AUTOMOBIL TESTS-Härtetest

Von Finnland nach Deutschland: der Mazd6 im Härtetest Von Finnland nach Deutschland: der Mazd6 im Härtetest

AUTOMOBIL TESTS-Härtetest

— 27.07.2005

Elch und weg

Der Mazda6 hat sich in der Mittelklasse etabliert. Kann der Japaner auch bei den Elchen punkten?

Benz gegen Mazda? Gerne!



Einen Mercedes gegen einen Mazda tauschen? Undenkbar für einen Autofahrer von Welt, der es nicht nur auf ein Auto, sondern auch auf das damit verbundene Prestige abgesehen hat. Kein Problem für Härtetester, wobei uns der Abschied vom tapferen C 220 CDI durchaus nicht so leicht fällt. Zumal der dunkelgrüne Mazda6 Sport in Sachen Ausstattung nicht mit dem Benz mithalten kann. Keine Lederausstattung, keine elektrisch verstellbaren Sitze, kein Navigationssystem.

Aber jede Menge Fans. Wir haben nicht einen Leser gefunden, der mit seinem Mazda6 unzufrieden ist. Dazu paßt das Dauertest-Ergebnis der AUTO BILD, deren 6er die 100.000 Kilometer ohne außerplanmäßigen Werkstattaufenthalt hinter sich brachte. Rekord!

Die erste positive Überraschung beim Umladen in Helsinki: Der Mazda6 Sport steckt das Gepäck aus dem Mercedes locker weg, die weit öffnende Heckklappe ist praktisch beim Beladen. Dafür mag bei der Betrachtung des Innenraums keine echte Freude aufkommen. Die Bedienung ist zwar kein Problem. Materialqualität und Farbwahl mögen allerdings nicht so recht zum perfekten Image passen. Das Cockpit unseres Mazda ist in ein helles Braun gehüllt, das schon ab Werk schrecklich alt aussieht. Ähnlich sieht das auch Leser Alexander Grätz, der seinen 6er Kombi zwar jederzeit wieder kaufen würde, sich aber doch eine etwas farbenfrohere Mittelkonsole wünscht.

Abschied von Helsinki

Seit der Abfahrt in Nürnberg liegen 2225 Kilometer, sechs Länder, diverse Temperaturstürze und unzählige Schlaglöcher hinter uns und dem Mazda, wobei der Japaner die Tour deutlich besser verkraftet hat als seine Insassen. Der Rücken zwickt, der Hintern schmerzt – an den Sitzen des Mazda kann es nicht gelegen haben. Die sind zwar recht klein dimensioniert (Sitzfläche) und ähnlich unattraktiv eingefärbt wie das Armaturenbrett, dafür aber angenehm straff gepolstert und damit absolut langstreckentauglich. Der Körper eines durchschnittlichen Büro-Europäers ist offensichtlich nicht dafür gebaut, eine Woche im Auto unterwegs zu sein.

Nach den obligatorischen Helsinki-Beweisfotos finden wir auch ohne Navigationssystem die Autobahn nach Hanko, dem südlichsten Zipfel finnischen Festlandes. Viel zu tun gibt es während der Fahrt weder für Fahrer noch Fahrzeug. Die finnischen Hauptstraßen sind in einem beneidenswert guten Zustand, erstaunlich leer, aber allesamt mit Tempolimits gesegnet. Revolutionäres Verhalten ist zwecklos, die örtliche Polizei ist sehr gut ausgestattet und leidet offensichtlich nicht unter Personalmangel. Wenig Gelegenheit also für den Mazda, sich auszuzeichnen. Bei dem gemäßigten Tempo brummt der Vierzylinder verhalten vor sich hin, das Fahrwerk schluckt die wenigen Unebenheiten straff, aber problemlos. Lediglich das Fünfgang-Getriebe nervt im städtischen Stop-and-go-Verkehr mit ungenauen Schaltwegen.

Die nächste Station ist Turku, wo wir mit der Fähre bei Nacht nach Schweden übersetzen wollen. Das ist gut für die Akkus der Härtetester, aber schlecht für den Kilometerstand. Nach der Ankunft in Stockholm bekommt der Mazda den letzten Rest estnischen Öls und verlangt ansonsten nur nach einem vollen Tank. Eine Tugend, die auch Tomislav Loncaric an seinem Mazda6 Sport Kombi zu schätzen weiß: Benzin und Öl, mehr wollte sein Kombi bislang nicht von ihm.

