Härtetest Mercedes-Benz C-Klasse

Härtetest Mercedes-Benz C 220 CDI T-Modell Härtetest Mercedes-Benz C 220 CDI T-Modell

AUTOMOBIL TESTS-HÄRTETEST

— 04.07.2005

Via Baltica

Erst die große Kaufberatung, jetzt der Härtetest: AUTOMOBIL TESTS hat die C-Klasse durchs Baltikum und Skandinavien gescheucht.

Neun Länder in sieben Tagen

Der erste Härtetest in Richtung "Osten". Ob das gut geht? Und dann auch noch mit einem Mercedes. Die sind doch bei polnischen Dieben besonders begehrt. Außerdem weiß keiner, wie da das Wetter ist. Wahrscheinlich eiskalt …

Mal ehrlich, kaum jemand ist vor solchen Gedanken sicher, wenn statt Paris, Rom und Biarritz plötzlich Warschau, Kaunas und Tallin auf dem Härtetest-Fahrplan stehen. Das Baltikum ist trotz EU-Osterweiterung nicht nur für Härtetester noch ein Buch mit sieben Siegeln. Und gerade deshalb so interessant. An Bord eines C 220 CDI T-Modells führt uns unsere Route entlang der Via Baltica (E67) von Nürnberg durch Tschechien, Polen, Litauen, Lettland, Estland bis nach Helsinki. Von dort weiter über Schweden und Dänemark zurück nach Deutschland. Neun Länder in knapp sieben Tagen. Die ersten vier davon in dem Mercedes, der in der Ausgabe 5/04 die große C-Klasse-Kaufberatung für sich entschieden hat. Ab Helsinki geht es dann in einem Mazda6 wieder zurück. Wie der die Tour verkraftet hat, lesen Sie in der AUTOMOBIL TESTS-Ausgabe 8/2005 oder auf www.autobild.de.

Insgesamt 4500 Kilometer sollten für einen Mercedes kein Problem sein, werden Vielfahrer an dieser Stelle einwerfen. War es auch nicht. Der Benz schaffte in knapp drei Monaten Redaktionsalltag sogar mehr als 15.000 Kilometer. Ohne sich einen Patzer zu erlauben - Glück, das nicht alle C-Klasse-Fahrer haben. Im AUTO BILD-Kummerkasten sind diverse Elektronik-Probleme verzeichnet, die einen Anruf beim Pannenservice nötig machten. Leser Stefan Brandl beispielsweise hat mit seinem C 200 Kompressor durchweg negative Erfahrungen gemacht. Nach einem Ausfall des Navigationssystems und Problemen mit der Lichtmaschine war bei 70.000 Kilometern sogar ein neuer Motor fällig. Keine Glanzleistung für die Marke mit dem Stern, die nach Angaben von Mercedes-Chef Eckhard Cordes im Augenblick "die beste Qualität, die wir je gemessen haben" produziert.

Komfortabler Kilometerfresser

Optisch jedenfalls ist unser T-Modell mehr als gesellschaftsfähig. In der 1844 Euro teuren Avantgarde-Ausstattung, schwarzen Ledersitzen (487 Euro), dem 3190 Euro teuren Comand APS-Navigationsystem und Sportpaket (962 Euro), ist der Kombi fast dekadent ausgestattet und entsprechend teuer: mehr als 43.000 Euro. Wenigstens ist der Partikelfilter Serie.

Beim Einladen von Gepäck (Sie erinnern sich, es ist kalt im Osten!), Fotoausrüstung und Verpflegung wird es schnell eng im Kofferraum der C-Klasse. Wer nicht gern bis unters Dach stapelt oder Kinder auf der Rückbank unterbringen muß, braucht bei nur 470 Liter Kofferraumvolumen Pack-Talent. So richtig familienfreundlich ist das T-Modell nicht. Auf den ersten Kilometern nach Tschechien kann der Benz seine Stärken ausspielen. Die A93 in Richtung Pilsen ist so gut wie leer, der Tempomat bestimmt das Tempo und dirigiert die Fünfgang-Automatik (2076 Euro). Entspannter läßt es sich kaum reisen. 212 km/h soll der C 220 CDI laut Mercedes-Benz schaffen – ein Wert, den unser Testwagen locker auf den Asphalt bringt. Das unter anderem von Leser Jörg Lockhausen aus Minden kritisierte laute Nageln begegnet uns ebenfalls jeden Morgen, wird aber nach kurzer Zeit und mit zunehmender Motor-Temperatur immer leiser.

