Automarkt: Absatzkrise

— 26.10.2012

Ford und Daimler unter Sparzwang

Milliarden-Verluste und Werksschließungen bei Ford, Gewinnwarnung und Sparprogramm bei Daimler: Die schwindende Lust europäischer Kunden auf neue Autos bringt die Konzerne in Bedrängnis.



(dpa) Die Absatzkrise in Europa zwingt die Autohersteller zu immer härteren Einschnitten. Wegen der seit Monaten zurückgehenden Kauflaune in Europa rechnet Ford 2012 mit einem Verlust von mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar (1,2 Mrd Euro) und schließt drei Werke. Betroffen sind insgesamt mehr als 6000 Jobs. Der erfolgsverwöhnte Stuttgarter Autobauer Daimler schraubt wegen schrumpfender Gewinne seine Erwartungen nach unten und spart kräftig. Gänzlich unbeeindruckt von den Turbulenzen präsentiert sich Porsche. Der Sportwagenbauer hat vor allem eines im Blick: Rekorde am laufenden Band.

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Von solch positiven Nachrichten ist Ford meilenweit entfernt. Zu dem am Donnerstag (25. Oktober 2012) bekannt gegebenen Milliarden-Verlust kündigte Ford Europe zudem an, zwei kleinere Werke in Großbritannien – Southampton und Dagenham – dichtmachen zu wollen. Bereits am Mittwoch hatte das Unternehmen angekündigt, seinen Standort Genk in Belgien schließen zu wollen. Die tiefroten Zahlen seien vor allem ein Resultat des strategischen Abbaus der Fahrzeugflotten bei den Händlern im vierten Quartal.

Die Werksschließungen sollen helfen, die Überkapazitäten in der Produktion an den europäischen Standorten abzubauen. So werde die derzeit installierte Kapazität um 18 Prozent oder 355.000 Fahrzeuge schrumpfen. Die angestrebten Einsparungen durch die geplanten Werksschließungen bezifferte Ford auf eine Summe von bis zu 500 Millionen US-Dollar jährlich. "Wir werden die Krise in Europa mit einem Fokus auf neue Produkte, einer stärkeren Marke und einer verbesserten Kosteneffizienz angehen", erklärte Ford-Chef Alan Mulally in einer Presseerklärung. Ford wisse um die Auswirkungen der Pläne auf viele Beschäftigte und deren Familien.

Automarkt: Experten befürchten lange Absatzkrise

Daimler-Chef Dieter Zetsche verordnet dem Autobauer ein milliardenschweres Sparprogramm. Als Reaktion auf die Absatzkrise schraubte der Manager die Erwartungen auf breiter Front nach unten. Der Dax-Konzern plant, keinen Bereich seiner schwächelnden Kernmarke Mercedes zu verschonen. Auch die Größe der Belegschaft wird hinterfragt. Gut eine Milliarde Euro will Daimler schon 2013 freischaufeln, 2014 soll noch einmal eine ähnlich hohe Summe folgen.

"Kurzfristig geht es in erster Linie um Ergebnissicherung", kündigte Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber in Stuttgart an. "Alle Ausgaben kommen auf den Prüfstand – mit einem Kriterium: Was unsere Wettbewerbsfähigkeit stärkt, wird gemacht." Aufgrund einer E-Mail-Panne in den USA waren Teile davon allerdings schon am Vortag bekanntgeworden. Die Börse strafte Daimler ab. Allein im dritten Quartal war der Gewinn um elf Prozent auf 1,2 Milliarden Euro eingebrochen. Die Schwaben rechnen daher künftig nur noch mit einem operativen Ergebnis von ungefähr acht Milliarden Euro, was rund neun Prozent unter dem Vorjahreswert wäre. Eigentlich wollte Daimler das Niveau von 2011 erneut erreichen. Damals waren aus dem laufenden Geschäft rund 8,75 Milliarden Euro geblieben.

Daimler: Mit "Fit for Leadership" zurück zum Erfolg?

"Wir können momentan die Markteinflüsse nicht ignorieren", sagte Uebber. "Wir können uns nicht hinstellen und sehen, dass ganz Europa runtergeht, und an Zielen festhalten, die dann nicht realistisch sind." Das geplante Spar- und Effizienzprogramm mit dem Namen "Fit for Leadership" soll zunächst helfen, Gewinn und Profitabilität in der Autosparte zu steigern. Daimler hatte zuletzt auch seine Renditeziele kassieren müssen.

Dagegen kratzt der Sportwagenbauer Porsche bei Umsatz und operativem Gewinn schon nach neun Monaten an den alten Bestmarken von 2011. Der Start ins letzte Viertel des laufenden Jahres werde mit Rekorden in allen Bereichen in Angriff genommen, wie die seit August 2012 komplett zu Volkswagen gehörende Luxuswagenschmiede in Stuttgart mitteilte.

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