AUTOMOBIL TESTS-Härtetest

Härtetest Mini Cooper Härtetest Mini Cooper

AUTOMOBIL TESTS-Härtetest

— 04.11.2005

Mini's coming home

Die Neuauflage des Mini wird nach vier Jahren immer beliebter. Grund genug, den kleinen Engländer im Härtetest durch seine Heimat zu scheuchen.

Back to the roots!

Wer Mini sagt, muß auch Großbritannien sagen. Zurück zu seinen Wurzeln soll es gehen, mit einer kleinen Spritztour über die britische Insel. Das war schon bei der Vorbereitung dieses Härtetests klar. Denn nicht nur stammt der 1959 geborene legendäre Vorgänger aus dem vornehmen Oxford, auch die in Bayern entwickelte Neuauflage rollt seit 2001 im selben Werk vom Band. Also Landkarte gezückt und eine gemischte Route erarbeitet.

Wir wollen es dem Deutsch-Briten nicht allzu leicht machen. Enge Straßen stehen ebenso im Lastenheft wie Autobahnen und die schottischen Highlands – dort, wo sich enthusiastische Mini-Fahrer per Handzeichen grüßen.

Trotz bevorstehendem Linksverkehr und Kilometer-Marathon keimt Vorfreude auf – bis einen Tag vor Abfahrt. Dann das: Die Klimaanlage (Aufpreis 1250 Euro) des Cooper kühlt nicht mehr, heizt nur. Also auf zum BMW-Händler mit der Bitte um schnelle Kontrolle. Gesagt, getan: 400 Gramm (von 450 Gramm) Kühlmittel fehlen, werden aufgefüllt, und wir sind startklar. Es wird das einzige technische Problem auf den folgenden 5776 Kilometern bleiben.

Einstecken kann er nur schlecht

Frühmorgens packen wir den Mini. Sehr deutlich zeigt sich, daß in den nur 150 Liter kleinen Kofferraum unser Gepäck nicht reinpaßt. Zur Not ließen sich zwar die Rückenlehnen umlegen, 670 Liter gehen dann rein. Aber wir entscheiden uns für die geräuschärmere Variante und verfrachten Taschen und Jacken auf die hintere Bank. Zwei Erwachsenen ist diese als Sitzplatz ohnehin unzumutbar. Doch wie unsere Leser bestätigen, kauft sich keiner einen Mini aus praktischen Gründen. Wer sich für den Mini entscheidet, wählt ihn wegen seines Designs: frisch-strahlend und charakterstark. Das kostet. Der Mini startet bei 15.100 Euro, ist aber viel kleiner als ein VW Golf (ab 15.325 Euro).

Auf den ersten paar Autobahnkilometern ohne Geschwindigkeitsbegrenzung werden die sich schlapp anfühlenden 115 PS des 1,6-Liter-Vierzylinders von Chrysler voll ausgeschöpft. Der Motor verlangt für flottes Vorankommen hohe Drehzahlen, wird dabei aber laut und brummig, bevor er die volle Leistung aufbringt. Dann sind zwar 200 km/h Spitze drin, aber auch sehr laute Windgeräusche, Pfeifen an der Frontscheibe und ein großer Verbrennungsdurst von 10,6 Liter auf 100 Kilometer. Der satt-sonore Klang des Auspuffs ist das einzige Zeichen der sportlichen Seite des Vierzylinders. Nicht zeitgemäß ist der hohe Ölverbrauch bei dieser Etappe von 0,8 Liter.

Auf belgischen und französischen Autobahnen herrscht wieder Tempolimit, so daß die Vernunft siegt. Ruhig spult der Mini seine Kilometer bis nach Calais ab. Im Hafen dann die erste Zwangspause, wir besorgen uns die Tickets und gleiten in den engen Bauch der Fähre. Bei einer Länge von nur 3,61 Metern haben wir keine Probleme, den Kurzen fix einzuparken. Doch trotz der kompakten Maße und der Rundumverglasung ist der Mini beim Zurücksetzen recht unübersichtlich. Kratzer soll die Einparkhilfe (300 Euro) verhindern. Nervig: die weit öffnenden Türen und ihr lautes Knallen auch bei sanftem Schließen.

Unwiderstehliches Kart-Feeling

Bei Ankunft in Dover lassen wir uns in die tiefe und bequeme Sitzposition der Sportsitze (270 Euro) fallen, schalten das Xenonlicht (570 Euro) an und konzentrieren uns von nun an auf den Linksverkehr. Es geht immer der Küste entlang nach Brighton, und nach dem dritten Kreisverkehr fühlen wir uns nicht mehr unsicher.

