AUTOMOBIL TESTS-Härtetest

Härtetest Mercedes-Benz E 220 CDI (W211) Härtetest Mercedes-Benz E 220 CDI (W211)

AUTOMOBIL TESTS-Härtetest

— 09.03.2005

Wird alles wieder gut?

Qualitätsprobleme der E-Klasse kratzen am Image des Sterns. Zeit für eine Überprüfung des E 220 CDI auf 6704 Kilometern.

Eine neue Chance für den Stern

Fahrer einer Mercedes E-Klasse mußten in den vergangenen Jahren oftmals Nerven beweisen, denn wie kein anderes Modell mit dem Stern machte dieser Mercedes Sorgen: minderwertige Verarbeitungsqualität, Elektronikprobleme und der Ausfall des elektrohydraulischen Bremssystems Sensotronic Brake Control (SBC) sorgten für Verdruß. Grund genug, die Mercedes-Benz E-Klasse (werksintern W211) nach unserer großen Kaufberatung in Heft 9/2003 noch einmal unter die Lupe zu nehmen.

Als Testobjekt dient der meistverkaufte E 220 CDI mit 150 PS als Classic ab 36.714 Euro. Jedoch nicht ganz ohne Sonderausstattung: Zur Einhaltung der Euro-4-Schadstoffeinstufung muß ein Rußpartikelfilter für 580 Euro an Bord. Zusätzlich sind unter anderem Radio mit CD-Laufwerk und Navigationssystem (1740 Euro) sowie Schiebedach (1879 Euro) in die E-Klasse eingebaut.

Auf dem Hinweg nach Gibraltar fährt der Mercedes brav dem Härtetest-Audi A3 2.0 TDI hinterher. Ganz dicht an der Meerenge vor dem Affenfelsen tauschen die beiden dann die Führungsrolle.

Ruhiger Geselle für lange Distanzen

20 Grad zeigt das Thermometer, die Dieselmaschine mit ihren vier Zylindern ist schon auf Temperatur. Und dennoch nagelt der Motor kernig vor sich hin. Das ist nicht nur von außen hörbar, sondern auch innen zu spüren. Den Motor hätten die Stuttgarter Ingenieure ruhig etwas besser von der Fahrgastzelle abkoppeln dürfen. "Das Dieselgeräusch könnte besser gedämmt sein", meint dazu auch Leser Hans Knodel.

Noch kurz das große und verstellbare Lenkrad mit der leichtgängigen und etwas gefühllosen Lenkung justiert, und los geht’s. Fußfeststellbremse gelöst, und raus aus der Leerlaufdrehzahl – der erste Gang ist eingelegt. Nach einer erheblichen Anfahrschwäche kommt der 1610 Kilogramm schwere Viertürer langsam in Bewegung. Die Gänge lassen sich kratzfrei schalten, vorausgesetzt, das passiert nicht allzu hektisch. "Wenn man die sechs Gänge gefühlvoll schaltet, klappt das immer super. Mit brachialer Gewalt ist jedes Getriebe hakelig", berichtet Leser Friedhelm Bugla.

Schon auf den ersten paar Metern wird klar: Der Mercedes ist kein Sprinter, eher ein ruhiger Geselle, der sich auf langen Distanzen wohlfühlt. Die Sitze unterstreichen das: hohe Auflagen mit wenig Seitenhalt und weichen Wangen. Die optimale Position muß erst noch gesucht werden. Ist sie gefunden, kann das große Kilometerfressen beginnen: immer den Stern im Blick als Fadenkreuz für den rechten Weg. Ausreichend Platz für fünf Personen mit Gepäck ist vorhanden. Nur haben bei voll heruntergefahrenen Sitzen Fondpassagiere mit Schuhgröße über 36 keinen Platz mehr für ihre Füße unter den Vordersitzen.