An der tschechischen Grenze ist Schluß mit dem ungezügelten Tempo-Wahn. Von nun an geben die teils strengen Geschwindigkeitsbegrenzungen der einzelnen Länder das Tempo vor. Das spart Sprit, geht aber auf Kosten des Fahrspaß. Viel zu tun gibt es für das Sportfahrwerk unserer C-Klasse noch nicht. Die tschechischen Autobahnen sind bestens in Schuß, der Benz liegt wie ein Brett. Selbst im Prager Verkehrsgetümmel macht die straffe Federung eine gute Figur, die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung (226 Euro) ist ein Segen und erleichtert die nervige Kurbelei. Pausenlos im Einsatz ist die serienmäßige Klimaautomatik. Wer ausreichend lang an den Knöpfen herumspielt, bekommt sogar eine fast zugfreie Belüftung hin und merkt unter Umständen erst beim Aussteigen, daß zwischen Nürnberg und Prag locker 15 Grad Temperaturunterschied liegen. Zehn bei der Abfahrt, 25 an der Moldau. So viel zum Kälte-Thema.

Motor mit zu wenig Durchzug

Einige Vorurteile über den armen, heruntergekommenen Osten bestätigen sich kurz nach der polnischen Grenze. Zwar verwöhnt uns Schlesien mit seiner zauberhaft hügeligen Landschaft, foltert aber Mensch und Maschine mit unfaßbar schlechten Straßen. Der nicht enden wollende Strom aus schweren Lkws hat sich tief in die Asphaltdecke gegraben und teilweise knöcheltiefe Spurrillen hinterlassen. Ständig laufen die breiten Sporträder irgendwelchen Fahrbahn-Unebenheiten hinterher, Schlaglöcher knallen durch bis zu den Passagieren.

Das hört sich nicht immer gut an, bringt unseren Benz aber ansonsten nicht aus der Ruhe. Die Karosserie ist extrem verwindungssteif und robust. Ein Eindruck, den Leser Artur Czarnecki bestätigt, der mit seiner C-Klasse regelmäßig auf polnischen Rüttelpisten unterwegs ist. Schnell lernen wir, wie man auf den breiten Straßen schneller vorwärts kommt: einfach Gas geben, der Vordermann macht Platz. Das kostet zunächst Überwindung, klappt in Polen aber sogar bei großen 40-Tonnern.

So richtig Spaß macht die Überholerei mit dem C 220 CDI allerdings nicht. Das Problem ist die ausgeprägte Antrittsschwäche des Selbstzünders, die sich in jämmerlichem Motorgeheul und wenig Vortrieb äußert. Die komfortabel ausgelegte Automatik verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Ebenfalls nicht Rüttelpisten-tauglich: die Ablagen im Cockpit. Die wenigen Staufächer sind zu klein, um unverzichtbaren Härtetest-Utensilien wie Wasserflaschen, Straßen-Atlanten oder Objektiven festen Halt zu bieten. Zumindest theoretisch groß genug wäre das Fach unter der Armlehne zwischen den vorderen Sitzen – dort ist aber leider die integrierte Handy-Halterung untergebracht.

Ohne Navi durchs Niemandsland

Je näher wir Litauen kommen, desto leerer wird die Landschaft. Die dünn besiedelten Gebiete sind faszinierend und beängstigend zugleich. Was, wenn unsere C-Klasse hier einer der von vielen Lesern berichteten Elektronik-Ausfälle ereilt? Gabriele Thiel aus Damme kann davon ein Lied singen. Bei ihrem C 220 CDI gab neben 16 (!) anderen Defekten das Motorsteuergerät den Geist auf. Bei 160 km/h auf der Autobahn. Unserer zeigt jedoch weiter Nehmerqualitäten.