Endlich Elche unterwegs

Wir folgen der Autobahn E4 ins Landesinnere und flüchten auf die Landstraße Richtung Motala. Die ist zwar schön kurvig, aber gespickt mit unfaßbar vielen Radargeräten. Also wieder wenig Möglichkeiten für den Mazda, seine Qualitäten zu zeigen. Dafür sehen wir endlich die langersehnten Elche; zwar nicht in freier Wildbahn, dafür aber immerhin außerhalb der unzähligen Warnzeichen. Wir folgen dem Wegweiser zu einem Elchpark und finden uns wenig später in der schwedischen Pampa wieder.

Der straff gefederte Mazda hoppelt über einen groben Waldweg, steckt die fiesen Schlaglöcher und Spurrillen aber klag- und klapperlos weg. Die kaum eine Woche alten Baby-Elche lassen die Strapazen vergessen. Dafür drängt nun der Zeitplan, den wir nur unter Mißachtung der Geschwindigkeitsbegrenzungen einhalten können. Wir haben Glück und erwischen einen Autobahnabschnitt, der gerade nicht von der "Politsei" überwacht wird. Unser Mazda scheint regelrecht auf den kurzen Zwischensprint gewartet zu haben. Knurrend jagt der Vierzylinder übers Drehzahlband und hat keine Mühe, die 1375 Kilo Japaner über den Asphalt zu treiben. Auf Dauer kann einem das dröhnende Motorgeräusch aber auf die Nerven gehen.

Recht spät erreichen wir Lund, das vor allem Fans des schwedischen Roman-Kommissars Wallander ein Begriff sein sollte, und vermissen zum ersten Mal das Navigationssystem. Denn statt uns bequem die Hotels (samt Telefonnummern) in der Nähe anzeigen zu lassen, müssen wir die bildhübsche Universitätsstadt mühsam nach einer bezahlbaren Unterkunft abklappern. 2300 Euro hätte der elektronische Pfadfinder gekostet – einer der wenigen Posten, die auf der Zubehörliste auftauchen. Gerade dort sieht Leser Christian Tschiderer Ausbaubedarf. Neben den inzwischen erhältlichen Bi-Xenon-Scheinwerfern (nur für Ausstattung "Top") stehen Sechszylinder-Motoren und Kurvenlicht auf seinem Wunschzettel.

Über's Wasser gen Süden

Früh machen wir uns am nächsten Morgen auf den Weg nach Dänemark und steuern deshalb Malmö an – es lockt die 15 Kilometer lange Öresund-Brücke, die Schweden mit Dänemark verbindet. Wer allerdings übers Wasser fahren will, muß tief in die Tasche greifen: Pro Kilometer sind mehr als zwei Euro fällig. Fotografin Lena krabbelt auf der Suche nach der besten Perspektive durchs Auto und ist überrascht, wie geräumig es auf den hinteren Sitzen zugeht. Eine Erkenntnis, die auch viele Leser immer wieder betonen. Dagmar Carra transportiert neben ihren Kindern gelegentlich auch Erwachsene auf den Rücksitzen ihres Mazda6 und ist immer wieder von der großen Beinfreiheit begeistert.

Zwischendurch ärgert uns der Tageskilometerzähler des Mazda. Nicht auf die Vorgaben eines Härtetests ausgelegt, zählt das Ding immer nur bis 1000 und fängt dann wieder von vorne an. Ein echtes Ärgernis, weil man dabei den Überblick über die Gesamtlänge der Strecke verliert.

Kopenhagen empfängt uns mit einer Form von hektischer Betriebsamkeit, die wir nach endlosen finnischen und schwedischen Straßen einfach nicht mehr gewöhnt sind. Hinzu kommen enge Gassen, offensichtlich lebensmüde Fahrradfahrer und die nicht gerade übersichtliche Karosserie des Mazda. Also nichts wie raus. Und wieder fehlt das Navigationssystem. Den Weg nach Odense finden wir erst, nachdem wir diesmal unserem Mercedes die Führung überlassen. Bevor wir mit der Brücke über den großen Belt das nächste teure Superlativ unter die Räder nehmen, besteht Foto-Fee Lena auf Bilder mit Strandoptik. Gar nicht so einfach, wenn geschäftstüchtige Dänen so ziemlich jeden Zugang zum Wasser mit Feriensiedlungen zugestellt haben.