Kurvenhatz bis auf 3200 Meter

Die erste große Belastung auf dem Weg nach Deutschland erfährt der Mercedes auf unserer Lieblingsstrecke des Pico de Veleta bei Granada. Auf unzähligen Kilometern schraubt sich die Paßstraße Kurve um Kurve bis auf den Gipfel bei 3200 Metern. Eine Belastung nicht nur für Bremsen, Kupplung und Getriebe, sondern auch für den Fahrer. Denn der Mercedes macht es dem Piloten nicht besonders einfach: Die giftige SBC-Bremse will wohldosiert eingesetzt werden, sonst quittieren die Mitfahrer jedes Bremsmanöver mit einem kräftigen Kopfnicken. Dafür beißt die Anlage aber selbst nach der zehnten Bremsung immer noch kräftig zu. Und im Regelbereich des ABS stört kein pulsierendes Pedal. Angenehm.

Um die nominellen 150 PS voll auszuschöpfen, muß der Vierzylinder auf hohen Drehzahlen gehalten werden. Zwar erreicht der Common-Rail-Diesel sein maximales Drehmoment bei 2000 Umdrehungen, die maximale Leistung aber erst bei 4200 Touren. Zudem wird die Luft in höheren Lagen dünner, Sauerstoff und Leistung nehmen ab. Der 177 PS starke E 270 CDI wäre die bessere Wahl gewesen. Abgesehen von dem spürbaren Leistungsplus, läuft der Fünfzylinder wesentlich ruhiger. Haken: 2436 Euro Mehrpreis, und ein Partikelfilter ist dafür nicht zu haben.

Wir lassen die Kurvenhatz und begeben uns wieder auf gut ausgebaute Landstraßen. Ein kurzer Tankstopp, kombiniert mit einem starken, schwarzen Kaffee an einer Raststätte hinter Granada. Wir fühlen uns wie Franz Mersdonk und Günther Willers aus der Fernsehserie "Auf Achse", nur daß die E-Klasse keine laut zischende pneumatische Bremse hat. Fast ein bißchen schade.

Schwäbisch knausriger Verbrauch

Die zweispurige Landstraße Richtung Madrid mit den unzähligen Schlaglöchern und Hügeln ist eine ideale Teststrecke zur Fahrwerkserprobung. Während der uns folgende Audi A3 nervös im Rückspiegel hüpft, bügelt der Mercedes-Benz die Unebenheiten weg wie Oma die Hemdfalten. Wind und Regen schlängeln sich um die Karosserie und zeichnen Spuren der Tour.

Trotz Gegenwind und Winterreifen zeigt die Tankanzeige einen geringen Verbrauch an. Bei konstanter Richtgeschwindigkeit fließen lediglich 5,8 Liter Diesel durch die Einspritzdüsen. Auf der gesamten Route verbraucht der E 220 CDI im Schnitt 6,53 Liter. Auf der späteren späteren Vollgasstrecke Frankfurt-Nürnberg genehmigt sich der Stuttgarter 9,3 Liter – und bleibt dabei schwäbisch knauserig. Der Ölverbrauch ist nicht einmal meßbar.

Eine kleine Enttäuschung erleben wir bei Dunkelheit. Die Instrumentenbeleuchtung funzelt dunkel wie ein Teelicht im Pfadfinderzelt. Auch die Scheinwerfer sind für verwöhnte Autofahrer nicht besonders hell. Bi-Xenon-Scheinwerfer (1125 Euro) hat der Testwagen nicht. Leider, denn Leser Roland Karpinski schwärmt: "Das Bi-Xenonlicht ist eine Lichtkanone."

Dagegen zeigt sich die Innenausstattung von der guten Seite. Die Spaltmaße sind exakt, die Verarbeitung gefällt, und nichts rappelt, knistert oder klappert. Die elektronischen Helferlein arbeiten zuverlässig, bis auf einen Aussetzer des Navigationssystems. Keine Selbstverständlichkeit bei der E-Klasse. Stefan Reuschling, ehemaliger E 220-CDI-Besitzer, mußte mehrmals die Werkstatt wegen defektem Navigationssystem, Telefon und Startproblemen aufsuchen. Andere Leser berichten von technischen Ausfällen bei Regensensor, Kombiinstrument, Turbolader, Anlasser. Quietschgeräusche und selbsttätig absperrende Zentralverriegelungen stellten das Nervensystem auf eine harte Probe.

