Autokunst aus New York

"Marquis de Soto" von Steve Heller "Marquis de Soto" von Steve Heller

Autokunst aus New York

— 02.03.2009

Aus alt und neu mach' schräg

Steve Heller aus New York hat aus einer Luxuslimousine und einem Oldtimer ein Auto gemacht. Herausgekommen ist ein schräges Kunstwerk, das fahrbereit ist. Sein Geld verdient der Tüftler mit Möbeln aus Autoteilen.

Sie mögen die 50er Jahre und amerikanische Straßenkreuzer? Ihnen fehlt noch was Besonderes für Ihr Wohnzimmer? Dann schauen Sie bei ihrem nächsten Besuch an der Ostküste auf jeden Fall bei "Fabulous Furniture on Route 28" in Boiceville zwei Stunden nördlich von New York City vorbei. Der kleine Laden gehört Steve Heller, einem sympathischen Tüftler mit grauem Bart und freundlichem Lachen. Steve Heller baut Möbel und Kustgegenstände, besonders gern aus Teilen amerikanischer Straßenkreuzer. Eine Truhe gefällig, mit der Motorhaube eines Chevrolet als Deckel? Brauchen Sie eine Lampe aus Stoßstangenteilen oder Ihre Frau eine Handtasche mit eingearbeiteter Rückleuchte eines Cadillac? Sowas und viele spannende, nützliche und manchmal nicht so nützliche Sachen finden Sie bei Steve Heller. Und einen frisch gebrühten Kaffee und einen freundlichen Plausch mit dem Meister hinter der Kunst gibt es gratis dazu. Der studierte Psychologe aus Kalifornien ist 1971 hier in der Gegend von Woodstock sesshaft geworden. Er hatte gerade seinen stressigen Job in San Francisco verloren. 1973 eröffnete er in Boiceville seinen Laden "Fabulous Furniture on Route 28".

Der New York Times "Collectible Car of the Year Award"

Sein Mercury Marquis war dem sypathischen Tüftler aus New York zu langweilig. Da musste er was draus machen.

Über das kleine Boiceville und seine Kundschaft hinaus bekannt ist Steve Heller, der 2009 den zum zweiten Mal vergebene Preis der New York Times für das beste Sammlerauto des Jahres bekam. Spricht man den ruhigen, besonnenen Mann darauf an, funkeln seine Augen. Hinter seinem Laden in einer unscheinbaren Garage, da steht es. Sein Kunstwerk, der "Marquis de Soto". Eigentlich brauchte Heller vor vier Jahren bloß ein neues Auto. Sein über 50 Jahre alter Cadillac-Hotrod war im Winter einfach nichts für die Straße. Aber etwas Durchschnittliches ist Steve Heller zu langweilig gewesen. Ein Mercury Grand Marquis aus Florida war der Anfang. Der verlor als erstes Lichter und Stoßstangen, dann alle Karrosserieteile bis auf das Dach und die Vordertüren. Ein 1957er de Soto stand schon seit einiger Zeit in Hellers Hof. Dessen Flossen gefielen ihm so gut, dass er sie kurzer Hand abflexte. Als Künstler interessiert sich Heller bei Klassikern nur für bestimmte Formen, für einzelne Karosserieteile. Den Rest verkauft er weiter. Dann ging es ans Schweißen, Spachteln, Dengeln und Anpassen. Die Front des Marquis de Soto ist von einem 1958er Lincoln Continental, inklusive der Scheinwerfer. Die vordere Stoßstange stammt von einem 1955er Cadillac, den neuen Grill spendeten zwei 57er Corvette.

Teile aus elf Klassikern stecken im Marquis de Soto

Irgendwie passen die Kotflügel super zu meinem Marquis. So was muss Steve Heller gedacht haben, als er den alten de Soto sah.

Die Motorhaube stammt von einem 1965er Buick Skylark. Die Rücklichter gehörten mal einem 59er Cadillac. Die Blinker sind von einem 1948er Dodge. Teile von elf Klassikern stecken insgesamt in dem rollenden Kunstwerk "Marquis de Soto". Gemeinsam mit seinem Assistenten hat Steve Heller den Wagen im Hof hinter seiner Werkstatt zusammengebaut. Lackiert wurde in einem Zelt. Die New York Times nennt das Kunstwerk das Auto-Gegenstück zu einem Pitbull-Mischling. Darüber kann man denken, was man will. Der Wagen ist auf jeden Fall handwerklich so hervorragend gemacht, dass er sogar die Inspektion des Staates New York ohne Beanstandung überstanden hat. So streng wie der deutsche TÜV ist die nicht, klar. Aber immerhin! 2005, noch mitten im Rohbau, fuhr Steve Heller mit dem "Marquis de Soto" zur Lead East Custom Car Show in New Jersey und gewann den Preis für den besten Umbau. Da kann man als Custom-Freak eigentlich nur bedauern, dass er den Wagen nicht grau gelassen hat. Und hoffen, dass ihm nicht irgendeiner reinfährt, wenn er mit seinem Kunstwerk zum Brötchen holen unterwegs ist.

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