, verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Die Zahl der "dauerhaft abhanden gekommenen" Autos stieg gegenüber dem Vorjahr teils dramatisch an. Spitzenreiter ist Sachsen, wo 2008 sage und schreibe 1329 Autos verschwanden – 61 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Auch das menschenleere Brandenburg wurde 2008 geradezu autoleer geklaut: 1091 Pkw kamen weg; ein Plus von 41 Prozent gegenüber 2007.

Trend 1: Autos werden nicht mehr bei uns zerlegt, sondern im Stück schnellstens außer Landes gebracht.

Während in sämtlichen Ost-Ländern der Schwund zunahm, ließ er im Westen um bis zu 18 Prozent (Hessen) und 16 Prozent (Baden-Württemberg) nach. Beruhigend zumindest, dass die Zahl der geknackten Pkw insgesamt zurückgeht. Von 39.438 im Jahr 2007 waren es zuletzt 37.184, also sechs Prozent weniger. Kuriosum am Rande: Auch aus Bundeseigentum bedienten sich die Kriminellen mit wachsender Begeisterung. Doch die dokumentierten 66 Prozent Anstieg sind statistisch verzerrt: 2007 wurden neun Bundes-Fahrzeuge gestohlen, im vergangenen Jahr waren es dann 15. Insgesamt ging die Zahl der dauerhaft entwendeten Autos um 0,5 Prozent nach oben. Um so überraschender, dass die Diebstahlsquote in den östlichen Nachbarstaaten Polen (minus 7 Prozent) und Tschechien (minus 17 Prozent) im Vergleichszeitraum bemerkenswert zurückging. Das BKA stellt hier einen Zusammenhang her: Es ist die Rede von einer "teilweisen Verlagerung ins Inland".

Showroom-Jacking hat um 300 Prozent zugenommen

Trend 2: Beim "Showroom-Jacking" brechen Banden in Autohäuser ein und nehmen das gesamte Inventar mit.

Zugleich ist laut BKA zu beobachten, dass sich die professionellen Autoknacker ihre Arbeitsweise anpassen: So nahm die Unterschlagung von Mietwagen ebenso zu (plus 30 Prozent) wie das "Showroom-Jacking" ganzer Fuhrparks inklusive Ersatz- und Anbauteile aus Autohäusern, in die zuvor eingebrochen wurde (plus 300 Prozent!). Hintergrund: Da Wegfahrsperren immer effektiver werden, suchen Kriminelle einen einfacheren Weg, um wegzufahren – per Autoschlüssel. Zitat BKA: "Auffällig ist, dass seit dem Jahr 2008 neben den Fahrzeugen teilweise umfangreiche Werkstattausstattungen wie Spezialwerkzeuge und Messgeräte entwendet wurden." Es handelt sich ergo zu einem Großteil um Auftrags-Taten für Kunden aus Russland und dem Balkan. Und wenn diese Tätergruppen nicht auf der Jagd nach Luxusfahrzeugen sind, entwenden sie auch gern ältere Fahrzeuge, die als unfreiwillige Ersatzteilspender für osteuropäische und afrikanische Kunden anschließend genüsslich zerlegt werden. "Ein Beleg dafür ist die rückläufige Zahl der Fälle des Diebstahls in bzw. aus Kfz im Jahr 2008." Die Statistik nennt für diese Form des Autoknackens einen Rückgang von 19 Prozent auf 255.208 Fälle.

Rückgang beim Navi-Klau

Einen leichten Rückgang haben die Kriminalisten beim Navi-Klau registriert: Nachdem sich die Anzahl der Diebstähle von Navigationsgeräten in den Jahren 2005 und 2006 annähernd verdoppelt hatte, betrug die Zahl der Entwendungen im Jahr 2007 nach einem weiteren Anstieg von 28 Prozent 54.232 Delikte. Im Jahr 2008 war keine weitere Zunahme der Deliktszahlen zu verzeichnen. Mit 47.313 Fällen hat die Zahl der Pkw-Aufbrüche zur Erlangung von Navigationsgeräten um 13 Prozent abgenommen, lag jedoch noch immer auf dem hohen Niveau der letzten zwei Jahre.

Osteuropäische Autoknacker-Banden dominieren

Der Navi-Klau ging laut BKA-Statistik leicht zurück, bewegt sich aber noch immer auf hohem Niveau.

Resümee des BKA: "Die Täterseite hat ihre Aktivitäten neu ausgerichtet." Bisher wurden die entwendeten Fahrzeuge in Deutschland zwischengelagert und in Zerlegehallen ausgeschlachtet. Diese Technik haben die Ganoven durch ein neues Verfahren ersetzt: Das rollende Diebesgut wird unmittelbar nach der Entwendung in Richtung Zielland überführt. So können innerdeutsche Fahndungsmaßnahmen unterlaufen werden. "Der Deliktsbereich der Kraftfahrzeugdiebstähle wird seit Jahren bundesweit von osteuropäischen Tätergruppierungen dominiert und die angrenzenden osteuropäischen Staaten sind sowohl wichtige Absatzmärkte als auch Transitstaaten im internationalen illegalen Kraftfahrzeughandel."

Wachsende Professionalisierung und Netzwerkbildung

Das BKA beobachtet eine zunehmende Professionalisierung der Täter, die in netzwerkartigen Strukturen arbeiten und die Wegfahrsperren der meisten Neuwagen knacken können. Beunruhigender Ausblick: "Die internationale Kfz-Verschiebung ist zunehmend gekennzeichnet durch einen anhaltenden Bedarf an Kraftfahrzeugen in Südost- und Osteuropa sowie im Nahen und Mittleren Osten, die wachsende Professionalität der Täter und das vermehrt feststellbare Agieren in netzwerkähnlichen Strukturen. Die aktuelle Entwicklung in diesem Deliktsbereich lässt erwarten, dass die Diebstahlszahlen auch zukünftig auf dem derzeitigen Niveau bleiben werden."
Dauerhaft entwendete Pkw nach Bundesländern
2007 2008 Veränderung
Schleswig-Holstein 469 463 - 1,3 %
Hamburg 773 760 - 1,7 %
Niedersachsen 1.274 1.156 - 9,3 %
Bremen 190 172 - 9,5 %
Nordrhein-Westfalen 4.003 3.487 - 12,9 %
Hessen 961 785 - 18,3 %
Rheinland-Pfalz 386 327 - 15,3 %
Baden-Württemberg 946 792 - 16,3 %
Bayern 1.258 1.213 - 3,6 %
Saarland 146 135 - 7,5 %
Berlin 2.643 2.900 + 9,7 %
Brandenburg 770 1.091 + 41,7 %
Mecklenburg-Vorpommern 377 411 + 9,0 %
Sachsen 822 1.329 + 61,7 %
Sachsen-Anhalt 475 523 + 10,1 %
Thüringen 269 294 + 9,3 %
Bund 9 15 + 66,7 %
Gesamt 15771 15.853 + 0,5 %

Autor: Roland Wildberg

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