Kleiner Steinschlag, große Folgen

Spannend wie eine CD von Phil Collins, aber auch so perfekt komponiert, ist die Ergonomie aus Sicht des Fahrers: Bordcomputer und Radio-Menüführung sind mit den beiden Händen am Lenkrad steuerbar, die Klimaanlage sitzt hoch und praktisch positioniert in der Mittelkonsole. Ab Biarritz bleibt sie allerdings aus. Nur zwölf Grad zeigt der Bordcomputer bei dem Regen an.

Der sechste Gang liegt in der Schaltgasse, und der Stern blickt schon Richtung Bordeaux, als der Mercedes nicht mehr leicht in seiner Spur zu halten ist. Erster Verdacht: Luftverlust an einem Reifen. Also raus auf den Rastplatz, Reifen kontrollieren und mit der Fußpumpe den Luftdruck erhöhen. Dazu muß die Heckklappe geöffnet werden. Nachteil: Viele Wassertropfen springen vor Freude, aber zur Verärgerung des Besitzers in den 540 Liter großen und geräumigen Kofferraum. Beim Kontrollgang ums Auto bemerken wir neben dem platten rechten Frontreifen noch einen großen Lackplatzer an der vorderen Stoßstange. Schlecht, daß ein kleiner Steinschlag so viel anrichten kann. Stefan Reuschling bemängelt ebenfalls die "nicht widerstandsfähige Lackierung der Front".

Wieder auf der Autobahn und auf das Navigationssystem vertrauend, fahren wir in Richtung Pariser Autobahnring. Plötzlich fordert uns die freundliche Navi-Stimme auf: "Im Kreisverkehr bitte rechts!" Auf einer vierspurigen Autobahn ohne Ausfahrt in Sicht ist das allerdings problematisch. Die Karte wird gezückt, und nach einigen Umwegen geht es weiter nach Saarbrücken.

Der Regen schmuddelt den Mercedes jetzt richtig ein. Das Gepäck aus dem Kofferraum kann nur noch aus sicherer Entfernung sauber herausgenommen werden. Doch für das endgültige Ausladen müssen noch etliche Autobahnkilometer abgerissen werden.

Nur kurze Tankstopps und Fahrerwechsel unterbrechen die schnelle Fahrt über Wiesbaden, Köln bis zum Ziel in Nürnberg. Was bleibt nach 6704 Kilometern? Ein guter Gesamteindruck mit einigen kleinen verbesserungswürdigen Details – aber ganz ohne unsere Nerven zu strapazieren.

Fazit und Qualitäts-Check

Fazit von AUTOMOBIL TESTS-Redakteur Fabian Hoberg Der Mercedes E 220 CDI ist ein Langstreckenläufer: groß, behäbig, sehr bequem. Am Ende bleiben wir bei den Kaufberatungs-Tips: Der E 270 CDI paßt besser, die Ausstattungslinie Classic reicht völlig aus, und der Kombi ist viel praktischer und auch optisch ansprechender.

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Das sagen die Leser zur E-Klasse

Zwischen 12.500 und 73.000 Kilometer sind die von uns befragten Leser mit ihrer E-Klasse gefahren. Positiv fielen dabei das sportliche Design und der hohe Reisekomfort auf. Kritikpunkte sind aber die zum Teil mangelhafte Verarbeitung und die fehlerhafte Elektronik. Im Schnitt gaben die Leser die Note "befriedigend".

W. Lengsfeld, E 270 CDI: Im März 2003 habe ich mich entschlossen, eine E-Klasse zu kaufen. Entscheidend für den Kauf waren Aussehen und Image. Im Laufe der Zeit sind viele Probleme mit der Elektronik aufgetaucht. Unter anderem Warnmeldungen von SRS und ESP, Ausfall des Radios, Probleme mit dem Abstandswarner, defektes Heckrollo und eine undichte Kraftstoffanlage. Das waren bisher 13 außerplanmäßige Werkstattaufenthalte. Fazit: Die E-Klasse ist ein tolles Auto bei Design und Verarbeitung. Aber die Elektronik scheint noch nicht ausgereift.