Mit Vollgas zum KBA

Vorbei an Odense geht es Richtung Deutschland. Flensburg ruft. Vorher gilt es allerdings, den Schock über die Verhältnisse auf deutschen Autobahnen zu verkraften. Praktisch auf Knopfdruck schalten gerade eben noch friedliche Autofahrer an der Grenze um auf Krieg. Vollgas, ohne Rücksicht auf Verluste. Wir brauchen einige Zeit, um uns wieder an die deutschen Gepflogenheiten zu gewöhnen. Der Mazda ist dabei das kleinste Problem. Die 141 PS reichen locker, um mit mehr als 200 km/h im Verkehr "mitzuschwimmen". Allerdings macht sich auf längeren Strecken der fehlende sechste Gang bemerkbar, der auch nach dem Facelift nicht auf der Ausstattungsliste auftaucht. So wird das angestrengte Röhren des Zweiliter-Triebwerks zur Qual. Dagegen kommt auch die gut klingende Musikanlage (Bose Sound-System, 850 Euro) nicht an.

Nach dem obligatorischen Abstecher zum Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zieht es uns schnell wieder zurück auf die Autobahn. Kilometer "machen". Kein wirklich spritsparendes Unterfangen, allerdings hat sich der Mazda bis jetzt auch sehr zurückgehalten. Ziemlich genau 398 Liter Superbenzin hat unser 6er auf 4572 Kilometern verbraucht. Das entspricht einem Durchschnitts-Durst von 8,7 Liter auf 100 Kilometer. Kein schlechter Wert. Ohne die Vollgas-Etappen zum Schluß wäre sogar noch weniger dringewesen.

Die letzte Nacht vor dem Ziel verbringen wir in Northeim, knapp 70 Kilometer vor Kassel. Am nächsten Tag geht es bei inzwischen wieder deutlich über 30 Grad auf die letzte Etappe nach Nürnberg. Die serienmäßige Klima-Automatik (ab Ausstattung "Exclusive") funktioniert bestens. Von der großen Hitze bekommen wir erst etwas mit, als unser Japaner in Rothenburg ob der Tauber zwischen einer Gruppe Japaner den letzten Fotostop einlegt.

Fazit und Qualitäts-Check

Fazit von AUTOMOBIL TESTS-Redakteur Jochen Knecht Einen Mercedes gegen einen Mazda6 tauschen? Aber gerne! Die positiven Bewertungen für den Mittelklasse-Japaner sind absolut berechtigt. Knapp 12.000 Kilometer spulte der Mazda während der drei Monate in der Redaktion problemlos ab. Die Konkurrenz aus Europa schaut in die Röhre!

Sie könnten sich vorstellen, selbst einen Mazda6 zu fahren? Dann lesen Sie die große AMT-Kaufberatung auf 29 Seiten mit allen Versionen, Ausstattungen und Motoren des Japaners. Über diesen Link gelangen Sie direkt ins Heftarchiv, wo Sie den Artikel für 1,00 Euro herunterladen können.

Das sagen Mazda6-Besitzer

Tomislav Loncaric, Mazda6 Sport Kombi 2.0 Exclusive: Ich war nie Mazda-Fan und habe mich auch nicht für dieses Autos interessiert. Ich wurde erst auf die Marke aufmerksam, als der neue 6er vorgestellt wurde. Ich bestellte mir einen Sport Kombi und habe die Entscheidung bis heute nicht bereut. Das Auto fährt sich sehr spritzig und absolut sparsam. Die Maschine hat 141 PS und ist mit einer Höchstgeschwindigkeit von 201 km/h angegeben. Allerdings schafft mein Mazda6 laut Tacho locker 220 km/h. Das Wichtigste aber ist für mich, daß es ein Auto ist, das nur Benzin und Öl verlangt. Probleme gab es bislang noch keine.