Im Gegenteil, mit breitem Grinsen steuern wir das nächste Rondell an: Der Fuß bleibt auf dem Gaspedal stehen, und mit leichtem Dreh an der direkten Lenkung schwingt der Mini seine Hüften, wird in den Kreis förmlich hineingezogen. Die Federn geben kaum nach, und durch die starke Ausformung der Sportsitze werden Fahrer und Beifahrer sicher festgehalten. Dank der kurzen Karosserie und des 2,46 Meter langen Radstands ist das Fahrverhalten für die Klasse unübertroffen agil. Es ist dieses "Kart-Feeling", das auch Leser Thomas Braun begeistert.

Beim Sympathieträger und Frauenversteher fallen nur Kleinigkeiten negativ auf, die mit der Zeit nerven. Die kleinen Kippschalter liegen zu nah beieinander und sind fummelig in der Mittelkonsole integriert. Beim Griff zum Fensterheberschalter wird schnell unabsichtlich die Stabilitätskontrolle (ab 320 Euro) deaktiviert. Gefährlich. In Südengland bei 25 Grad Sonnenschein freuen wir uns aber über das schnelle Öffnen der Scheiben. Die Klimaanlage bleibt aus, wir genießen die Wärme und stellen im Navigationssystem mit DVD-Laufwerk (2350 Euro) Birmingham ein.

Viel Fahrspaß auf kurvigen Landstraßen

Quer durch den grünen Dartmoor-Nationalpark führt die schöne Strecke mit ihren engen Kurven und nicht einsehbaren Kuppen. Dank seiner extrem verwindungssteifen Karosserie knarzt der Mini keineswegs, und er glänzt mit viel Traktion, wo andere Autos schon über die Vorderräder rutschen. Nur das knackige Fünfgang-Getriebe läßt sich nicht mehr so leicht schalten – zwischen den ersten beiden Gängen hakt es. Ein Problem, von dem auch Leser berichten. Und beim 100.000-Kilometer-Test unserer Schwesterzeitschrift AUTO BILD mußte das Getriebe nach 69.669 Kilometern getauscht werden.

Auf der Autobahn bemerkt man das kaum, eher das für einen Kleinwagen üppige Raumgefühl vorn. Die steile Windschutzscheibe und das weit nach vorne gezogene Dach sorgen dafür. Beklemmungen werden Passagiere in der ersten Reihe nicht bekommen, nur zwickt ab und an das Hosenbein: Die Sitzauflagen sind einen Tick zu kurz geraten.

Bei Stadtfahrten mit vielem Beschleunigen und Abbremsen fällt das nicht auf, die Beine tanzen auf den Pedalen und werden einfach nicht müde. So huschen Liverpool, Birmingham und Manchester vorüber – ganz klar, der Mini gehört in die Stadt, auf die Rennstrecke oder auf gewundene Landstraßen. Also wieder ab von der Autobahn und durch den Lake District National Park Richtung Glasgow. Der Bordcomputer (130 Euro, bei Navi-Professional dabei) zeigt deutlich kühlere Temperaturen, als wir durch die schottische Stadt fahren. Und das soll noch nicht der Tiefpunkt sein. Schön, daß der Testwagen mit Sitzheizung ausgestattet ist (280 Euro).

Mit warmen Hintern und Blick auf die beiden Micky-Maus-Ohren hinterm Lenkrad passieren wir die schottischen Highlands. Der Mini ist in seinem Element, spult mit Freude die Strecke bis ins nördliche Thurso ab. Dort wartet das typische England: grau, verregnet, kalt. Ein guter Grund, einen prüfenden Blick auf den Mini Cooper zu werfen: Härtetest bestanden. Zwar ein Stadtauto und etwas klein für vier, aber er paßt für die weite Reise nach England, nach Hause. Und das mit sehr viel Fahrspaß.

Fazit und Qualitäts-Check

Fazit von Fabian Hoberg Wer Mini fährt, der liebt ihn: Das Design ist immer noch einmalig frisch. Objektiv sticht das Kart-Gefühl heraus. Verarbeitung und Materialanmutung könnten für den happigen Preis hochwertiger sein. Und selbst der Motor fühlt sich nicht nach 115 PS an. Sonst? Mehr Freude als Frust.