An der Grenze zu Litauen dann die erste Begegnung mit der vielgescholtenen Obrigkeit. Der eifrige Beamte will die Daten im Fahrzeugschein mit der Fahrgestellnummer abgleichen. Dumm nur, daß kein Mensch weiß, wo diese bei der C-Klasse zu finden ist. Ein Grenzer-Kollege weiß Rat, reißt mit einem Schraubendreher den schicken Teppich unter dem Beifahrersitz auf und wird fündig – wir sind irritiert und fasziniert zugleich. Wer versteckt die Fahrgestellnummer unter dem Beifahrersitz? Und wer hat eigentlich behauptet, außerhalb der EU-Zentrale in Brüssel gäbe es keine korrekten Beamten?

Mit dem Grenzübertritt verabschiedet sich unser Navigationssystem nach genau 1412 Kilometern – und kann nicht mal was dafür. Es gibt noch kein Kartenmaterial für Litauen, Lettland und Estland. Folglich fährt der Pfeil auf dem großen Display die nächsten Tage planlos über grauen Grund. Immerhin jedoch nicht die böse Erfahrung, die gleich mehrere Leser erleiden mußten. Ihre elektronischen Pfadfinder quittierten aufgrund technischer Defekte den Dienst. So auch bei Dirk Großkopf, der privat wie beruflich C 220 CDI fährt und von defekten Navigationssystemen berichten kann. Sein privater Kombi ist zudem von einem weiteren Problem betroffen, das mehrere Leser schildern: Es zieht durch die Spiegeldreiecke. Ärgerlich, und durch zusätzliches Abdichten nicht immer zu beheben.

Lobenswert: der geringe Verbrauch

Inzwischen macht sich auch das gemütliche Landstraßen-Tempo bemerkbar. Zwischen Kaunas und dem lettischen Riga pendelt sich der Verbrauch bei 5,7 Liter ein. Ein sehr guter Wert. In den Datentabellen von Mercedes ist ein Durchschnittsverbrauch von 6,9 Liter angegeben. Den geringen Verbrauch des C 220 CDI loben selbst die unzufriedensten Leser.

Stutzig macht uns lediglich der anscheinend nicht vorhandene Ölverbrauch. Während der Begleit-Mazda in Estland dringend frisches Schmiermittel einfordert, müssen wir einem elektronischen Sensor vertrauen. Und der läßt sich einfach nicht von der Meldung "Ölstand in Ordnung" abbringen. Das mag stimmen. Doch nicht nur als skeptischer Autotester würde man sich sicherer fühlen, wenn man diese Ansage gelegentlich per Ölmeßstab überprüfen könnte. Den gibt es im C-Klasse-Motorraum aber nicht mehr.

Nach mehr als 15.000 Test-Kilometern können wir feststellen, daß zumindest unsere Dauertest-C-Klasse etwas von der "besten Qualität" mitbekommen hat, die Mercedes-Benz angeblich produziert. Nachdenklich stimmt allerdings, daß so viele Kunden andere Erfahrungen machen müssen.

Fazit und Qualitäts-Check

Fazit von AUTOMOBIL TESTS-Redakteur Jochen Knecht: Das Mercedes-Image hat gelitten. Zu Unrecht, orientiert man sich an unserem Test. Zu Recht, hört man auf die Kunden. Unser Benz hat als Reiselimousine überzeugt: tadellose Verarbeitung, top Fahrwerk, viel Komfort und ein sparsamer Motor müssen jedoch teuer erkauft werden.

Das sagen C-Klasse-Besitzer

Düstere Wolken am Sternenhimmel: So mancher Leser wünscht seine C-Klasse zum Teufel. Vor allem die Elektronik macht häufig schlapp. Insgesamt lautete das Urteil "knapp befriedigend".

Stefan Brandl, C 200 K T-Modell: Ich hatte zwei Jahre lang mit meinem Kombi (Erstzulassung 09/2002) nur Probleme: In den ersten Wochen sieben Fehlermeldungen jeden Morgen (Grund: defekte Lichtmaschine), einige "kleinere Sachen" (Ausfall Navigationssystem) und schließlich nach 70.000 Kilometern ein neuer Motor (Grund: anhaltender Ölverlust). Seit 09/2004 fahre ich einen E 320 CDI, bisher fast ohne Probleme. Ausnahme: das Navigationssystem.