Dario Kovacic, Mazda6 2.3: Ich habe bereits zwei Mazda6 gehabt: Einen Diesel mit 136 PS (Firmenfahrzeug) und einen 2,3-Liter-Benziner mit 166 PS. Ich kann nur sagen, daß ich nie wieder ein deutsches Auto fahren werde. Die Japaner sind sehr fortschrittlich, was die Zuverlässigkeit angeht. Keiner meiner Mazdas mußte bislang außerplanmäßig in die Werkstatt. Nach über 150.000 Kilometern wurde lediglich einmal die Lichtmaschine im Rahmen der Inspektion ausgetauscht.

Christian Tschiderer, Mazda6 Sport 2.3 Top: Nach dem 626 ist der Mazda6 mein zweiter Mazda und wie sein Vorgänger ein äußerst treuer Begleiter. Die Verarbeitungsqualität ist gut. Ein einziges Mal trat ein Problem auf, das jedoch im Rahmen der Garantie behoben wurde. Meine Erfahrungen mit Mazda sind durchweg positiv: Kundenservice top, Preis-Leistung top, Ausstattung top. Leider gibt es noch ein paar Extras, die im Vergleich zur europäischen Konkurrenz bei Mazda auch nicht für viel Geld zu bekommen sind (Bi-Xenon-Licht, Sechszylinder-Motoren). Verbesserungsmöglichkeiten sehe ich außerdem beim Federungskomfort sowie bei der Karosseriesteifigkeit.

Alexander Grätz, Mazda6 Sport Kombi: Wir haben unser Fahrzeug im Dezember 2002 gekauft. Zu diesem Zeitpunkt war das Modell erst wenige Monate im Handel. Trotz kleinerer Mängel sind wir mit unserem Mazda6 vollstens zufrieden. Probleme gab es bisher mit der hinteren rechten Seitenscheibe, die beim Hochfahren knackt. Außerdem knarzt es seit Kilometerstand 25.000 beim Anfahren in der A-Säule. Zusätzlich waren wir noch von einer Rückrufaktion betroffen. Dennoch würden wir den Wagen jederzeit wieder kaufen.

Heinz Dolfen, Mazda6 Sport Kombi 2.0 CRD: Ich fahre meinen Mazda mit Volleder-Ausstattung seit August 2004. Bislang ist das Fahrzeug rund 28.350 Kilometer gelaufen. Es gab in dieser Zeit keinen Werkstattaufenthalt außer zu den Inspektionen. Besonders positiv stellen sich für mich Fahrwerk, Antrieb, Verarbeitungsqualität und Raumangebot dar. Auch die Sitze sind sehr bequem und bieten auch bei sportlicher Fahrweise ausreichend Halt. Nachteile sind mir bislang kaum aufgefallen. Der Lack scheint mir sehr anfällig für Kratzer zu sein, außerdem zeigen die Bremsen bei harter Belastung deutliches Fading. Mein Fazit ist jedoch sehr positiv, der Mazda6 ist nach diversen Modellen von VW und Mercedes mein bislang bestes Fahrzeug.

Timucin Tepedelen, Mazda6: Ich bin Neuwagenverkäufer und privat vom Mazda6 überzeugt und sehr zufrieden. Ich habe mein Fahrzeug seit vier Jahren und hatte bislang keinerlei Probleme. In der Werkstatt war ich nur zu den Inspektionen. Mit seinem Preis-Leistungs-Verhältnis, der Qualität, dem Design und der Zuverlässigkeit ist der Mazda6 eine perfekte Wahl. Ich freue mich schon auf den überaus sportlichen Mazda6 MPS, der den europäischen Wettbewerbern mit Sicherheit Kopfschmerzen bereiten wird.

Dagmar Carra, Mazda6 Sport Kombi: Wir haben uns den Mazda6 Sport Kombi im März 2004 gekauft und hatten seither nie Probleme. Für Kindersitze ist genug Platz, Isofix-Halterungen und der einfach zu deaktivierende Beifahrer-Airbag sind praktisch. Größere Personen haben auch hinten genug Beinfreiheit, und durch das großzügig verstellbare Lenkrad findet eigentlich jeder Fahrer die richtige Sitzposition. Der Kofferraum ist groß genug für alles, was man für Familienaktivitäten so braucht. Wir sind rundum begeistert!

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den Mazda6. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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