Das sagen Mini-Fahrer

Elke Keul, Mini Cooper S Cabrio: Ich fahre seit April 2005 ein Cooper S Cabrio und bin einfach begeistert. Das Design ist eine Geschmacksfrage – ich finde es Klasse. Der Mini ist wendig, bringt sehr viel Spaß mit seinen Kart-Eigenschaften, und selbst der Langstreckenkomfort ist gut. Er ist aber kein Benzinsparwunder, besonders über 150 km/h wird der Motor durstig, aber Cooper S wird bestimmt nicht wegen der Verbrauchswerte gekauft. Der Motor zieht gut, selbst aus niedrigen Drehzahlen, und hat das einzigartige Cooper-S-Brummen und -Blubbern, tolle Akustik. Nur bei Paßfahrten wünsche ich mir mehr Hubraum. Das Auto war bisher mängelfrei, ist gut verarbeitet und verfügt über eine hohe Steifigkeit: kein Klappern, kein Karosseriezittern. Der Innenraum überzeugt mich mit pfiffigen und praktischen Ideen, wie gekühltes Handschuhfach und rutschfeste Ablagen. Ich hätte es auch kürzer schreiben können: IS it love? Yes, it is.

Jutta Rösner, Mini One: Seit Juni 2004 fahre ich einen Mini One und bin sehr zufrieden. Bisher hatte ich keine technischen Ausfälle. Die Fahreigenschaften auf trockener, nasser oder schneebedeckter Straße sind gut. Der Spritverbrauch ist mit 8,6 Liter zu hoch, aber wenn man das Auto flott bewegt, ist das kein Wunder. Das muß man aber tun, denn der Mini One hat trotz der 90 PS im unteren Drehzahlbereich seine Schwächen.

Ina Lorenz, Mini Cooper Cabrio: Von meinem Mini Cooper Cabrio bin ich begeistert. Das Design ist unschlagbar: Ein knuffiger, kleiner Freund, der Emotionen weckt. Bei vernünftiger Fahrweise über die Autobahn pendelt sich der Verbrauch bei 6,6 Liter ein, der Durchschnitt liegt bei 7,5 Liter. Platz ist für zwei Personen ausreichend vorhanden, ein Kindersitz läßt sich auch problemlos ein- und ausbauen. Auch wenn der Kofferraum mini erscheint, paßt alles rein, was man zum Überleben braucht: Beim Golfbag wird einfach eine Rückbank umgeklappt und durchgeladen – perfekt. Für mich ist der Mini DAS Auto.

Heinz Knol, Mini Cooper S: Seit November 2004 besitze ich einen Cooper S und habe mittlerweile 17.000 Kilometer abgespult. Fazit: Die Fahrleistungen und der Verbrauch mit 8,5 Liter gehen in Ordnung, für die Verarbeitung gebe ich die Note 2,5. Probleme macht das Glas-Schiebedach: Da knackt es doch deutlich im Gebälk. Unüblich ist der Ölverbrauch des Motors: Ich mußte bereits einen Liter nachfüllen.

B. Wittstock, Mini Cooper S Cabrio: Seit einem Jahr fahre ich einen Mini Cooper S Cabrio, einen der ersten, die gebaut wurden. Dennoch halten sich die Kinderkrankheiten bis jetzt in Grenzen. Nach 13.000 Kilometer (zu 95 Prozent Stadtverkehr) war mein Mini erst einmal in der Werkstatt: Beide Tür-Seitenscheiben sind bauartbedingt (keine Rahmen) wackelig eingebaut – die Halterung leiert dadurch aus, und so schlagen die Scheiben oben gegen das Dach. Ergebnis: Klappergeräusche während der Fahrt und keine Absenkung mit der Einzugsautomatik. Die Scheibe blieb unter Spannung offen. Das elektrische Verdeck schließt hingegen problemlos. Sehr gewöhnungsbedürftig ist die eingeschränkte Sicht nach hinten. Der Innenraum gefällt mir gut, nur der Hebel zum Verstellen der Sitzhöhe bleibt beim Aussteigen oft am Hosenbein hängen. Den Fahrspaß brauche ich nicht extra zu erwähnen.

Thomas S. Braun, Mini One: Seit einem Jahr (15.000 Kilometer) fahre ich begeistert einen Mini One mit riesigem Panorama-Sonnendach. Lifestyle und Spaß, die der Mini mir vermittelt, sind super. Ich habe mit dem Mini nur positive Erfahrung sammeln können, hinzu kommt das Kart-Feeling. Zwar könnte der Mini mehr Leistung vertragen, aber dann würde der Verbrauch weiter steigen: Unter neun Liter komme ich in der Stadt nicht aus. Das ist für ein so kleines Auto einfach zu hoch. Mängel: In den ersten Monaten machten sich Geräusche in Getriebe oder Kupplung bemerkbar. Das Bauteil wurde auf Kulanz gewechselt. Die Materialien im Innenraum sind eines BMW unwürdig und werden dem Preis nicht gerecht.

Pierre Kerchner, Mini Cooper S: Der Mini ist ein schönes Spielzeug, aber im Alltag taugt ein Audi A3 oder VW Golf mehr. Die Windschutzscheibendichtung löst sich sehr schnell. Dafür ist das Design sehr gelungen.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den Mini Cooper. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Fabian Hoberg

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