Jörg Lockhausen, C 220 CDI T-Modell: Gerne schildere ich Ihnen meine durchweg positiven Erfahrungen mit meiner C-Klasse: gute Verarbeitung, gute Rundumsicht, geringer Verbrauch, gute Sitze, sehr gute Werkstatt. Negativ sind mir nur das laute "Dieseln" und die hakelige Schaltung aufgefallen. Nach drei Jahren ist die nächste C-Klasse schon bestellt. Diesmal ein Benziner.

Marcel Michel, C 220 CDI T-Modell: Eigentlich kauft man einen Mercedes, um ein sicheres und vor allem zuverlässiges Auto zu haben. Leider scheint dies nur früher so gewesen zu sein. Eine Auswahl der bislang aufgetretenen Mängel: Navigationssystem nach mehreren Ausfällen ausgetauscht, Katalysator defekt, Stabilisatoren defekt, Zugstreben defekt, Türgriff hinten links defekt, Freisprecheinrichtung dreimal ausgetauscht. Ich habe leider nicht von Anfang an Buch über die unzähligen Werkstattbesuche geführt.

Gabriele Thiel, C 220 CDI: Ich habe sehr viele und zumeist nur schlechte Erfahrungen gemacht. Auf zahlreiche Beschwerdebriefe bekam ich als Antwort nur "warme Worte" und Floskeln. Mein letztes Schreiben habe ich wegen einer defekten Einspritzpumpe abgeschickt. Gefährlichster Defekt war der Ausfall des Motorsteuergeräts bei Tempo 160 auf der Autobahn. Ich hoffe, in absehbarer Zeit von Mercedes Entschädigung für den ganzen Ärger, Frust und die mir entstandenen Kosten zu bekommen.

Artur Czarnecki, C 200 CDI: Ich bin mit dem Fahrzeug größtenteils in Polen unterwegs, meist auf schlechten Straßen. Die Stabilität und Steifigkeit der Karosserie ist beeindruckend, vor allem die Sitze machen auf langen Strecken eine gute Figur. Die Fahrleistungen sind voll befriedigend. Probleme gab es bisher nur mit dem Airbagsystem (Kabelbruch im Kabelbaum) und mit dem Anlassen bei sehr kalten Temperaturen.

Jerzy Przybylski, C 220 CDI: Ich fahre schon die fünfte C-Klasse, und noch kein Fahrzeug war ohne Mängel. Die Elektronik ist eine Katastrophe! Regelmäßig fallen Zentralverriegelung und Fernbedienung aus, und wegen unerklärlicher Aussetzer wurden schon vier Radios ausgetauscht. Seit April fahre ich wieder einen C 220 CDI, der nicht mehr als 180 km/h schafft (Werksangabe 224!). Ich denke, es ist an der Zeit, die Marke zu wechseln!

Thomas Seifer, C 240 4Matic: Abgesehen von einem knarrenden Fahrersitz und einem defekten CD-Radio kann ich nur Positives berichten. Die Probleme wurden in kürzester Zeit von einer Mercedes-Werkstatt behoben. Die Verarbeitungsqualität ist top, der Sechszylinder-Motor schnurrt wie ein Kätzchen. Ich habe die Anschaffung nicht bereut und werde meinem ersten Mercedes sicher noch einige folgen lassen.

Daniele Farrace, C 270 CDI: Ich kann dieses Auto wirklich niemandem empfehlen: Dieselpumpe zweimal ersetzt, auslaufendes Hydrauliköl, Komplettausfall der elektrischen Fensterheber, kompletter Wechsel des Navigationssystems und Kratzgeräusche in der Lenkung, deren Ursache bis heute nicht geklärt ist.

Dirk Großkopf, C 220 CDI T-Modell: Nach einem C 220 CDI-Dienstwagen, der bis auf viele defekte Glühbirnen unauffällig war, fahre ich auch privat eine C-Klasse. Leider konnte Mercedes den Rußpartikelfilter nicht liefern. Bislang wurde im Rahmen der Gewährleistung ein Luftzug in den Spiegeldreiecken durch Abdichten der Türen beseitigt und ein Stecker am Beifahrer-Airbag ausgetauscht. Mir wurde erklärt, das sei typisch für die T-Modelle. Fazit: Mechanisch bisher zuverlässig, vermiesen Elektronik-Zipperlein die Zuverlässigkeit.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für die Mercedes-Benz C-Klasse. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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