A. Karadagi, E 270 CDI: Seit einem Jahr haben mein Vater und ich mit unserem E 270 CDI etwa 30.000 Kilometer zurückgelegt. Toll finde ich das komfortable und leise Fahren auf der Autobahn und die hohe Verarbeitungsqualität. Der durchzugsstarke Motor glänzt dabei mit niedrigem Verbrauch. Für mich ist die E-Klasse ein ideales Reiseauto. Schlecht aber, daß es für den E 270 CDI keinen Rußfilter gibt. Außerdem war das Navigationsgerät nach einem Monat defekt, und der Motor brummt in der Stadt. Umständlich finde ich die Bedienung des Tempomats.

Dr. P. Schlagenhauf, E 220 CDI: Ambiente und Design der E-Klasse sprachen mich an. Mittlerweile bereue ich den Kauf. Das Fahrzeug war nicht so gut verarbeitet wie das im Showroom. Angefangen hat es schon bei der ersten Fahrt: Nach 120 Kilometern sprang der Mercedes an der Ampel nicht mehr an. Außerdem hatten Plastikteile unterschiedliche Farben. Auf 48.000 Kilometern stand mein Auto sehr oft in der Werkstatt. Defekte: Anlasser, Automatikgetriebe, Bremse, Hinterachse, Radio, Freisprechanlage, Tankanzeige, Sitzheizung und Zentralverriegelung.

R. Karpinski, E 320: Mir macht die E-Klasse Freude. Der Mercedes ist im Fahrverhalten über jeden Zweifel erhaben und flößt auch bei hohem Tempo viel Vertrauen ein. Der Verbrauch ist für die gebotene Leistung von 224 PS niedrig und die SBC-Bremse die Wucht in Tüten. Allerdings ist der Einstieg enger als beim Vorgänger geschnitten und gewöhnungsbedürftig. Im Regen tropft beim Öffnen des Kofferraums Wasser in den Kofferraum. Negativ: Unterspannungsmodul, Regensensor, Kombiinstrument und das Steuergerät fürs Licht wurden bei mir getauscht.

M. Bastian, E 270 CDI: Mein Auto ist zwei Jahre alt und unfallfrei. In dieser Zeit hatte ich 57 (!) Reparaturen. Dazu gehörten: Gertriebeschäden, Motorschaden, Defekte am Turbolader und zahlreichen Steuergeräten. Die Verarbeitung ist katastrophal: Die Verchromung der Türgriffe löst sich, der Regensensor funktioniert nur mit neuwertigen Wischblättern. Die Garantiereparaturen wurden übernommen, aber mangelhaft ausgeführt. Jetzt habe ich mir einen Audi bestellt.

F. Zahradnik, E 220 CDI: Ich habe schon meinen zweiten E 220 CDI als Elegance mit Automatik (der erste wurde gestohlen). Meine Erfahrungen sind positiv. Im Jahr fahre ich 50.000 Kilometer, und ein so bequemes, elegantes und stabiles Auto hatte ich vorher noch nicht. Für mich ist die E-Klasse die beste Limousine am Markt. Besonders der sparsame 220 CDI ist optimal. Nach 1200 Kilometern Fahrt fühlt man sich immer noch frisch. Kein Vergleich zu anderen.

H. Fuhrmann, E 220 CDI T-Modell: Mit meinem E 220 CDI Automatik bin ich sehr zufrieden. Bis jetzt bin ich ohne Beanstandung fast 70.000 Kilometer gefahren. Nur einmal wurde die Software für das Navigations- und Telefonsystem upgedatet. Größter Kritikpunkt: die kurzen Wartungsintervalle von im Schnitt 18.000 Kilometern trotz Langstrecke. Beim Vorgänger waren es 30.000. Ein erheblicher Rückschritt, der mit hohen Kosten (500 Euro) verbunden ist.

F. Bugla, Mercedes E 200: Mein Fahrzeug kann ich nur empfehlen. Bis jetzt bin ich über 50.000 Kilometer gefahren. Das neue Modell ist viel sportlicher als sein Vorgänger. Mit Verarbeitung und Verbrauch (8,5 Liter) bin ich sehr zufrieden. Mein E 200 hat die Werkstatt nur zu den Inspektionen gesehen. Der große Kofferraum erfreut meine Frau, wenn wir zum Segeln oder zum Skilaufen fahren und es viel zu verstauen gibt.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den Mercedes E 220 CDI. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Fabian Hoberg

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